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17.04.06
Eine neue Herausforderung an der Primary School
Heute stellte ich mich erneut der Herausforderung an der Primary School. Da heute Morgen mal wieder der Strom ausfiel, ich aber gerade beim Haare waschen war, musste ich meinen Dienst mit feuchtem Kopf antreten. Es zog wieder an allen Ecken und Enden, was nicht gerade angenehm war. Draußen herrschten dagegen wieder ganz ordentliche Temperaturen.
Glücklicherweise konnten sich die Kinder daran erinnern, dass ich in der Woche zuvor versucht hatte, ihnen zu erklären, dass man sich auch in normaler Lautstärke unterhalten kann und nicht pausenlos brüllen muss, besonders bei der Gruppenarbeit. Das klappte heute insgesamt schon viel besser. Und dann war ich heute auch viel schlauer und machte es wie alle anderen Lehrer. Es hatte kaum geklingelt, da flüchtete ich aus dem Klassenraum, um den Pausenlärm nicht ertragen zu müssen, und suchte Unterschlupf in einem der zahlreichen Lehrerzimmer. Die Lehrer dort verbarrikadierten sich hinter einer Unmenge an Schülerheften und saßen die ganze Pause, um zu korrigieren. Dadurch war es dort leise, bis auf den Lärm, der durch die offenen Fenster drang. Plötzlich kam ein Junge herein, wurde in lautstarkem Ton von einer Lehrerin zusammengefaltet, trat wieder ab, und es wurde weiter korrigiert. Erst mit dem Klingelzeichen trat jeder Kollege wieder in den Klassenraum. Kurz vor Beginn der vierten Stunde suchte mich die Lehrerin der 6.Klasse auf, um mir mitzuteilen, dass die Stunde heute Nachmittag in dieser Klasse nicht stattfindet. Und Wesley hatte das schlechte Gewissen gepackt. Nachdem er erfahren hatte, dass der rechtzeitige Beginn meiner einzigen regulären Deutschstunde am Montag in Gefahr ist durch das zeitliche Überschneiden mit der letzten Stunde an der Primary School, kam er gestern Abend und bot sich an, heute die Stunde in der 3.Klasse zu übernehmen. Er fühlt sich wieder etwas besser, seitdem er nach seinem Zusammenbruch die Nächte nicht mehr in seiner Wohnung, sondern bei Jason und Jonathan in der zweiten Etage verbringt. So hatte ich wider Erwarten nur den Vormittag an der Primary School zu überstehen. Am Nachmittag konnte ich mich dann erholt meinen Deutschschülern zuwenden.
Und dann ging es wieder mit Sirley in das Fitnesscenter. Das war bereits der letzte Tag meiner einmonatigen Mitgliedschaft. Unglaublich, wie die Zeit vergangen ist. Da ich noch nicht da bin, wo ich gern sein würde (allerdings den Gedanken, dass aus mir noch eine Ballett- oder Bauchtänzerin werden könnte, habe ich schon lange verworfen), und in der Hoffnung, dass die inzwischen neun defekten Laufbänder demnächst repariert werden, werde ich wohl eine weitere Monatsmitgliedschaft abschließen. Außerdem sind die Unterhaltungen mit Sirley auf den Wegen immer sehr angenehm und abwechslungsreich. Heute zum Beispiel erfuhr ich auf mein Nachfragen, dass sie am 27.März Geburtstag hatte. Das verwunderte mich schon sehr, denn nichts hatte in der Schule darauf hingewiesen, und niemand hatte mir einen Tipp gegeben. An diesem Tag waren wir wie jeden Montag auch gemeinsam zum Fitnesscenter gelaufen. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass es hier in China nicht üblich ist, jemandem zum Geburtstag zu gratulieren und erst recht nicht, etwas zu schenken. In der Schule weiß auch keiner, wann sie Geburtstag hat, es hat noch nie jemand gefragt. So weiß sie auch nicht, wann ihre Kollegen ihren Ehrentag haben. Und einen Geburtstag zu feiern kennt man in diesem Land offensichtlich auch nicht, zumindest nicht hier in Chengdu. Armes China!
Das soll mich aber nicht davon abhalten, dir, liebe Pia aus der Klasse 5/2, meine herzlichsten Glückwünsche zu deinem heutigen Geburtstag zu übermitteln. Ich wünsche dir für dein neues Lebensjahr alles erdenklich Gute, beste Gesundheit und viel Erfolg in der Schule.
Posted by carola um 17.04.06 22:48
