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16.05.06
So anziehend wie ein Magnet
Heute war es wieder heiß. Solche Temperaturen wünsche ich mir für meine Sommerferien. Am Morgen war es völlig versmogt, aber mit zunehmender Tageszeit wurde der Durchblick besser.
Auf meinem morgendlichen Rundgang beobachtete ich zunächst Hunde, die in einer Tierklinik am Tropf lagen. Der Raum war von der Straße aus gut sichtbar, weil die Tür offen stand und keine Vorhänge vor den großen Schaufenstern waren. Dasselbe konnte ich ein paar Straßen weiter beim Zahnarzt beobachten. Förmlich auf der Straße wurde ein Patient behandelt, während nebenan geschweißt und Dreck aufgewirbelt wurde. Der Zahnarzt trug allerdings einen Mundschutz. Ich kann nur hoffen, dass ich auch in den letzten Wochen meines Aufenthalts hier von Krankheiten verschont bleibe und keinen Arzt aufsuchen muss. Ein Arztbesuch kommt einer Horrorvorstellung gleich. Aber es gibt ja mehr als genug Chinesen, die sich bester Gesundheit erfreuen. Wie auch immer, für mich ist das unglaublich.
Nach meinem Unterricht hatte ich mich ursprünglich mit Camille zum Abendessen verabredet, aber Bryan lud uns kurzfristig zu einem umfangreichen Dinner in ein mir bis dahin unbekanntes Hotel ein. Ein weiterer Englischlehrer der Schule, Sirley und Glen waren mit von der Partie. Sie hatten heute den ganzen Tag an einer wichtigen Übersetzung für den Schulleiter vom Chinesischen ins Englische gearbeitet und hatten sich diese Auszeit gegönnt. Wenn für nichts anderes Zeit bleibt, aber Zeit zum Essen muss sein. Camille war am Morgen gebeten worden, heute Abend eine Korrektur der Übersetzung zu lesen. Deshalb hatte sie im Teehaus unseren angekündigten Besuch abgesagt. Umso überraschter waren die drei hübsch gekleideten Damen, als wir doch erschienen. Bryan war nicht fertig geworden und hatte Camille für morgen bestellt. Er ging wieder in sein Büro, um weiter zu arbeiten. So geht das hier in China laufend. Man kann sich nichts vornehmen, ständig werden die Pläne kurzfristig über den Haufen geworfen. Wenn man die Schüler oder Lehrer fragt, wann der letzte Schultag ist, kann keiner diese Frage beantworten. Es gibt keinen letzten Schultag hier. Keiner macht irgendwelche Urlaubspläne, weil keiner weiß, wann er frei hat. Unvorstellbar.
So verbrachten wir den Abend wieder in unserem geliebten Teehaus in netter Gesellschaft. Zunächst verpassten wir den drei Damen auf ihren eigenen Wunsch hin einen englischen Namen. Dazu hatte Camille drei Seiten mit Namen und deren Herkunft mitgebracht. Wir riefen dann die Namen, und derjenige, der den Damen am besten gefiel, bei dem sie sich angesprochen fühlten, wurde ausgewählt. Ab heute heißen sie Celia, Roseanne und Vanessa. Und das Geschäft lief auch heute Abend wieder auf Hochtouren. Wir scheinen wirklich wie Magneten zu wirken. Fast jeder Passant hat das Bedürfnis, gemeinsam mit einem Ausländer eine Tasse Tee zu trinken. Natürlich kaufte dann jeder noch etwas, bevor er den Shop verließ.
Der Besitzer des Western Style Cafés kam auch vorbei und fragte, ob wir noch in seinem Café vorbeischauen würden. So ließen wir den Abend dort bei Musik von Frank Sinatra und Elvis Presley sowie einem Eiskaffee ausklingen, auf den wir noch acht Yuan Rabatt bekamen.
Posted by carola um 16.05.06 23:25
Kommentare
Werden die Chinesen eigentlich NIE muede? Klagen sie NIE ueber zu viel Arbeit oder dass sie am Abend geschafft sind? Oder sind z. B. die Lehrer an deiner Schule alle noch so jung, dass sie den Arbeitsstress so einfach wegstecken?
Pass' gut auf dich auf. Und wirklich, besser du wirst dort nicht krank.
Liebe Gruesse aus der Heimat,
Conny
Posted by: conny um 17.05.06 02:03
