« Februar 2006 | Startseite | April 2006 »

31.03.06

Der letzte Märztag

Der März verabschiedete sich heute mit fast sommerlichen Temperaturen. Man kommt jetzt schon richtig ins Schwitzen hier.
Heute Morgen rief mich Sirley an und berichtete mir, dass ich Glück haben könnte, einen neuen Armreifen zu bekommen. Beim Besuch des Jademuseums in Beijing erwarb ich einen wunderschönen Jadearmreifen, der auch nicht billig war. Eines Morgens wollte ich ihn vom Tisch nehmen und umlegen, da fiel mir doch das Teil auf den gefliesten Fußboden und zerbrach in vier Teile. Ich war so geschockt über den Verlust, dass ich Sirley von diesem Missgeschick erzählen musste. Tja, das ist traurig, da kann man aber leider nichts machen. Eine andere Antwort hatte ich auch nicht erwartet. Am nächsten Tag kam sie und unterbreitete mir, mit einem schönen Gruß von ihrem Mann, den Vorschlag, dort im Geschäft anzurufen und einfach mal nachzufragen, ob vielleicht doch irgendetwas zu machen sei. Das tat sie dann heute auch prompt. Da ich zu dem Armreifen ein Zertifikat bekam und auch noch den Kassenzettel hatte, und Sirley erzählte, ich sei aus Deutschland und sehr traurig über den Verlust dieses Teils, antworteten die doch tatsächlich, sie würden mir einen neuen zuschicken. Ich müsse nur alle Unterlagen, den zerbrochenen Reifen und 60 Yuan für die Bearbeitung an das Geschäft schicken. So ging Sirley mit mir heute zur Post, um die Bedingungen zu erfüllen. Da ich eh nichts zu verlieren habe, versuchten wir das. Ich glaube es immer noch nicht, dass das möglich sein soll, schließlich war es mein Verschulden und kein Herstellungsfehler. Nun warte ich, ob sich da wirklich etwas tut. Das wäre der pure Wahnsinn. Sirley meinte, ihr Mann ticke nicht ganz richtig, er denkt anders als die meisten und er hat immer die merkwürdigsten Ideen, aber oftmals sind sie sehr sinnvoll.
In meinem Unterricht wagte ich heute die Schüler zu fragen, ob sie für meinen Deutschkurs (dreimal wöchentlich) bezahlen mussten. Bei der Antwort blieb mir die Spucke weg: jeder der neun Teilnehmer hat 2,000 Yuan (etwa 200 EUR) dafür auf den Tisch legen müssen. Ich weiß wirklich nicht, was ich davon halten soll. Dafür, dass ich hier lediglich ein Volunteer bin, ist das wohl zu viel des Guten. So konnte ich natürlich auch den Wunsch meiner Schülerinnen nicht abschlagen, mich morgen Nachmittag wieder mit ihnen zu treffen und ein bisschen zusätzlich Deutsch zu sprechen. Inzwischen habe ich auch die Erlaubnis des Büros, mit ihnen nach Chengdu zu fahren, nachdem die Mädchen ihre Handynummern da lassen mussten, damit wir jeder Zeit erreichbar sind.
Nach dem Unterricht ging es wieder ins Fitnesscenter. Dieses Mal begleitete uns Camille, die mal schauen wollte, was da los ist. Alles spricht vom Fitnesscenter, und sie hatte es noch nicht gesehen. So wartete sie geduldig, bis wir unsere Runden gedreht hatten. Sie musste feststellen, dass das wohl für ihr Alter nichts mehr ist. Sie vollendet am 7.Mai ihr 60stes Lebensjahr. Sirley hatte es eilig, nach Hause zu kommen. So setzten wir uns zu zweit in einen ansehnlichen überdachten Straßenimbiss, oder wie immer man das auch bezeichnen mag, und nahmen gemeinsam unser Dinner ein. Ausgerüstet mit eigenen (Baby-)Stäbchen und unserem schlauen Zettel, konnten wir wieder ganz leckere Speisen genießen, und das für insgesamt 18 Yuan. Zwei Außerirdische an einem Tisch, das ist nicht einem der vorübergehenden Passanten entgangen.

Posted by carola um 23:01 | Kommentare (2)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

30.03.06

Wieder in der Junior School

Zu Beginn möchte ich mich heute ganz herzlich bei Florian für seine rasche Hilfe bedanken. Ihm ist es zu verdanken, dass ihr, liebe Leser, auch weiterhin Bilder in meinem Fotoalbum besichtigen könnt. Nachdem durch mein (Un-)Verständnis für die Technik und einen dummen Fehler von mir alles zusammengebrochen war, hat er dafür gesorgt, dass alles wieder funktioniert und dass ich auch weiterhin Fotos ins Internet stellen kann. Vielen Dank!
Heute war wieder ein wunderschöner warmer Tag. Seit Sirley Wintersachen von ihrer Tochter für mich bereitgelegt hat, werden die schönen Tage immer beständiger. So machte der Fußmarsch zur Junior School auch wieder richtig Spaß. Ich wollte etwas eher dort sein, um noch ein paar Fotos von der Schule zu machen. Die Wachposten am Tor ließen mich auch durch, sie hatten aber beobachtet, dass ich so allein dort umherirrte, so dass das Foreign Affairs Office umgehend benachrichtigt wurde. Dabei hatte ich mich ganz und gar nicht gelangweilt, sondern mit großem Vergnügen die vielen großen Bildwände betrachtet, auf denen unter anderem auch der letzte Besuch unserer Schuldelegation dokumentiert ist. Aber Claire kam gleich herunter, um mich zu empfangen. Sie zeigte mir noch den Sportplatz, auf dem auch jeden Montag, allerdings bereits um 7.40 Uhr, die Zeremonie des Flaggehissens im Beisein aller gut 3000 Schüler und Lehrer dieser Schule zelebriert wird. Pünktlich um 17.00 Uhr begann dann die Stunde. Heute waren 44 Schüler und 6 Lehrer anwesend. Die fehlenden Schüler mussten sich auf eine demnächst stattfindende Mathematikolympiade vorbereiteten. Die Sache mit den drei bestimmten Artikeln im Deutschen ist ja auch wirklich gemein. Da sind sich alle einig, dass das eine der schlimmsten Hürden beim Erlernen der deutschen Sprache ist, jedes Substantiv mit Artikel lernen zu müssen. Aber sie haben auch heute alle wieder fleißig an der Aussprache geübt. Nach der Stunde lud mich Claire wieder zum Dinner in dasselbe Restaurant wie letzten Donnerstag ein. Dort hatten mir doch der gedünstete Fisch und die gebratenen Pilze so gut geschmeckt. Das stimmt, und auch heute war beides wieder super schmackhaft zubereitet. Da ich das letzte Mal bereits zum Ausdruck gebracht hatte, dass der Tisch nicht wegen mir unter der Last der vielen Speisen zusammenbrechen müsse, und wir heute auch nur zu zweit waren, gab es heute eine angemessene Menge. Claire machte den Vorschlag, jeden Donnerstag dort gemeinsam Abendbrot zu essen, das nächste Mal wieder mit Jane, die heute auswärts zu tun hatte. Warum eigentlich nicht? Und wie ich schon vermutet hatte, ist dieses Restaurant das Stammlokal vieler Lehrer der Junior School. Das erklärte auch die vermeintlich geprellte Zeche vor einer Woche. Da Claire heute Janes Abendunterricht vertreten musste, machte ich mich allein auf den Weg nach Hause.

