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10.05.06
Essen in Deutschland
Heute gab es mal wieder angenehme Temperaturen. Nachdem es die ganze Nacht geregnet hatte und auch heute Morgen nicht aufhören wollte, ließ sich die Sonne um die Mittagszeit sehen. Ein kräftiger Wind verhinderte jedoch, dass es gleich wieder so heiß wurde. So machte der Spaziergang wieder richtig Spaß. Ich kaufte für Linda einen USB-Stick, der hier nicht so teuer ist wie bei uns, und brachte alle Bilder drauf, die ich in der letzten Woche mit ihrer Familie gemacht hatte. Sie freute sich riesig über das Geschenk, denn ihre Mutter hatte bereits vor einigen Tagen Interesse angemeldet.
In unserer Deutschstunde ging es heute um den deutschen Essenstisch: Zubehör, Speisen und Getränke. Die Schüler waren schon verwundert, keine Stäbchen, Dumplings oder Nudeln auf dem Frühstückstisch zu finden. Stattdessen aß der Jugendliche im Lehrbuch ein Brötchen mit Butter und Marmelade, zum Mittag einen Hamburger mit Cola, zum Kaffee Pommes mit Ketschup und Eis und zum Abendbrot eine riesige Pizza mit Cola, während der Herr bereits zum Mittagessen ein Glas Bier trank und zum Abendbrot ein weiteres. Damit sollte nun der deutsche Durchschnittsbürger dargestellt werden. Das konnten die Schüler gar nicht verstehen, wie man so viel ungesunde Speisen zu sich nehmen und so viel Alkohol am Tag trinken kann. Bloß gut, dass ich da war, und das ein wenig relativieren konnte. Das Essen ist tatsächlich völlig anders als hier. Das gab den Schülern zu denken, die ernsthaft vorhaben, eines Tages nach Deutschland zu kommen, um dort zu studieren. Linda, die schon dort war, meinte nur, dass sie immer Hunger hatte und nicht wusste, was sie essen sollte, weil es einfach keine Auswahl gab und gar nicht würzig bzw. scharf war. Süße Speisen und Käse sind so gar nicht nach dem Geschmack der Chinesen.
Die angenehmen Temperaturen nutzte ich heute, um endlich mal wieder 60 Minuten auf dem Laufband im Fitnesscenter auszuhalten. Da die Kurse bereits im Gange waren als ich dort ankam, hatte ich sogar das große Glück, nicht lange warten zu müssen, um ein Laufband zu erhaschen. Nach einer Weile erschien Louis, der vom Kindergarten, begrüßte mich ganz freundlich und schloss seinen MP3- Player an meinem Laufband –einem der neuen- an. Dann erklang in ohrenbetäubender Lautstärke aus den Lautsprechern klassische Musik. Er hatte niemanden gefragt, ob es recht ist, wenn er das Fitnesscenter mit seiner Musik beschallt, es nahm aber auch niemand Anstoß daran. Ich war wohl die einzige, die etwas verwundert drein schaute. So lief ich heute bei klassischer Musik meine Zeit ab.
Zu vorgerückter Stunde saß ich, wie inzwischen jeden Abend, mit Camille bei einer Tasse Tee zusammen. Heute brachte sie eine neue Sorte Tee mit. Bei einer netten Talkrunde ließen wir den Tag ausklingen.
Posted by carola um 10.05.06 23:26
