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03.05.06
Meine Reise nach Emei-Mountain
Während die Schüler von Mittwoch bis Sonntag ihre Prüfungen hatten, lief es bei mir recht ruhig ab, da auch die beiden Stunden am Mittwoch und Freitag wegen der Prüfungen ausfallen mussten. Camille besuchte mich jeden Abend auf ein Schwätzchen und eine Tasse Tee, da auch sie nichts am Computer machen konnte wegen der fehlenden Internetverbindung. Am Sonntag Mittag, nachdem die letzte Prüfung erledigt war, fuhren Camille und ich in Begleitung von Lena und einem netten Schüler, Terry, dessen Vater das Hotel gehört, nach Mt. Emei City, wo wir drei unserer freien Tage verbringen wollten. Hier in Shuangliu herrschten zu dieser Zeit 32 Grad Celsius. Wir sollten warme Kleidung anziehen, da es in den Bergen entschieden kälter sein sollte, was sich allerdings als Irrtum herausstellte. Ich habe drei Tage nur geschwitzt, weil ich viel zu warm angezogen war.
Zunächst fuhren wir mit dem Bus nach Chengdu, dann ging es weiter nach Mt. Emei City. Wir benötigten insgesamt für die etwa 180 Kilometer gute 4 Stunden. Es war auf allen Busbahnhöfen zu spüren, dass Feiertage anstanden. Alles war überfüllt, überall wartende Menschenschlangen.
Im Teddy Bear Hotel angekommen, wurden wir ganz herzlich von Terrys Eltern begrüßt. Außerdem saßen drei Paare aus Holland und Belgien bei einer kühlen Flasche Bier und waren ganz stolz auf sich, die höchste Stelle des Gebirges zu Fuß erklommen zu haben. Wir diskutierten ausgiebig unsere Route für den nächsten Tag. Andy, der Hotelbesitzer und Terrys Vater, gab uns dabei hilfreiche Tipps. Danach ging es noch in die Stadt, Terry ließ es sich nicht nehmen, uns die schönsten Straßen und Plätze im Zentrum seiner Heimatstadt bei Nacht zu zeigen. Mt. Emei City ist wahrhaftig eine wunderschöne Stadt, eben ein richtiger Urlaubsort. So viele Europäer habe ich bisher an keinem anderen Ort hier in China gesehen.
Am nächsten Tag ging es früh raus. Camille, die am lautesten geschnarcht und uns um unsere Nachtruhe gebracht hatte, beschwerte sich über das harte Bett, das der Grund dafür war, dass sie so schlecht geschlafen hatte. Nichts desto Trotz fuhr um 8.00 Uhr unser Bus los, der uns zum höchsten Punkt der Emei Mountains bringen sollte, den man auf der Straße erreichen kann. Die Aussichten von allen erdenklichen Punkten waren grandios, einfach toll. Das einzige, was fehlte, waren kühlere Temperaturen. Weiter bergauf ging es dann mit der Seilbahn. Den letzten Teil mussten wir dann zu Fuß erklimmen. Da Camille nicht so gut zu Fuß war, lief diese Wanderung eher gemütlich ab. Wanderstäbe hatten wir von Andy ausgeliehen bekommen. Es waren in erster Linie Treppenstufen zu steigen. Unterwegs liefen uns die wilden Affen über den Weg, die es im Emei-Gebirge an vielen Stellen zu sehen gibt. Das war nicht ganz ungefährlich, aber alle Mal sehr interessant. Um die Mittagsstunde hatten wir dann den zweithöchsten Punkt, Jinding Peak (3077m), erreicht. Alle Punkte boten einen grandiosen Blick auf eine wunderschöne Landschaft. Um zum höchsten Punkt des Gebirges zu gelangen, mussten wir wieder zurücklaufen. In der Nähe der Seilbahn gab es eine Monorailbahn, die uns in 10 Minuten auf die andere Seite des Berges brachte. Der Wanfo Peak, oder auch Ten Thousand Buddhas Peak genannt, erhebt sich 3099m über dem Meeresspiegel. Überall gab es mächtige Tempel und große Buddhastatuen zu sehen. Den berühmtesten Tempel im Emei-Gebirge mussten wir uns zu vorgerückter Stunde auch noch ansehen. Während Camille streikte, weil ihr die unendlich vielen Treppenstufen überall zu viel wurden, scheuten Lena und ich bei der Hitze keine Mühe, um auch noch den Wannian Tempel zu besuchen. Zuvor waren wir noch mit einer anderen Seilbahn einen anderen Hang hinaufgefahren. Bei dieser Gondelfahrt kam ich mir zeitweise vor wie in unserem Dschungelurlaub vor zwei Jahren in Costa Rica. Es herrschte eine unglaubliche Geräuschkulisse von Zikaden und Vogelgezwitscher. Zurück mussten wir uns beeilen, um den letzten Bus um 18.00 Uhr nach Mt. Emei City zu erreichen. Nach 10 Stunden auf den Beinen durchs Gebirge brannten die Füße schon ganz schön, und erst meine Unterarme... Dort, wo mein Shirt die Haut nicht bedeckt hat, habe ich mir einen kräftigen Sonnenbrand geholt.
Heute Morgen führte uns Terry in die andere Richtung seiner Heimatstadt. Es gab einen herrlichen Park, verschiedene Wasserfälle, Tempel und ein sehr interessantes Museum mit allen Tieren und Pflanzen, die man im Emei-Gebirge findet, zu sehen. Nach dem Mittagessen ging es dann schon wieder zurück nach Shuangliu. Die Leute im Hotel waren so unglaublich nett zu uns, so dass der Abschied richtig schwer fiel.
In Shuangliu angekommen, mussten wir feststellen, dass es hier tatsächlich noch heißer war. Am Sonntag bei unserer Abreise zeigte das Thermometer im Bus 32 Grad Celsius an, heute waren es schon 34 Grad, und es wird nicht mehr kälter bis zum Herbst, ganz im Gegenteil. Ich bin nur froh, dass ich wieder zu Hause bin, wenn die „richtige“ Hitze hier losgeht. Also mir reichen diese Temperaturen jetzt schon aus. Ich habe selten solche Hitze im Hochsommer bei uns erlebt.
Zum Dinner waren wir heute Abend bei Wes eingeladen. Er bestand darauf zu erwähnen, dass alles von ihm „self cooked“ war. Er interessierte sich für unsere Erlebnisse der letzten drei Tage.
Leider kann ich zurzeit die Bilder von der Reise nicht in mein Fotoalbum bringen. Spätestens nächste Woche, wenn der Schulbetrieb wieder läuft, werde ich in Erfahrung bringen, wie ich wieder zu einer Internetverbindung komme.
Ich möchte es nicht versäumen, allen Geburtstagskindern auf diesem Wege nachträglich ganz herzlich zu gratulieren, die in den letzten Tagen ihren Ehrentag hatten, an denen ich keine Grüße versenden konnte.
Posted by Florian um 03.05.06 01:32