Posted by carola um 22:12 | Kommentare (1)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

29.03.06

Der Leistungswettstreit im Kindergarten

Pünktlich um 8.30 Uhr machten sich Camille und ich wieder auf die Socken Richtung Kindergarten. Heute stand die „CCTV Outlook English Baby Show“, The 3rd children’s English Speaking Contest of Sichuan auf dem Programm. Dazu war die Aula des Hauses festlich geschmückt. Bei der Gelegenheit ließ es sich auch der Principal nicht nehmen, dieser Veranstaltung beizuwohnen. Louis, der Assistent des Principle, leitete die Veranstaltung. Vor der Bühne wurde die Jury platziert, bestehend aus einem Vater, Camille und mir. Dahinter saßen die Eltern, die ihren Kindern moralisch beistehen wollten. Wir hatten alle 55 Teilnehmer im Alter von 3 bis 6 Jahren kritisch unter die Lupe zu nehmen in puncto Inhalt, Phonetik, Sprachfluss, Vokabular/Grammatik und Generelles Auftreten. Dafür waren Punkte zu erteilen. Jedes Kind musste sich zunächst vorstellen, etwas über seine Familie, Hobbys oder Vorlieben erzählen, dann ein Gedicht oder Lied vortragen und zum Schluss noch einen Satz wiederholen, den Camille und ich immer im Wechsel vorsprachen. Diese waren uns vorgegeben, wir mussten nur einen aussuchen. Es war so süß. Die meisten lieferten einen allerliebsten Vortrag mit Gesten, Tanz und allem, was einen tollen Auftritt ausmacht. Einige waren natürlich sehr schüchtern, und ein Kind konnte überhaupt nichts mit der großen Bühne, dem Mikrofon und den vielen Augen, die auf sie gerichtet waren, anfangen. Sie fing einfach nur an, fürchterlich zu weinen, machte aber auch keine Anstalten, wieder von der Bühne zu treten. Zwei Stunden dauerte die Veranstaltung, die konzentrierte Arbeit von uns Jurymitgliedern verlangte. Die Punktbewertung wird im Computer gespeichert und ausgewertet. Die vier besten Wettstreiter kommen eine Runde weiter, wie auch immer die nächste Runde aussieht. Zum Dank für die geleistete Arbeit wurden wir zu einem Mittagessen eingeladen. Es ging in ein super feines Restaurant in der Stadt, das wirklich etwas hermachte. Auch die Speisen, die ausgesucht wurden, waren alles andere als lieblos und unansehnlich hergerichtet und schmeckten vorzüglich. Später erfuhren wir, dass der Principle ein Gourmet ist. Damit ließ sich dieses Ambiente gut erklären.
Auf dem Weg zu meiner heutigen Stunde sprach mich eine Englischlehrerin der Schule an und wollte wissen, wie es mir geht. Ich hatte sie nie zuvor gesehen. Im Laufe des Gesprächs bekam sie aus mir heraus, dass mein Wunsch, mir Chengdu mit den interessantesten Sehenswürdigkeiten in Ruhe anzuschauen, noch unerfüllt war. Sie bot sich sofort an, mit mir den nächsten Samstag in Chengdu zu verbringen. Da die Fahrt mit dem Bus dorthin aber ewig dauert, fragte sie mich, ob ich Auto fahren könne. Das wäre doch viel praktischer und schneller. Ich lehnte entschieden dankend ab. Ich gab ihr zu verstehen, dass mir an meinem Leben noch etwas liegt, und ich mit den Gepflogenheiten im Straßenverkehr hier beim besten Willen nicht mithalten kann. Ich weiß nicht, ob wir uns noch einmal wieder sehen und es tatsächlich schaffen, einen Tag in Chengdu zu verbringen. Übrigens habe ich gestern auch deine Gastmutti, liebe Julia, von vor zwei Jahren kennen gelernt. Sie ist ja auch Lehrerin an der Schule und war ganz begeistert, dass sie in alten Erinnerungen kramen konnte. Sie erkundigte sich nach dir, und ich soll dich ganz herzlich von ihr grüßen. Sie lud mich spontan zu ihr nach Hause ein, um mir ihre Bilder von vor zwei Jahren zu zeigen. Mal sehen, wann das was wird. An dich, lieber Florian, kann sie sich übrigens auch noch gut erinnern! Übrigens hat ihre Tochter ihren englischen Namen tatsächlich nur von ihrem richtigen chinesischen Namen übersetzt, so wie Julia es bereits erwähnt hat, nämlich Crops, weil sie mit Familiennamen Getreide heißt. Gewöhnlich verpasst aber der Englischlehrer in der Schule den Schülern ihren englischen Namen, wenn sie nicht schon irgendwann zuvor einen bekommen haben. Im Kindergarten heißt ein Junge Friday, weil er an einem Freitag geboren wurde. Und damit komme ich zu meinem speziellen Gruß heute an dich, lieber Martin Spengler. Ich gratuliere dir aus der Ferne ganz herzlich zu deinem Geburtstag und wünsche dir für dein neues Lebensjahr alles erdenklich Gute, beste Gesundheit und maximale Erfolge beim Abschluss deines Studiums. Mein Glas grünen Tee trinke ich heute speziell auf dich. Gan bei!

