03.06.06
Der letzte Tag in Shuangliu
Heute Morgen hieß es früh aufstehen. Fast pünktlich um 8.00 Uhr stand der Van der Junior School vor unserer Tür und holte uns zu unserem letzten Samstagausflug ab. Es hatte inzwischen aufgehört zu regnen, es war aber sehr diesig. Eine ganz junge Englischlehrerin, die seit drei Tagen, frisch ihr Universitätsstudium abgeschlossen, an der Schule arbeitet und den Rest des Schuljahres im Foreign Affairs Office arbeitet, sowie Claire begleiteten uns auf dieser Fahrt, die noch einmal einen Höhepunkt meines Aufenthaltes hier darstellte. Unser Ziel war heute der Stone Elephant Lake, ein wunderschönes ökologisches Gelände, etwa eine Autostunde von Shuangliu entfernt. Zunächst wanderten wir an riesigen Blumenflächen vorbei, vergleichbar mit unserem Elbauenpark. Es gab viele verschiedene Blumenarten zu sehen, viele davon gibt es auch in Deutschland. Und dann traten wir ein in einen Urwald. Ein schmaler Pfad führte uns zum See. Da wir zu so früher Stunde fast die einzigen dort waren, konnten wir die tolle Atmosphäre aus vollen Zügen genießen. Die frische tropische Luft und die verschiedenen Vögel und Insekten, die lautstark ihre Geräusche von sich gaben, vermittelten das Gefühl von Dschungelurlaub. Am Fuße des Waldes erstreckte sich schließlich der große See, der von einzigartiger Landschaft umgeben war. Mit dem Boot wurden wir durch das Gelände geschippert. Auf der 90minütigen Fahrt gab es beim Betrachten der verschiedenen Bäume und Vögel am Ufer die pure Erholung. Zwischendurch erklang aus dem Dschungel herrliche dezente Instrumentalmusik, die die Atmosphäre noch beruhigender werden ließ.
Das Mittagessen nahmen wir gleich dort in dem Parkgelände ein. Passend zu dem Erlebten gab es unter anderem Heuschrecken zu essen. Danach ging es zurück nach Chengdu, wo wir noch ein paar Einkäufe erledigen konnten. Um 17.00 Uhr waren wir wieder in Shuangliu, gerade noch rechtzeitig, um uns auf das große Abschiedsbankett im Hotel vorzubereiten. Zwischendurch kam Tina noch, um sich zu verabschieden, da sie nicht weiß, ob sie morgen früh mit zum Flughafen kommen kann. Wes ist heute im Laufe des Nachmittags mit seiner Familie ausgezogen, so dass ich keine Chance mehr hatte, mich von ihm, seiner Frau Bernadette und seiner süßen Lady mit den 12 Vornamen zu verabschieden.
Um 19.00 Uhr gab es schließlich das Abschlussdinner. Neben den beiden Schulleitern der Junior und Senior School trafen sich zehn weitere Schulleitungsmitglieder und Beschäftigte der Foreign Affairs Offices, sowie Camille, zum Abschiedsmahl. Es wurde wieder ein Toast nach dem anderen ausgesprochen, es wurden uns viele nette Worte und Geschenke mit auf den Weg gegeben, so dass ich den Rest meines Lebens bei chinesischem Teegenuss und bester Gesundheit verbringen werde. Eine andere Alternative gibt es nicht. Es wurde mir eine offizielle erneute Einladung ausgesprochen, als Gastlehrer an den Schulen zu arbeiten. Bis zu den Schulleitern hatte sich herumgesprochen, dass mich alle meine Schüler hier lieben, die ich drei Monate lang unterrichten durfte. Mit diesen netten Worten und dem guten Gefühl, etwas von meiner Heimat, der Sprache und den Traditionen weitergegeben zu haben, werde ich mich morgen gemeinsam mit Karen auf den Heimweg begeben, mit Stopp und zweitägigem Aufenthalt in Shanghai.
Inzwischen habe ich ein paar weitere Anrufe und Besuche zum Abschied erhalten mit den besten Wünschen für eine gute Heimreise und dem Versprechen, mich in Zukunft zu vermissen.
Ich möchte mich bei allen Lesern meines Blogs recht herzlich für ihr Interesse bedanken, und vielleicht treffen wir uns auf eine Tasse herrlichen grünen chinesischen Tee zum Gedankenaustausch. In diesen drei Monaten durfte ich so viel erleben und Erfahrungen sammeln, von denen ich jedem Interessenten gern erzähle.
Posted by carola um 23:18 | Kommentare (0)
02.06.06
Die Farewellparty
Nachdem es die ganze Nacht geregnet hatte, herrschte heute Morgen tropische Saunaluft, der Blick glich einer beschäftigten Waschküche. Die Kleidung klebte förmlich am Körper. Später regnete es wieder in Strömen. Inzwischen gibt es hier auch die ersten Mosquitos. Bisher konnte man zu jeder Tages- und Nachtzeit unbehelligt durch die Gegend wandern.
Am Nachmittag betrat ich zum letzten Mal das Foreign Affairs Office in der Senior School, trank meinen letzten von Sirley servierten Tee und hielt meine letzte Stunde in der „Spezigruppe“. Karen machte noch ein paar Fotos zur Erinnerung, Abschiedsgeschenke wurden getauscht, und zum Schluss informierten uns die Schüler, dass alle neun am Sonntagmorgen auf dem Flughafen stehen werden, um uns zu verabschieden. Mir wäre es ehrlich gesagt lieber, wenn ich hier still und heimlich abreisen könnte, den Gefallen werden mir aber die Schüler und zahlreichen Freunde nicht tun.
