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Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

14.04.06

Karfreitag, der hier keiner ist

Da ich meinen Bericht gestern erst nach Mitternacht fertig gestellt habe, ist er unter dem heutigen Datum abgelegt. Ich kann es leider nicht ändern. So gibt es zwei Berichte mit demselben Datum, obwohl ich von zwei unterschiedlichen Tagen erzähle. Ich bitte um Verständnis.
Heute Morgen klingelte es am Tor unten. Claire bat mich, dieses zu öffnen, da sie in die 6. Etage zu Nick wollte. Er war heute den dritten Tag nicht zur Arbeit erschienen, ohne sich abgemeldet zu haben. Da er auch das Telefon nicht abnahm, musste sie ihn persönlich aufsuchen. Aber er öffnete auch seine Tür nicht. So kam Claire kurz bei mir vorbei und berichtete von dem Kummer, den die Schule mit diesem jungen Mann hat. Er erscheint nur unregelmäßig, zu oft gar nicht zu seinen Stunden. Heute hatte er, wie jeden Freitag, Unterricht an der Primary School. Es hätte nur noch gefehlt, dass Claire mich gefragt hätte, ob ich nicht für ihn einspringen kann. Das hätte ich dieses Mal mit Sicherheit abgelehnt. Als ich darauf aufmerksam machte, dass heute in Amerika und anderen Teilen der Welt Feiertag ist und keiner zur Arbeit geht, bekam ich prompt die Antwort, „Wir sind hier aber nicht in Amerika.“ Da haben die Chinesen auch ihren Stolz. Als Claire Nick von meinem Telefon aus anklingelte, nahm er sogar ab, da er die angezeigte Nummer auf seinem Display offensichtlich nicht kannte. Ich weiß nicht, was bei dem Gespräch oben herausgekommen ist, aber hier hat man grundsätzlich kein Verständnis für irgendwelche Entschuldigungen, egal, was der Grund dafür ist. Für Wesleys Situation hat auch niemand Verständnis. Eine Schwäche zeigt man hier einfach nicht, egal wie schlecht es einem geht.
Meine Stunde lief wie immer ab, geprägt vom Interesse und fundierten Fragen der Schüler. Danach ging ich allerdings dieses Mal nicht mit Sirley ins Fitnesscenter, sondern folgte der Einladung von Tina in ein Restaurant, wo es besonders gute Nudeln gibt. Das angenehme Wetter lud heute wieder zu einem Spaziergang ein, und so bevorzugten wir diese Variante anstelle des Pedicabs. Ich war glücklich, meine Gabel mitgebracht zu haben, denn Nudeln mit Stäbchen zu schlürfen ist weiterhin eine Kunst, die ich nicht beherrsche. Es schmeckte anders als bei uns, aber durchaus gut genießbar. Direkt auf unserem Tisch wurden fertig gekochte Entenhälse noch einmal von ihren Federn befreit. Das sah wirklich sehr ungewöhnlich aus, die Hälse mit Kopf und Schnabel in dem Korb zu sehen. Die Hälse, die nicht gleich von Passanten im Vorbeigehen gekauft und mitgenommen wurden, kamen dann am anderen Tisch unter das Hackmesser. Das erinnerte mich an den chinesischen Film „Life“, den wir zum diesjährigen chinesischen Frühlingsfest in unserer Schule gesehen hatten. Genau das durfte ich heute live erleben. Wirklich einmalig.
Die Chinesen bevorzugen ihr chinesisches Essen. In Deutschland wird einfach zu süß gegessen. Das mag man hier nicht. Es gibt auch grundsätzlich keine süße Speise, auch nicht als Nachtisch. Um die Frage nach Osterschokolade zu beantworten, da man hier kein Ostern kennt, gibt es auch nichts an den Verkaufsständen, das darauf hinweisen könnte. Es gibt generell kaum Schokolade. Hier in Shungliu gibt es einen einzigen Supermarkt, der dieser Tage seinen ersten Geburtstag feierte. Dort gibt es in einem Regal ein paar Sorten Schokolade, aber sonst sieht man hier so etwas nicht, weil es keiner isst. Hier werden Nüsse in allen Varianten geknabbert und getrocknete, sehr gut gewürzte Fleischstücken aus der Snacktüte, aber nichts Süßes. Es wird auch kein Alkohol getrunken, zumindest in der Öffentlichkeit nicht. Es gibt Wein und Bier zu kaufen, ich habe aber noch niemanden mit einer Flasche in der Plastiktüte, die man bei jedem Einkauf bekommt, gesehen. Und ich laufe seit nunmehr fünf Wochen mit offenen Augen tagtäglich mehrere Stunden hier in China durch die Gegend. In den Restaurants wird Tee oder manchmal auch Sojamilch getrunken, aber kein Alkohol. Zwei Ausnahmen habe ich bisher erlebt: auf den beiden großen Empfangsdinnern der beiden Schulen im Hotel wurde mit Rotwein angestoßen. Deshalb sieht man hier auch kaum dicke Leute.
Und auch die Frage nach dem hiesigen Sonnenauf- und –untergang möchte ich nicht unbeantwortet lassen. Hier wird es gegen 6.30 Uhr hell und gegen 19.30 Uhr dunkel.

Posted by carola um 14.04.06 22:18

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