Posted by carola um 21:07 | Kommentare (0)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

28.03.06

Chengdu

Heute hat es endlich geklappt, dass ich Chengdu kurz kennen lernen durfte. Pünktlich um 9.00 Uhr fand ich mich auf dem Parkplatz der Schule ein. Einige Lehrer warteten bereits auf die Abfahrt, einige ließen auf sich warten. Es waren alles Lehrer der ältesten Stufe- hier Grade 3 genannt-, die im größten Bücherladen Bücher für ihre Schüler kaufen wollten, die es hier nicht gibt. Ich sollte vorne sitzen, Sirley platzierte sich hinter mir und die anderen quetschten sich alle irgendwie dahinter in dem Schulvan. Um 9.20 Uhr ging die Fahrt los. Es war wohl ein Fehler, mich vorne hinzusetzen. Das kann man als zivilisierter Mensch nicht mit ansehen, wie eigensinnig von jedem am Straßenverkehr teilgenommen wird. Es spielt sich zwar alles im Zeitlupentempo ab, trotzdem wundere ich mich immer wieder, dass da nicht mehr Unfälle passieren. Ich konnte bloß die Augen schließen, wenn ich wieder ein Fahrzeug, einen Radfahrer, eine Rikscha, einen Fußgänger oder sonst was direkt auf uns zukommen sah, oder rechts überholt oder völlig gefahrvoll abgebogen wurde.
Nach 14 Kilometern in 40 Minuten hatten wir den Innercircle der Stadt erreicht. Na, da war ja nun noch mehr los. Die unglaublich vielen Menschenmassen, die sich da auf den Straßen schleichend und drängelnd fortbewegten, sagenhaft. Da leben wir hier in Shuangliu aber entschieden ruhiger. Mitten im Zentrum der Stadt wurde vor sieben Monaten das Großbauprojekt U-Bahn begonnen. In sechs Jahren soll in Chengdu eine U-Bahn mit zwei Linien eingeweiht werden. Dadurch gibt es natürlich auch viele Verkehrseinschränkungen. Es war einfach nur chaotisch. Während die anderen Kollegen am Buchladen abgesetzt wurden, zeigte mir Sirley eine Straße mit einem Sportbekleidungsgeschäft neben dem anderen. Die Geschäfte darf man sich nicht so wie bei uns vorstellen. Hier sind es alles kleine Nieschen, keine Türen davor. Ein größeres Geschäft mit Schaufenstern und Verkaufsbereich, so wie wir das kennen, hatte alle Markensachen im Angebot, die man so kennt. Aber auch hier war es nicht möglich, mit Kreditkarte zu bezahlen. Ich habe bisher nur in Beijing ein einziges Geschäft gesehen, wo man das konnte, hier überall nicht, keine Chance. Ich nahm aber trotzdem etwas mit, um mein einziges Set an Sportsachen nicht über zu strapazieren. Dann ging es auf die Suche nach Ansichtskarten, wirklich ein großes Problem hier in China. Es kommen offensichtlich zu wenig Touristen, die Bedarf anmelden, so dass das hier noch eine echte Marktlücke ist. Unser Fahrer war sehr geduldig mit uns, schließlich fanden wir am Eingang eines nett aussehenden Parks einen Kiosk, wo es doch tatsächlich welche gab. Leider blieb keine Zeit, irgendetwas an Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Nach 90 Minuten wartete die Gesellschaft auf den Rücktransport. Um 12.00 Uhr hatten wir einen Ort erreicht, in dem plötzlich die Gesellschaft der Meinung war, sie müsste hier Mittagessen. Es wurden extra zwei Tische nach draußen gestellt, damit wir an der frischen Luft speisen konnten. Das Wetter lud regelrecht dazu ein. Es hätte so schön sein können, wenn daneben nicht so ein abartig stinkender Fluss gelegen hätte. Es dauerte eine ganze Weile. Ich wagte zu fragen, was es denn gäbe. Heute gab es Hotpot, aber ausschließlich mit Hühnerfleisch, neben vielen Sorten Gemüse. Das Huhn musste aber erst geschlachtet werden, weil wir nicht angemeldet waren. Und es kam aber auch wirklich alles in den Topf, was an einem Huhn so dran ist. Die Innereien wurden auf einem extra Teller serviert, wirklich frisch ausgenommen, das war nicht zu übersehen. Und mit einer Hingabe wurden die Hühnerbeine abgeknabbert… Zumindest dem Orientierungssinn des Fahrers hat es nichts genützt. Wir hatten uns auf dem weiteren Rückweg hoffnungslos verfahren. Was mir auf diesen abgelegenen Wegen da vor die Augen gekommen ist…, unglaublich, unbeschreiblich, wirklich eine andere Welt. Nach einer Stunde Irrfahrt kamen wir nach mehrmaligem Fragen doch tatsächlich wieder auf den richtigen Weg und schafften die verbliebenen 5 km schließlich in 15 Minuten. Zu Hause angekommen, blieb nicht mehr viel Zeit bis zu meinem Unterricht. Heute hatten sich die Reihen noch mehr gelichtet. Offensichtlich fällt es einigen doch zu schwer, dass sie schon nach zwei Stunden aufgegeben haben. Zwei Schülerinnen kamen zu spät, weil sie noch bezahlen mussten, was immer das auch heißt. Ich hoffe nicht, dass die Teilnehmer an meinem Kurs dafür bezahlen müssen. Das werde ich morgen in Erfahrung bringen. Nicht, dass die Schüler deshalb wegbleiben.
Heute waren es nicht mal mehr 50 Anwesende. Ein Mikrofon, um bis zum letzten Schüler durchzudringen, gibt es hier nicht. Das würde nur Ansteckungskrankheiten hervorrufen, wurde mir erklärt. Außerdem sind die Räume gar nicht so groß. Die Schüler sitzen eng zusammengepfercht nebeneinander, und das Lehrerpult steht etwas erhöht. Mit einer lauten kräftigen Stimme erreicht man schon jeden. Aber durch die Reihen zu gehen und Kontrollen beim Schreiben zu machen, fällt sehr schwer. Wir arbeiten aber vorwiegend mündlich. Alles Theoretische und die Vokabeln bekommen die Schüler in Form von Arbeitsblättern von mir ausgehändigt. Die Schüler wollen in erster Linie sprechen lernen, und dem hoffe ich mit meiner Methode gerecht zu werden. Nach der Stunde scharrten sich wieder mehrere Schüler um mich und wollten wissen, wie lange die Schüler an meiner Schule in Deutschland täglich Unterricht haben. Sie hätten gehört, dass es keine Abendschulstunden und keinen Unterricht am Samstag und Sonntag gibt. Es war mir fast peinlich, als ich diese Gerüchte bestätigen musste. Die Schüler waren außer sich und konnten es nicht fassen, dass es so etwas gibt.
Nach einer 30-minütigen Diskussion verließ ich sehr nachdenklich das Gebäude. Draußen bei herrlichstem Sonnenschein spazierte Wesley mit seiner Lady auf dem Arm und seiner Frau den Campus entlang. Ich verkündete ihm, dass ich wegen des Rezepts für Bratwurst schon fündig geworden bin, was ihn außerordentlich freute. Während unseres Smalltalks kam ein Mädchen angelaufen und überreichte Wesley ein Flugblatt. Nachdem wir es gelesen hatten, wurde Wesley kreideweiß und bemerkte nur, dass er das Mädchen kennt, weil es in einer seiner Klassen lernt. Es handelte sich um einen Aufruf einer Klasse, für ihre 16-jährige Mitschülerin zu spenden, da sie an Blutkrebs erkrankt ist. Die Eltern sind nicht in der Lage, die notwendige Behandlung zu finanzieren. Später sah ich auf dem Campus einen Stand, an dem die Schüler mit Bildern des kranken Mädchens die Gründe für ihren Spendenaufruf untermalen wollten. Das ging schon ganz schön unter die Haut, und wir waren uns sofort einig, dass auch wir unbedingt helfen müssen.