Am Abend hatte ich meine Farewellparty. Acht Freunde hatten die Zeit gefunden und folgten meiner Einladung in das Impression Café: Louis und Sky vom Golden Apple Kindergarten, Jane und Claire von der Junior School, Sirley, Lena und Glen von der Senior School sowie Camille. Karen war wieder der Fotograf vom Dienst und hielt alles im Bild fest. Es war eine nette Runde. Bei einem Glas Great Wall Rotwein und verschiedenen Snacks musste jeder auf Bitten von Camille erzählen, was er mit mir in den drei Monaten erlebt hat und was sein bleibendes Erlebnis aus dieser Zeit ist. Louis reichte dann seinen MP 3-Player herum, auf dem jeder noch einen Gruß an mich richtete. Morgen wird er mir die Grüße auf CD gebrannt mit auf die Reise geben, so dass ich mich auch noch jeder Zeit an die Stimmen erinnern kann. Ich muss schon sagen, der Abschied wird mir hier wahrlich nicht leicht gemacht. Und inzwischen kann mich Karen auch verstehen, wie und warum ich hier drei Monate ohne Probleme glücklich verbringen konnte, umgeben von so vielen netten Menschen, und es mir schwer fällt, Shuangliu wieder zu verlassen.
Posted by carola um 23:59 | Kommentare (0)
01.06.06
Kindertag im Kindergarten
Heute war es wieder richtig heiß. Bereits am Morgen brannte die Sonne und schaffte es, die Leute zum Schwitzen zu bringen.
Für uns hieß es heute früh aufstehen. Zum Internationalen Kindertag hatten die Kinder des Golden Apple Kindergartens ein herrliches Programm zusammengestellt, das in einer zweistündigen Veranstaltung am Vormittag den Eltern präsentiert wurde. Wir durften uns auch als Gäste an dem Auftritt der Kinder erfreuen. Auf einer großen Bühne tanzten und sangen sie in wunderschönen Kostümen. Die zahlreichen Eltern waren sichtlich stolz auf ihre Sprösslinge. Die Erzieher hatten sich sehr viel Mühe gegeben, so dass die Kinder schon merkten, dass für sie heute ein besonderer Tag ist. Auch im Fernsehen gab es auf allen Kanälen viele verschiedene Sendungen zu Ehren der Kinder.
Zum Mittagessen fanden wir uns mit Camille und Jonathan noch einmal in unserem Restaurant um die Ecke ein, da die Tage des gemeinsamen Speisens gezählt sind.
Am Nachmittag betrat ich zum letzten Mal das Gelände der Junior School, was sich heute als richtig schwierig erwies. Das Wachpersonal am Eingang ließ uns nicht durch, da wir uns nicht ausweisen konnten und sie uns nicht kannten. Ausgerechnet heute hatte ich nach drei Monaten das erste Mal meinen Schulausweis nicht mit, da er noch in einer anderen Tasche steckte, die ich heute Morgen mit in den Kindergarten genommen hatte. Diesen Ausweis habe ich drei Monate lang mit mir herumgetragen, ohne, dass jemand einen Blick darauf werfen wollte. Erst ein Anruf im Foreign Affairs Office brachte Klarheit, und ich bekam doch noch die Gelegenheit, eine letzte Deutschstunde zu erteilen. Heute erschienen ganze vier Schüler zur Generalwiederholung. Aber vor der offenen Tür auf dem Flur herrschte ein höllischer Lärm, so dass Claire die Verursacher kurzerhand in die Deutschstunde einlud. Die Schüler setzten sich auch brav dazu und lauschten aufmerksam dem Gespräch zwischen Lehrer und Schüler. Sie fanden es sichtlich interessant, wie viel die Deutschschüler sagen konnten und wie gut sie auf meine Fragen reagierten. Es ist schon eine zusätzliche Belastung, die sich die Schüler auferlegt haben neben ihren zahlreichen Pflichtveranstaltungen. Die vier Standhaftesten würden gern weiter lernen, während die meisten vorzeitig das Handtuch warfen. Diese Deutschstunde bedeutete für die Schüler schließlich auch eine 40minütige Verkürzung ihrer Abendbrotpause.
Zum Dinner ging es heute zum letzten Mal mit Claire in das Restaurant in der Nähe der Schule. So bekamen wir die Gelegenheit, noch einmal den leckeren gedämpften Fisch und andere diverse Gerichte zu essen. Auf dem Heimweg machten wir einen kleinen Umweg und zeigten Claire das Café, in dem morgen Abend meine Abschiedsparty stattfindet.
Den Abend verbrachten wir mit Camille und Jonathan bei uns oben bei einer Tasse grünen chinesischen Tee. Demnächst werden die beiden hier ganz allein in dem Haus wohnen. Am Samstag zieht Wes mit seiner Familie in eine andere Wohnung nach Chengdu, da sein Vertrag mit der Schule heute abgelaufen ist. Wes hat letzten Samstag einen Job für das kommende Semester, beginnend im September, an einem College in Chengdu bekommen. Vorgestern war er auf fünf verschiedenen Polizeiämtern, um noch eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, bis er sein Visum verlängert bekommt. Das gestaltete sich aber schwieriger als gedacht. Bis gestern war keiner bereit, ihm diese Genehmigung zu erteilen. Irgendwie wird er es wohl noch schaffen. Dass er noch eher das Haus verlässt als ich, war vor wenigen Wochen nicht absehbar.
Heute möchte ich dir, liebe Julia Linke, ganz herzlich zu deinem Geburtstag gratulieren. Ich wünsche dir für dein neues Lebensjahr alles erdenklich Gute, beste Gesundheit, sowie viel Glück und Erfolg bei der Erfüllung deiner schulischen Aufgaben.
Posted by carola um 23:12 | Kommentare (0)
