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08.04.06
Hotpot mit Fisch
Heute war wieder ein wunderschöner Frühlingstag. Ich musste zunächst auf das neue Fernsehgerät warten, bevor wir gemeinsam unsere Runde drehen konnten. Also so einen verschmutzten Fernseher habe ich noch nie gesehen. Ich weiß wirklich nicht, von welcher Halde dieses Gerät geholt wurde. Nachdem es wieder eine Stunde gedauert hatte, bis es funktionstüchtig war, habe ich versucht es zu reinigen. Es ist unglaublich, aber auch nach zigmal wischen ist er noch speckig. Abgesehen davon, dass hier sowieso alles streng riecht, kommt jetzt auch noch eine andere unangenehme Duftnote aus dieser Ecke. Soviel Duftspray kann ich gar nicht kaufen und versprühen, damit es hier einigermaßen angenehm wird. Duftkerzen oder –öle gibt es hier leider nicht. So war es bereits um die Mittagsstunde, als sich Camille und ich zu einem Spaziergang trafen. Es waren wieder unglaublich viele Menschen unterwegs. Und im Park war es wieder so herrlich. Unter den Bambusbäumen spazieren zu gehen und die Leute zu beobachten ist einfach super erholsam und nie langweilig. Hier bietet jemand seinen Dienst als Ohrenputzer an, der auch gut angenommen wird, dort sitzen die Leute mit Hausschuhen. Nach kurzer Zeit kehrt der Schuhputzer zurück, und die Schlappen werden wieder gegen sauber geputzte Straßenschuhe getauscht. Heute gab es gratis eine professionelle Vorstellung von Tanzpaaren, die tolle Standardtänze zum Besten gaben.
Zu 17.30 Uhr hatte Sirley uns gemeinsam mit ihrer Familie zum Dinner eingeladen. Wer nicht erschien, war Sirley. Sie musste arbeiten. Deshalb hatte sie nur ihren Mann und ihre Tochter schicken können. Vivian hatte noch ihre Freundin Betty mitgebracht, die eifrigste Schülerin in meinem Deutschkurs, die in Tibet wohnt. Da die Familie uneingeschränkt alles macht, was Sirley sagt, egal ob sie vorher nach ihrem Einverständnis gefragt wurde oder nicht, wurden wir freundlichst ins Auto verladen und fuhren in ein nahe gelegenes Restaurant zum Fischessen. Es gab aber nicht einfach Fisch vom Teller, sondern aus dem Hotpot. Und es fand sich der gesamte Fisch, vom Kopf bis zur Flosse in dem Topf wieder. Die Teile mit Stäbchen aus dem Topf zu fischen, das war wieder eine Kunst, die ich nach einem Monat Übung immer noch nicht beherrsche. Trotzdem reichte es aus, um wieder Feuer „spucken“ zu können. Wir hatten nie das Gefühl, dass es der Familie unangenehm war, mit uns allein zum Dinner zu fahren, obwohl es Sirleys Idee war. Es gab viel zu erzählen, und die beiden Mädchen waren sehr wissbegierig. So gut es ging, wurde natürlich auch Sirleys Mann mit einbezogen, obwohl er kein Englisch spricht. Nach dem Dinner wurde uns noch ein Teil des nagelneuen Campus der University of Sichuan präsentiert, ein riesiges Gelände, sehr modern mit viel Grün und einem künstlich angelegten See. 25.000 Studenten studieren hier und wohnen auch zum großen Teil dort. Nach einem herrlichen Sonnenuntergang wurden wir wieder wohlbehalten vor unserer Haustür abgesetzt und verabschiedet, wie immer.
Meinen heutigen Bericht möchte ich nicht beenden, ohne Nadine aus meiner Klasse 5/2 gegrüßt zu haben. Liebe Nadine, ich gratuliere dir ganz herzlich zu deinem heutigen Geburtstag und wünsche dir für dein neues Lebensjahr alles Gute, beste Gesundheit und viel Erfolg in der Schule.
Posted by carola um 08.04.06 23:18