Posted by carola um 23:01 | Kommentare (0)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

27.03.06

Unterricht im Kindergarten

Heute Morgen durfte ich mit Camille in den Kindergarten „Golden Apple“ gehen und drei Englischstunden besuchen, wenn man das als solche bezeichnen kann. Die Kinder waren so süß, aber Flöhe hüten ist gar nichts dagegen. Nach ihrem Eintritt in das Haus saßen am Eingang die Ärztinnen parat, um jedem einzelnen Kind in den Mund zu schauen, ob es auch gesund ist. Erst dann durfte es seinen Raum betreten. Camille informierte sich an den Aushängen, was sie in dieser Woche an Buchstaben, Zahlen und Wörtern zu vermitteln hat. Um 9.00 Uhr begann dann der Versuch, zehn Dreijährigen etwas in Englisch beizubringen. Die Wiederholung klappte ja noch relativ gut, aber jeder, der etwas wusste, brüllte es in den Raum. Keiner der Kinder war in der Lage, auch nur zwei Minuten auf dem Stühlchen sitzen zu bleiben. Hier wurde sich gekniffen, dort an den Haaren gezogen, der Dritte langweilte sich, der Vierte konnte sich nicht konzentrieren, weil er völlig übermüdet war und nur gähnte. Und ständig kam noch ein weiteres Kind dazu. Camille machte das wirklich toll, ganz kleinkindgerecht, mit viel Gesang und Anschaulichkeit, aber viel blieb nicht hängen. Und sobald nur ein Kind gefragt war, suchten sich alle anderen eine interessantere Beschäftigung als zuzuhören, wenn sie nicht gerade vorsagten. Obwohl die Erzieherin mit im Raum hinter den Kindern saß, war es nicht möglich, die Kinder für das zu begeistern, was Camille ihnen beibringen wollte. Aber anders ist das wohl in dem Alter auch nicht zu erwarten. Nach 40 Minuten ging es in einen anderen Raum. Dort warteten 18 Sechsjährige auf ihre Englischstunde. Sie saßen an ihren Schreibtischen, während die beiden jüngeren Gruppen im Halbkreis saßen. Heute waren die Worte mouse und nose mit Fragen dazu zu vermitteln. Es war schwer in die kleinen Köpfe zu bekommen, dass mouth etwas anderes ist als mouse. In der nächsten Stunde liegt garantiert ein Bild einer Maus parat, aber immer erst, wenn das Wort bereits vermittelt wurde. Für die Bereitstellung der Anschauungsmaterialien ist der Erzieher der Gruppe verantwortlich. Zum Abschreiben der Wörter und Fragen von der Tafel bedurfte es einer Unmenge von Zeit. Bis die Kleinen so anfangen und tatsächlich ein Wort zu Ende geschrieben haben... In der dritten Stunde saßen 13 Vierjährige um Camille, um die Gemüsesorten zu wiederholen und zu festigen. Alle Sorten lagen zur Anschauung parat. Dadurch arbeitete es sich natürlich viel einfacher. Aber es wird dem Lehrer schon sehr viel Geduld und Methodenvielfalt auf die Bedürfnisse der Kleinsten ausgerichtet abverlangt. Camille machte ihre Sache wirklich gut. Mich hat die ständige Unruhe der Kinder doch mächtig kribbelig gemacht. Ob ich das könnte, ich weiß nicht. Louis bat mich aber, wenn ich Zeit hätte, am Mittwoch wieder mitzukommen, um mir den Fremdsprachenwettstreit der Kinder anzuschauen. Die vier Besten werden weiter geschickt. Ich weiß nicht, mit wem sich dreijährige Chinesen in Englisch messen wollen, aber die Kindergartenleitung wird das schon wissen. Dagegen waren mir meine neun 15-jährigen Schüler in meinem nachmittäglichen Unterricht entschieden lieber. Wir sind heute wieder ein großes Stück vorangekommen. Sie lernen und begreifen wirklich gut, es macht richtig viel Spaß. Und dann kommen auch ausschließlich sehr intelligente Fragen zu dem, was wir lernen.
Am Abend sind Sirley und ich in die Fänge einer indischen Bauchtänzerin geraten. Die Aerobicstunde war eine Einführungsstunde in den Bauchtanz. Es war zu witzig, etwa 60 Lernwillige bei ihren ersten Anfängen im Bauchtanz zu beobachten. Ich war glücklicherweise nicht die einzige, die sich doch ziemlich schwer getan hat mit den Bewegungen. Ich bin halt einfach nicht fürs Ballett und den Bauchtanz geschaffen.
Ich hatte und habe heute besonders große Probleme, ins Internet zu kommen. Das geht schon ein paar Tage so, aber bisher konnte ich noch alle E-Mails lesen und beantworten, was heute beim besten Willen nicht möglich ist. Ich bitte jetzt schon um Entschuldigung, wenn die eine oder andere Mail unbeantwortet bleibt. Und wenn es irgendwann gar nicht mehr mit einem Tagesbericht klappen sollte, keine Panik, ich komme hier nicht unter die Räder. Ich melde mich, so oft es geht. Nur Geduld ist wichtig. Heute haben mich die stundenlangen vergeblichen Versuche echt genervt.

