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12.04.06
Ein Lob an die hiesigen Dienstleistenden
Heute musste ich doch tatsächlich wieder meine wärmsten Sachen hervor holen, die ich hier habe. Es war richtig kalt. Nach meinem Rundgang war ich regelrecht durchgefroren und freute mich auf meinen heißen Tee. Ich hoffe nicht, dass ich von Sirleys Angebot Gebrauch machen und mir warme Sachen von Vivien ausleihen muss. Aber in Deutschland scheint es auch nicht recht Frühling werden zu wollen. Warum soll es mir dann hier besser gehen.
Eins muss ich den Chinesen unbedingt lassen und lobend hervorheben. Auf die Leute hier ist zu jeder Zeit Verlass, egal um was für ein Anliegen es sich handelt. Ein Anruf, und alles wird umgehend erledigt. So ging es mir zum Beispiel mit dem Telefon, dem Fernsehgerät, mit der Lieferung des Trinkwassers, und so funktionierte das auch heute mit dem Auswechseln der Glühlampen. Kaum hatte ich im Büro angerufen, kam Glen auch schon mit zwei Herren und einer riesigen Leiter im Schlepptau an. Bei der großen Auswahl an Glühlampen waren auch drei passende für diese Leuchte dabei. Ich wurde verständnislos angeschaut, als ich die Verkleidungen abwaschen wollte bevor sie wieder dran sollten. Die waren so was von verdreckt…Nun hängen sie wieder, die schwarzen Hände des Monteurs haben aber ihre Abdrücke unverkennbar auf den geputzten Teilen hinterlassen. Es wird hier einfach nicht sauberer. Aber ich kann wieder ordentlich in meinem Arbeitszimmer arbeiten, wenn es draußen bereits dunkel ist. Während der Aktion stand die Wohnungstür weit offen, und prompt trat auch die Reinigungskraft, die wöchentlich die Flure und Treppen fegt, bis hinten durch, um zu sehen, was hier abgeht. Dann verschwand sie wieder im Flur und fegte den ganzen Staub von draußen in meine Wohnung. Das ist unglaublich, aber der Dreck wird nur von einer Ecke in die andere gefegt. Nachdem alle wieder weg waren und ihren Dreck unter den Schuhsohlen unverkennbar überall hinterlassen hatten, lohnte sich die heutige Wischaktion noch einmal so richtig. Ich gehöre ganz bestimmt nicht zu denjenigen, die einen Putzfimmel haben und ein Staubkorn nicht abkönnen, aber hier ist es unumgänglich, wirklich jeden Tag die Tische und die Fußböden zu wischen, und immer wieder liegt eine schwarze Schicht drauf.
Nach meiner Unterrichtsstunde wurde ich von einer Schülerin, Tina, zum Nudelessen am Freitag eingeladen, wie immer auch ein chinesisches Nudelmahl aussieht. Das erscheint mir recht ungewöhnlich, aber ich nahm die Einladung an.
Die warme Dusche nach meiner Aerobicstunde war heute wieder eine wahre Wohltat nach dem Frösteln zuerst, dem Dreck vom Mittag und der sportlichen Betätigung. Die verschimmelten Wände und Vorhänge im Duschraum stören mich inzwischen schon fast gar nicht mehr. Woran man sich doch im Laufe der Zeit gewöhnen kann…
Danach schaute ich mir auf dem Platz hinter der Schule noch eine sportliche Veranstaltung von Senioren an. Ein Kassettenrekorder in der Mitte platziert, tanzten mindestens 50 ältere Herrschaften im Kreis nach traditioneller chinesischer Musik, und alle machten exakt dieselben Bewegungen. Das sah sehr interessant aus. Leider war es schon zu dunkel, um diese Aktion im Bild festhalten zu können. Ich wartete vergeblich auf die Säbeltänze, die nach Bryans Aussage auch dort stattfinden sollten. Vielleicht bin ich auch zu früh gegangen, aber es war viel zu kalt, um noch länger dort auszuharren, und zu allem Überfluss fing es auch noch an zu regnen.
Posted by carola um 12.04.06 23:02
Kommentare
Klasse Geschichte, ich meine die mit den Taenzerinnen und Taenzern. Wann wird es denn bei dir eigentlich morgens hell und abends dunkel? Die Temperaturschwankungen scheinen ja enorm zu sein, von Sommerhitze zu herbstlicher Kaelte?
Halte durch!
Liebe Gruesse zum Osterfest, auch wenn das in China ja nicht gefeiert wird, deine Conny.
Posted by: conny um 13.04.06 22:41
