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09.04.06
Ein kräftiges Gewitter
Heute war die Luft sehr drückend und schwül. Da es keine Sonneneinstrahlung gab, war es angenehm, draußen umherzuwandern ohne Gefahr zu laufen, sich einen Sonnenbrand zu holen. Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie sich zwei Leute mit einer Trillerpfeife ausgerüstet an der Ampelkreuzung zum Regierungsgebäude, und einzig und allein dort, tagtäglich bemühen, eine Linie in das Verkehrsgeschehen zu bekommen. Sie pfeifen jedes Auto, jedes Moped, jede Rikscha, jeden Fußgänger zurück, der bei rot die Kreuzung überquert. Es ist ein einziges Pfeifkonzert. Camille und ich sind die einzigen, die immer brav auf grün warten. Doch selbst bei grün muss man sehr auf der Hut sein, um nicht angefahren zu werden. Aber hier in China gibt es ein Gesetz, das besagt, dass grundsätzlich das Fahrzeug Schuld an einem Unfall mit einem Fußgänger ist, egal wie der Zusammenstoß zustande gekommen ist. Das erklärt auch den sagenhaften Mut der Fußgänger, in teils halsbrecherischer Manier die Straße zwischen all den Fahrzeugen zu überqueren.
Pünktlich zum Deutschunterricht fand ich mich um 14.30 Uhr in der Schule ein, eine neue Erfahrung, am Sonntag zur Schule zu gehen. Bei der Gelegenheit konnte ich die Bekanntschaft mit dem chinesischen Deutschlehrer machen. Er konnte noch kurz etwas über sich und seine drei Jahre, die er in Deutschland und Österreich verbracht hat, berichten, bevor es in den Klassenraum ging. Heute habe ich zum ersten Mal einen Raum kennen lernen dürfen, in dem die Schüler einer Klasse ihre gesamten Unterlagen, die sie für den Unterricht die Woche über brauchen, deponiert haben, da sie den Großteil ihrer Stunden in diesem Raum verbringen. Die kleinen Tische bogen sich förmlich unter der Last der zahlreichen Arbeitsmaterialien. Es bleibt nur ganz wenig Platz für Mitschriften. Die Schüler sitzen in Zehnerreihen, und davon gab es in diesem Raum acht. Alle Tische waren belegt. Interessant war die Erkenntnis, unter den vielen Lehrbücher auch Comics entdeckt zu haben. So lesen die Schüler wahrscheinlich im Unterricht nicht nur in ihren Lehrbüchern. Es ist einfach nicht möglich, bei der Vielzahl von Schülern festzustellen, womit sich jeder einzelne beschäftigt. Aber jeder hat ja bis tief in die Nacht Zeit, sich mit allem, was er vielleicht versäumt hat, noch einmal im Selbststudium zu befassen. Dafür brauchen sie nichts an Arbeitsmaterialien umherzuschleppen, wie es bei uns der Fall ist.
Gegen 16.00 Uhr, ich war gerade wieder zu Hause, wurde es plötzlich stockdunkel, und ein ordentliches Gewitter ließ seiner Kraft freien Lauf. Es donnerte, blitzte und goss in Strömen, das erste Gewitter, das ich hier in China erlebt habe. Danach kam die Sonne heraus, und es wurde gleich wieder sehr warm, als sei nichts gewesen.
Den Rest des Tages habe ich mit der seelisch moralischen Vorbereitung auf den morgigen Mammuttag verbracht. Nebenbei lief der Fernseher. Wenn ich nun schon einen habe, muss der mich auch unterhalten. Unter anderem gab es einen ausführlichen Bericht über das Rolling Stones Konzert in Shanghai.
Posted by carola um 09.04.06 22:45