Posted by carola um 23:31 | Kommentare (0)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

Heute kein Internet

Ich habe heute keine Chance meine E-Mails zu lesen oder meinen Tagesbericht zu schreiben, da ich laufend aus dem Internet fliege. Also keine Panik, mir ist nichts passiert.

Vielleicht klappt es ja noch...

Posted by Florian um 22:44 | Kommentare (0)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

26.03.06

Unter blühenden Pfirsichbäumen

Nachdem es die ganze Nacht geregnet hatte, wollte das Thermometer heute nicht so recht steigen. Pünktlich um 9.00 Uhr standen Claire und Maria vor der Tür, um mich zum Sonntagsausflug abzuholen. Nach kurzer Zeit kam auch schon das Schulauto der Junior School vorgefahren. Es war bereits mit einer Menge Leute besetzt, die auf dem Weg zu einem weiteren Erholungsgebiet zur Baumblüte unterwegs abgesetzt wurden. Es stellte sich heraus, dass es sich bei den Leuten um Verwandte des Fahrers handelte, die andere Pläne hatten. So waren wir schließlich nur noch zu viert. Nach einer Stunde Fahrzeit hatten wir das Ziel erreicht. Es waren wieder unglaublich viele Leute unterwegs, die es sich nicht nehmen ließen, trotz des ungemütlichen Wetters die Hänge mit den herrlich blühenden Pfirsichbäumen zu erklimmen. Es hätte wirklich so sehr schön sein können, wenn nicht überall der Müll herumliegen würde. Das trübt doch mächtig das Bild. Nach einem ausgiebigen Spaziergang die glitschigen Hänge entlang, nahmen wir unter einem Pfirsichbaum Platz, packten die Picknicktasche und die Karten aus und spielten "Beat the landlord", das einzige Kartenspiel, was die Chinesen mit den 54 Karten spielen können. Wir waren die einzigen, die es doch tatsächlich geschafft haben, ihren fabrizierten Müll in einer Plastetüte zu verstauen und wieder mitzunehmen, was hier völlig unbekannt ist. Diesesmal war es nicht einmal meine, sondern Marias Idee. Maria war im letzten Jahr Gast in Deutschland und hat dort gesehen, dass es auch anders geht und viel angenehmer ist, wenn kein Müll herumliegt. Bloß einer von xMilliarden Menschen bewirkt da leider nichts. Das Problem wird man hier nicht lösen können. Aus dem Auto, aus dem Bus, sogar aus der Wohnung, überall wird der Müll einfach aus dem Fenster auf die Straße geworfen. Auch bei unserer Baumpflanzaktion gestern und unserer Wanderung am letzten Sonntag warfen die Anwesenden ihre leeren Wasserflaschen einfach in die Landschaft. Wenn es nicht so viel Leute gäbe, die ständig nur den Müll wieder aufheben, den andere fallenlassen, würde die Bevölkerung hier daran schon erstickt sein.
Irgendwann wurde über den Lautsprecher eine weitere von vielen Gruppen zum Mittagessen gerufen. Das ging dort in Etappen, anders konnte man den Menschenmassen nicht Herr werden. Plötzlich saßen weitere Lehrer der Middle School mit uns am Tisch. Wie sie dorthingekommen waren, weiß ich nicht, auf alle Fälle war der Van wieder gut gefüllt, als wir 15.15 Uhr die Reise zu einem weiteren Ausflugsziel antraten. Unterwegs fing es aber an zu regnen, und da wurde entschieden, gleich nach Hause durch zu fahren und keinen weiteren Stopp einzulegen. Eine gute Entscheidung, denn es regnet jetzt noch. So konnte ich mich doch gleich an die Übersetzung des ausführlichen Rezepts für Bratwurst machen, für das ich Familie Jagusch ganz ganz herzlich danke. Mit so einer schnellen Reaktion auf meinen Aufruf hatte ich gar nicht gerechnet. Ich bin gespannt, was Wesley dazu sagt.

Posted by carola um 19:52 | Kommentare (1)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

25.03.06

Der Subbotnik

Heute war der wärmste Tag seit meiner Ankunft hier in China. Nachdem sich der dichte Nebel -ich konnte das Haus gegenüber nicht mehr erkennen- verzogen hatte, strahlte nur noch die Sonne. Es herrschten für deutsche Verhältnisse sommerliche Temperaturen. Pünktlich um 12.15 Uhr holte mich Lena, und nicht Linda, wie ich immer irrtümlicher Weise verstanden hatte, zum Samstagsausflug ab. Auch wenn ich nicht so recht wusste, was auf mich zukommen würde, lehnte ich dieses Angebot nicht ab. Diesesmal durfte ich mit der jungen Generation Lehrer verreisen, bis 28. Lena muss schon vorher erzählt haben, dass ich den Abend zuvor die Anwesenden mit meinem Gesang in Entzückung versetzt hatte. Obwohl ich niemanden aus der Gruppe kannte und die mich nicht, begrüßten sie mich außerordentlich herzlich und beteuerten, schon jetzt meine Fans zu sein. Das sind die Chinesen. So wurde ich in der Reihe der 22 Teilnehmer super nett aufgenommen. Mit an Bord war eine große Flagge und ein Banner. Viele der Teilnehmer sind Mitglied der Youth League Party. Die konkreten Ziele dieser Partei konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Auf alle Fälle hat sie nur Mitglieder im Alter von 14 bis 28 Jahren. Pünktlich um 12.30 Uhr setzte sich der Bus vor der Schule in Bewegung. Genau eine Stunde später hatten wir unser erstes Ziel erreicht, wieder so ein Ausflugsziel zur Birnbaum- und Pfirsichbaumblüte, namens Dalin. Nach einem ausgiebigen Mittagessen und Spaziergang ging es eine Stunde später weiter. Plötzlich, mitten auf der Fahrbahn (es gab dort weit und breit keinen Standstreifen oder eine Parkniesche), hielt der Bus an und alle stiegen aus. Dann ging es zu Fuß einen schmalen Pfad entlang, bis wir an einem steilen Hang von Farmerinnen empfangen wurden. Und dann ging es los: viele kleine Bäume wartetet darauf, den Hang hinauf eingepflanzt zu werden. Wie es sich gehört in einem kommunistischen Land, durfte ich an einem Samstag an einem Arbeitseinsatz, einem sogenannten Subbotnik teilnehmen. Viele fragten mich, ob sie mit mir einen Baum pflanzen dürften. So konnte ich mich da richtig engagieren. Noch schnell das Banner und die Flagge ausgerollt und ein paar Bilder gemacht, dann ging es nach einer Stunde weiter. Um 16.00 Uhr ließen wir uns in einem weiteren "Naherholungsgebiet" mit blühenden Bäumen nieder. Es wurde Majiang und Beat the landlord gespielt. Da Lena und ich aber um 17.30 Uhr bereits zum Dinner wieder in Shuangliu sein mussten, stand plötzlich ein PKW parat, der ausser uns beiden noch zwei weitere Teilnehmer vorfristig mit nach Hause nahm. Wie lange die anderen noch dort gesessen haben, kann ich nicht sagen. Kaum wieder zu Hause, nur ein bißchen frisch gemacht und umgezogen, stand Glen auch schon vor der Tür und holte mich zum Dinner ab. Heute gab es in einem anderen Hotel ein großes Dinner zu Ehren von Jonathan und mir, ausgerichtet diesesmal von der Junior School. Bis auf den Principal der Senior School war wieder alles da, was Rang und Namen in der Stadt und in den beiden Schulen hat, außerdem sämtliche Kollegen und Kolleginnen, deren Bekanntschaft ich in den letzten Jahren in Deutschland machen durfte, einschließlich der beiden Damen, die damals von Rolf Grosch beherbergt wurden. Bei der Gelegenheit konnte ich nun auch den Bewohner unseres Hauses, Jonathan aus Florida, näher kennenlernen. Die Zeremonie des Festbanketts wiederholte sich, man kam kaum zum Essen, weil ständig ein Toast nach dem anderen ausgesprochen wurde, das ist hier so üblich. Und prompt musste auch Bryan noch vor versammelter Mannschaft meine Sangeskünste hervorheben, wie peinlich. Es wäre mir viel erspart geblieben, hätte ich mich geweigert.

Posted by carola um 20:38 | Kommentare (0)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

