« Heute kein Internet | Startseite | Chengdu »
27.03.06
Unterricht im Kindergarten
Heute Morgen durfte ich mit Camille in den Kindergarten „Golden Apple“ gehen und drei Englischstunden besuchen, wenn man das als solche bezeichnen kann. Die Kinder waren so süß, aber Flöhe hüten ist gar nichts dagegen. Nach ihrem Eintritt in das Haus saßen am Eingang die Ärztinnen parat, um jedem einzelnen Kind in den Mund zu schauen, ob es auch gesund ist. Erst dann durfte es seinen Raum betreten. Camille informierte sich an den Aushängen, was sie in dieser Woche an Buchstaben, Zahlen und Wörtern zu vermitteln hat. Um 9.00 Uhr begann dann der Versuch, zehn Dreijährigen etwas in Englisch beizubringen. Die Wiederholung klappte ja noch relativ gut, aber jeder, der etwas wusste, brüllte es in den Raum. Keiner der Kinder war in der Lage, auch nur zwei Minuten auf dem Stühlchen sitzen zu bleiben. Hier wurde sich gekniffen, dort an den Haaren gezogen, der Dritte langweilte sich, der Vierte konnte sich nicht konzentrieren, weil er völlig übermüdet war und nur gähnte. Und ständig kam noch ein weiteres Kind dazu. Camille machte das wirklich toll, ganz kleinkindgerecht, mit viel Gesang und Anschaulichkeit, aber viel blieb nicht hängen. Und sobald nur ein Kind gefragt war, suchten sich alle anderen eine interessantere Beschäftigung als zuzuhören, wenn sie nicht gerade vorsagten. Obwohl die Erzieherin mit im Raum hinter den Kindern saß, war es nicht möglich, die Kinder für das zu begeistern, was Camille ihnen beibringen wollte. Aber anders ist das wohl in dem Alter auch nicht zu erwarten. Nach 40 Minuten ging es in einen anderen Raum. Dort warteten 18 Sechsjährige auf ihre Englischstunde. Sie saßen an ihren Schreibtischen, während die beiden jüngeren Gruppen im Halbkreis saßen. Heute waren die Worte mouse und nose mit Fragen dazu zu vermitteln. Es war schwer in die kleinen Köpfe zu bekommen, dass mouth etwas anderes ist als mouse. In der nächsten Stunde liegt garantiert ein Bild einer Maus parat, aber immer erst, wenn das Wort bereits vermittelt wurde. Für die Bereitstellung der Anschauungsmaterialien ist der Erzieher der Gruppe verantwortlich. Zum Abschreiben der Wörter und Fragen von der Tafel bedurfte es einer Unmenge von Zeit. Bis die Kleinen so anfangen und tatsächlich ein Wort zu Ende geschrieben haben... In der dritten Stunde saßen 13 Vierjährige um Camille, um die Gemüsesorten zu wiederholen und zu festigen. Alle Sorten lagen zur Anschauung parat. Dadurch arbeitete es sich natürlich viel einfacher. Aber es wird dem Lehrer schon sehr viel Geduld und Methodenvielfalt auf die Bedürfnisse der Kleinsten ausgerichtet abverlangt. Camille machte ihre Sache wirklich gut. Mich hat die ständige Unruhe der Kinder doch mächtig kribbelig gemacht. Ob ich das könnte, ich weiß nicht. Louis bat mich aber, wenn ich Zeit hätte, am Mittwoch wieder mitzukommen, um mir den Fremdsprachenwettstreit der Kinder anzuschauen. Die vier Besten werden weiter geschickt. Ich weiß nicht, mit wem sich dreijährige Chinesen in Englisch messen wollen, aber die Kindergartenleitung wird das schon wissen. Dagegen waren mir meine neun 15-jährigen Schüler in meinem nachmittäglichen Unterricht entschieden lieber. Wir sind heute wieder ein großes Stück vorangekommen. Sie lernen und begreifen wirklich gut, es macht richtig viel Spaß. Und dann kommen auch ausschließlich sehr intelligente Fragen zu dem, was wir lernen.
Am Abend sind Sirley und ich in die Fänge einer indischen Bauchtänzerin geraten. Die Aerobicstunde war eine Einführungsstunde in den Bauchtanz. Es war zu witzig, etwa 60 Lernwillige bei ihren ersten Anfängen im Bauchtanz zu beobachten. Ich war glücklicherweise nicht die einzige, die sich doch ziemlich schwer getan hat mit den Bewegungen. Ich bin halt einfach nicht fürs Ballett und den Bauchtanz geschaffen.
Ich hatte und habe heute besonders große Probleme, ins Internet zu kommen. Das geht schon ein paar Tage so, aber bisher konnte ich noch alle E-Mails lesen und beantworten, was heute beim besten Willen nicht möglich ist. Ich bitte jetzt schon um Entschuldigung, wenn die eine oder andere Mail unbeantwortet bleibt. Und wenn es irgendwann gar nicht mehr mit einem Tagesbericht klappen sollte, keine Panik, ich komme hier nicht unter die Räder. Ich melde mich, so oft es geht. Nur Geduld ist wichtig. Heute haben mich die stundenlangen vergeblichen Versuche echt genervt.
Posted by carola um 27.03.06 23:31
