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13.05.06
Abschiedslunch
Heute gab es zunächst regelrecht kalte Temperaturen draußen. So frisch war es schon lange nicht mehr. Der Wind wehte ganz ordentlich.
Zum allerersten Mal meines Aufenthaltes hier hatte Sirley heute eine Hose an, die sie in den vergangenen zwei Monaten bereits einmal getragen hat. Bislang trug sie wirklich jeden Tag etwas anderes, kein einziges Kleidungsstück an ihr hatte sich bis heute wiederholt. Ich weiß nicht, wo sie all die Röcke, Kleider, Hosen und Oberteile deponiert, aber sie erzählte mir, dass für ihren Mann und ihre Tochter in der Tat kein Platz für Kleidung in ihrer Wohnung ist. Sie hat aber bereits eine größere Wohnung hier in Shuangliu gekauft, die noch nicht ganz fertig ist. Im Dezember hofft sie, dort mit ihrer Familie einziehen zu können.
Am Vormittag war ich mit ihr unterwegs, um jemanden zu finden, bei dem ich für das nächste Wochenende eine Reise in das Pandareservoir buchen konnte. Jedoch hatte kein Reisebüro, kein Hotel irgendetwas in der Richtung im Angebot. Der Weg dorthin durch die Berge muss sehr schwer passierbar sein. Offensichtlich ist nicht jeder Autofahrer in der Lage, dort gefahrlos anzureisen. Ein Hotel winkte nicht gleich ab, die wollen versuchen, ein Auto mit Fahrer zu organisieren. Als ich das heute in der Schule noch einmal ansprach, meinte Bryan, er wird schon noch eine Möglichkeit finden, dass ich dorthin komme. Bevor ich hier wieder abreise, muss ich dort gewesen sein.
Nebenbei zeigte mir Sirley eine Karte mit einem Guthaben von 30 Yuan. Jede Lehrerin und Mitarbeiterin der Schule, die auch Mutter ist, hat zum Muttertag so eine Karte geschenkt bekommen. Damit wird sie gemeinsam mit ihrer Familie schön essen gehen.
Mr. Wang hatte mich zum heutigen großen Lunch eingeladen. Es wurde zum Abschied von zwei Kollegen gegeben, die die Schule, beziehungsweise das Administrativbüro verlassen, um ab Montag einen besser bezahlten Job im Regierungsministerium anzutreten. Ich war die einzige, die nicht zu den Bürobeschäftigten gehörte und trotzdem eingeladen war. Dazu wurden wir mit dem Schulauto in ein angenehmes Lokal im Grünen am Rande der Stadt gefahren. Dort ließ sich dann auch die Sonne blicken, so dass es ein netter Aufenthalt wurde. Mr. Wang konnte in seinem Toast nicht oft genug erwähnen, wie erfreut er darüber ist, mich als guten persönlichen Freund an seiner Schule als Gastlehrer zu haben. Er hat inzwischen begonnen, Englisch zu lernen, damit er beim nächsten Besuch in Deutschland mitreden kann. So viel wie ich wieder auf mein Wohlergehen trinken musste, wird es mir den Rest meines Lebens nicht mehr schlecht gehen. So viele nette Leute, die mich als guten Freund bezeichnen…
Da ich mich mit meiner Schülerin Tina am frühen Nachmittag verabredet hatte, verließ ich mit einigen anderen gegen 14.00 Uhr die Anlage. Sie wollte mich mit nach Chengdu zum Stadtbummel nehmen. Leider war von Tina weit und breit keine Spur zu sehen. Später rief sie mich an, um mir mitzuteilen, dass sie nicht so lange warten konnte. Ich war einfach zu spät zurückgekehrt. Da sie in Chengdu wohnt, hätte sie mich am Abend nicht zurück nach Shuangliu begleitet. So war ich im Endeffekt nicht so traurig über die nächste verpasste Möglichkeit, weitere Teile von Chengdu mit Führung kennen zu lernen. Stattdessen nutzte ich das schöne Wetter, um meinem geliebten Park wieder einen Besuch abzustatten. Heute sah ich hier zum ersten Mal Jugendliche mit Bierflaschen in der Hand. Noch nirgendwo anders habe ich zuvor jemanden mit Alkohol in der Hand oder alkoholisiert gesehen. Dann besuchte ich noch meine Freundin Yan Hui in dem Teehaus, die mir gleich um den Hals fiel und sich riesig freute, mich wieder zu sehen. Sie hatten gerade Ware bekommen, womit sie zu dritt alle Hände voll zu tun hatten. Ich musste ihr versprechen, morgen Abend wieder auf einen Tee vorbei zu schauen.
Den Abend verbrachte ich wieder mit Camille bei Tee und der Auswertung des heutigen Tages.
Meine speziellen Glückwünsche gehen heute an meine liebe Schwester. Liebe Conny, ich gratuliere dir ganz herzlich zu deinem Geburtstag und wünsche dir für dein neues Lebensjahr alles erdenklich Gute, beste Gesundheit, sowie viel Schaffenskraft und Energie für die Verwirklichung deiner Pläne. Habe vielen herzlichen Dank für deine Treue, die du mir auch hier zukommen lässt. Du nimmst regen Anteil an meinem Aufenthalt hier und kommentierst fleißig. Das kostet alles Zeit, die du oft eigentlich gar nicht hast. Also, vielen Dank!
Posted by carola um 13.05.06 23:55