24.03.06

Ein verregneter Freitag

Heute gab es vorwiegend Regen. Während es die Tage zuvor lediglich mächtig in den Nächten geregnet hatte, ließ die Sonne heute den ganzen Tag auf sich warten. Gerüstet zum Ausflug nach Chengdu, rief mich Sirley eine Minute vor Abfahrt an und bedauerte, mir mitteilen zu müssen, dass das Schulauto heute doch nicht zur Verfügung steht, und wir deshalb wieder nicht nach Chengdu fahren können. Leider war Camille gerade fort, sonst wäre ich mit ihrem Einverständnis bereits heute mit in den Kindergarten gegangen. Sie hat dort jeden Montag, Mittwoch und Freitag Unterricht. Da das Wetter nicht zu einem Spaziergang einlud, nutzte ich den Morgen bereits zum Saubermachen -hier muss man wirklich jeden Tag wischen- und bereitete weitere Arbeits- und Übungsblätter für meine Schüler vor. Heute waren allerdings nur fünf Schüler anwesend, die anderen nahmen an einem Sportwettkampf teil. Nach dieser Stunde wartete Sirley bereits auf mich, um wieder gemeinsam ins Fitnesscenter zu gehen. Jeden Mittwoch geht sie zur Kosmetik, deshalb ist sie an dem Tag nicht im Sportcenter anzutreffen. Auf meine Frage nach dem Grund für das Geschenk gestern antwortete sie, ihr Mann hätte diesen Tee besorgt und hätte das Bedürfnis gehabt, mich damit herzlich in China willkommen zu heißen. Camille hätte das bei ihrer Ankunft auch bekommen. "Wir sind eben eine nette Familie." Das kann man wohl laut sagen. Leider hatte ich noch nicht das Vergnügen, ihren netten Mann kennenzulernen. Die 15-jährige Tochter ist mir schon vorgestellt worden, wirklich ein nettes aufgeschlossenes Mädchen.
Heute sah das doch schon recht europäisch aus mit den Aerobicübungen. Wieder eine andere Trainerin, wieder andere Musik, ein ganz anderer Stil, bei dem ich sogar Land sah, zumindest die ersten 45 Minuten. Dann wurde es wieder asiatisch. Jedesmal denke ich, meine gesamten Innereien sind durcheinander geraten, so schmerzt alles. Die Hüft- und Bauchtänze schaffen mich. Aber ich gebe nicht auf. Nach einer weiteren Stunde auf dem Laufband ging es wieder nach Hause. In "meinem" Haus angekommen, saß - wie fast immer- der ewig müde Wesley mit seiner Zigarette und diesesmal einem Glas Wein und nicht Bier, wie sonst immer, vor seiner Tür in der 4.Etage. Er raucht aus Rücksicht auf sein 6-Wochen altes Baby nicht in der Wohnung, sondern stets davor. Diese kleine Lady bringt ihn aber immer um seinen Nachtschlaf. Wenn er zur Arbeit geht, schläft sie, damit sie dann wieder die Nächte durchmachen kann. Ich habe sie eine Etage darüber noch nie schreien hören. Wir halten immer einen kleinen Smalltalk im Hausflur. Er hat mir schon viele Tipps gegeben, wie ich meine Viren auf dem Computer unter Kontrolle bekomme. Heute fragte mich der gelernte Koch aus Kanada, ob ich weiß wie "Bratwurst" gemacht wird. "Bratwurst" mit amerikanischem Dialekt ausgesprochen, richtig herrlich. Er will nicht wissen, wie sie zubereitet wird, sondern wie sie hergestellt wird. Er hat wohl schon das Internet durchkreuzt, konnte aber kein Rezept mit den benötigten Zutaten finden. Der Vater seiner chinesischen Frau ist Farmer und stellt jedes Jahr Bratwurst her. Die schmeckt ihm aber nicht. Er weiß aber auch nicht, welche Gewürze den tollen Geschmack von richtiger Bratwurst ausmachen. Das soll so schmecken, wie sie auch in Deutschland schmeckt. Und nun die Frage an euch, liebe Leser dieser Seite: Wer kennt einen Metzger oder hat ein Rezept, das aussagt, wie man Bratwurst (also keine Thüringer sondern auch sogenannte Mettwurst-denke ich zumindest) so richtig lecker herstellt? Eure Rezeptvorschläge nehme ich gern per E-Mail entgegen. Ich bin für jede Idee dankbar, und Wesley erst recht.
Den Hammer des Tages bildete ja wohl der Abend. Um 21.45 Uhr, direkt nach Dienstschluss, rief Bryan an, um mich zu Lindas Party einzuladen. Davon hatte ich nichts gewusst. Wenige Minuten später stand Linda vor der Tür. Ich wusste gar nicht recht, was ich von dieser Nacht- und Nebelaktion halten sollte. Sie stopfte uns in ein Taxi, das uns in eine abgelegene dunkle Seitenstraße beförderte. Hätte ich nicht Linda neben mir gehabt, ich glaube, dort wäre es mir etwas mulmig geworden. Ein irrer Lärm schoss mir aus einem der kleinen Häuser entgegen, in das Linda mich auch noch hineindrängelte. Es war nur mit einem Vorhang von der Straße getrennt. Ich fand mich in einem dunklen Raum wieder, eigentlich sehr gemütlich eingerichtet, wenn es nicht so grausam dreckig auf dem Fußboden gewesen wäre. Am Ende des Raumes stand ein riesiger Fernseher. Auf dem liefen Musikvideos mit Laufbändern der Texte ab: Karaoke. Glen und Bryan standen davor und schrien sich am Mikrofon die Kehle aus dem Hals. Es war unfassbar. Ich wurde platziert und muss wohl ein wenig ungläubig geguckt haben, so dass man mir einen Augenblick Zeit gab, die Sache zu peilen. Derweilen stellte sich noch ein Herr namens Scott vor, der mit am Tisch saß. Später stellte sich heraus, dass er auch Lehrer an der Schule ist. Nach drei chinesischen Titeln wurde ich doch allen Ernstes gefragt, warum ich nicht mitsinge, und es wurde mir das Mikrofon hingereicht. Ich hoffe nicht, dass mein Lachanfall falsch verstanden wurde, aber ich konnte nicht mehr. Die ganze Situation und ich chinesisch Karaoke singen... Es wurden doch tatsächlich für mich englische Titel gefunden. Und ihr werdet es nicht glauben, ich habe da sogar mitgemacht. Das war alles so komisch, da wäre ich wohl ein Spielverderber gewesen, wenn ich gekniffen hätte. Da habe ich mich doch tatsächlich hingestellt und Karaoke gesungen. Das Problem war nur, dass diese Lieder, die ich von Phil Colins, Sting oder Celine Dion kannte, von chinesischen Interpreten (im Hintergrund) gesungen wurden. Das hat mich doch mächtig irritiert. Aber blamieren konnte ich mich da nicht so recht. Wir waren unter uns, und so gut wie die anderen konnte ich auch gerade noch singen. Während Bryan, Scott und Glen sangen, jaulte des öfteren ein Hund am Vorhang, bei Linda und mir nicht. Um punkt 24.00 Uhr wurde die Sache ohne Ankündigung abrupt beendet, wie alles hier in China. Glen, Linda und ich stiegen in das nächste Taxi, das uns nach Hause bringen sollte. Ich wurde zuerst abgesetzt. Linda brachte mich doch wirklich bis an meine Tür, und erst als das sichere Tor ins Schloss fiel, stieg sie wieder in das Taxi. Nun hatte ich das nächtliche Amüsement von Shuangliu kennengelernt. Wirklich unglaublich, das muss man erlebt haben.

