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09.05.06
Post aus Deutschland
Heute Morgen besuchte mich Claire, um sich die Bilder vom Englischwettbewerb in Dujiangyan von meinem Laptop herunter zu laden. Es soll in der Schule öffentlich bekannt gemacht werden, dass zwei Schülerinnen der Junior School an diesem Contest teilgenommen und sich bis ins Finale durchgekämpft haben. Leider habe ich mit vielen Bildern, die ich gemacht habe, Probleme, sie in mein Album zu stellen, u.a. auch diese.
Als ich am Nachmittag vor meiner Stunde ins Büro kam, lag eine Ansichtskarte mit lieben Grüßen an mich auf dem Tisch, die erste Post, die mir nicht per Computer gesandt wurde. Lieber Günter Mösenthin, ich bedanke mich ganz herzlich für die lieben Grüße vom Rhein, die tatsächlich nach 12 Tagen hier eingetroffen sind. Meine Bücher dagegen, die ich am 10. März in Bejing zur Post gebracht habe, sind heute, nach zwei Monaten, noch nicht zu Hause angekommen. Ich hoffe, dass die zahlreichen Karten, die ich versandt habe, ihren Empfänger erreicht haben. Einige Bestätigungen habe ich erhalten.
Heute Abend begaben wir uns in das Lieblingscafé der Amerikaner, um noch einmal gemeinsam Tee zu trinken, bevor Jason morgen wieder nach Hause fliegt. In dem Straßenabschnitt herrschte reine Dunkelheit, der Strom hatte mal wieder versagt. So saßen wir bei Kerzenschein, bekamen aber heißen Tee serviert. Es war sehr gemütlich. Gegen 21.30 Uhr, nachdem der Strom gerade wieder da war, machten wir uns auf den Heimweg. Ungewöhnlich viele Geschäfte hatten um diese Zeit ihre Rollläden bereits heruntergelassen. Um so lauter schallte die Musik aus vereinzelten anderen Geschäften. Es zog ein kräftiger Wind auf, der frische Luft mit sich brachte, richtig angenehm. Zu Hause angekommen, wurde es regelrecht stürmisch. Inzwischen gießt es in Strömen, begleitet von einem kräftigen Gewitter. So ist die Hoffnung auf etwas Abkühlung morgen groß, zumindest in den frühen Morgenstunden.
Letzte Woche bemerkte Wes, dass sein Arbeitsvisum nur noch bis zum 1.Juni 2006 gültig ist. Heute erfuhr er, dass sein Arbeitsvertrag mit der Schule nicht verlängert wird. Da keine Zeit mehr bleibt, alles auf die Reihe zu bekommen, irgendwo einen neuen Arbeitsvertrag zu bekommen, weil viele Schritte, Behördenbesuche, ärztliche Untersuchungen usw. im Vorfeld nötig sind, muss auch er zurück nach Kanada, nach fünf Arbeitsjahren und Gründung einer Familie. Er ist völlig verzweifelt, weil er nicht weiß, wie es weitergehen soll. Darauf nimmt hier aber keiner Rücksicht. Schließlich ist es seine Nachlässigkeit, und die Bedingungen, hier als Lehrer arbeiten zu können, sind auch härter geworden. Er kann keinen Nachweis über eine abgeschlossene Ausbildung bringen, das erschwert die ganze Sache zusätzlich zu dem Zeitproblem. Das wurde in der Vergangenheit hier großzügiger gehandhabt. So wird das Haus immer leerer. Wenn auch noch Jonathan am 31. Juli das Land verlässt, ist Camille die einzige, die hier wohnt. Ihr Vertrag dauert bis zum 31. Januar 2007.
Posted by carola um 09.05.06 23:56