Posted by carola um 20:47 | Kommentare (0)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

23.03.06

Die Junior School

Heute war wieder ein wunderschöner Tag, nur Sonne und angenehme Wärme. Ich war kaum aufgestanden, da klingelte es und Sirley stand vor meiner Tür. Sie überreichte mir einen riesigen Geschenkekarton mit den besten Grüßen von ihrer Familie. Und eh ich mich versah, war sie auch schon wieder weg. Ich muss noch in Erfahrung bringen, warum sie mir mal so eben nebenbei herrlichsten chinesischen Tee geschenkt hat, einfach so, unglaublich. Den Morgen verbrachte ich mit einem ausgiebigen Spaziergang, auf dem ich unter anderem einen vorbei ziehenden Trauerzug beobachten konnte; auf dem ersten Wagen viele große Kränze, auf dem zweiten Wagen Herren, die mit ihren jämmerlich schrägen Tönen mit Pauken und Trompeten einen höllischen Lärm verursachten, dahinter der aufwendig verziehrte Leichenwagen und dahinter unzählige Pkw, die mit weißen Blumen geschmückt waren.
Pünktlich um 16.30 Uhr holte mich Glen vor meiner Haustür ab und brachte mich zur Junior School, wo ich heute meine erste Deutschstunde halten sollte vor Schülern ohne jegliche Vorkenntnisse. Das hatte ich am Montag erfahren. Ich wusste doch, dass es nicht so schwer sein kann, bei über 5000 Schülern noch an Deutsch interessierte Schüler zu finden. Es mangelt hier aber nicht an Interessenten, die fehlende Zeit für solche Kurse ist der Grund, warum sich mein Einsatz hier mächtig in Grenzen hält. Nach einem 20-minütigen Fußmarsch erblickte ich plötzlich ein mir von Bildern bekanntes riesiges Gebäude. Der große Rundbogen im Eingangsbereich und die vielen neuen Häuser... Seit dem ich hier bin habe ich mich immer wieder gefragt, warum mir der Schulkomplex, in dem ich bisher tätig war, so gänzlich unbekannt vorkam, obwohl ich doch schon so viele Bilder von Besuchen unserer Schüler hier gesehen hatte. Nun ging mir endlich ein Licht auf, ich hatte bisher nur den "alten" Campus kennengelernt. Heute durfte ich nun auch den neuen Campus für mich entdecken. Ich wurde schon erwartet und herzlich von einer netten Englischlehrerin namens Claire in Empfang genommen. Sie führte mich zunächst vorbei an vielen Räumen, in denen sich eine Unmenge Computerarbeitsplätze, durch kleine in Augenhöhe abgegrenzte Wände voneinander getrennt, befanden. Plötzlich sprang Mr. Pu von einem dieser Plätze auf und wollte es nicht versäumen, mich herzlich zu begrüßen. Er war im Sommer 2004 im Rahmen des Austauschprogrammes eine Woche in unserem Haus in Biederitz zu Gast und verlebte insgesamt in Magdeburg eine sehr schöne abwechslungsreiche Zeit, was er durchaus auch heute noch zu schätzen weiß. Weiter ging es zu einem der zahlreichen Lehrerzimmer, in dem ich wieder unglaublich herzlich von Jane begrüßt wurde. Jane durfte im letzten Jahr bei Familie Hönel zu Gast sein. Kurt-Ulrich und ich unternahmen mit ihr und Mr. Wang an einem Wochenende einen Berlinausflug, wo sie sehr viel zu sehen bekamen. Das vergessen die Chinesen einfach nicht und geben hier ganz viel Gastfreundschaft zurück. Auf dem Weg zum Klassenraum machte ich noch die Bekanntschaft mit Nick, dem Amerikaner, der mit seiner Freundin über mir in der 6.Etage wohnt. Er fragte mich gleich, ob ich die aus der 5.Etage sei. Er war nur vorbeigekommen, um sich bei Claire für morgen abzumelden, weil er krank ist.
Um 17.00 Uhr sollte dann die Stunde beginnen. Kurz gefragt, wieviele Schüler zu erwarten sind, es durften sich nur drei Schüler aus jeder Klasse des Jahrganges anmelden, also 36. Gut. Da sind aber noch einige Lehrer, die mitlernen wollen, ob ich etwas dagegen hätte, wenn die sich hinten mit rein setzen. Natürlich nicht. Ich betrat den Raum, begrüßte die 13- bis 14-jährigen ganz locker, auf deutsch natürlich, plötzlich traten im hinteren Eingang des Raumes zwei Kameramänner ein, bauten ihre Equipment auf, und los ging das Blitzlichtgewitter. Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht. Davon hatte mir vorher keiner etwas gesagt. Von allen Seiten wurde ich ständig im Bild festgehalten, im Ton nicht, das hätte ich wohl gemerkt, oder auch nicht, ich weiß es nicht. Unterdessen traten sowohl im vorderen als auch im hinteren Eingang des Raumes immer mehr Schüler ein. Bei 50 habe ich aufgehört zu zählen, weil ich mich auf das konzentrieren musste, was ich erzählen wollte. Aber auch hier kam ich nicht dazu, mich vorzustellen. "Ich heiße Frau Otte", sofort kam aus 50+x Mündern "Ich heiße Frau Otte". "Nein", sagte ich "Ich heiße Frau Otte" und zeigte auf mich. Es dauerte ewig, bis der letzte begriffen hatte, dass nur ich diesen Satz so in der vollständigen Form sagen konnte. Dann ging es mit dem Alphabet los. Anhand meines ABC-Posters (deshalb auch L wie Lokomotive!) fingen wir an, die Buchstaben zu lernen, in ihrer Aussprache und Druckschrift. Es ging Schlag auf Schlag. Der Schülerchor sprach so laut nach, fand immer mehr Gefallen daran, so dass auch getrost die Schüler draußen auf dem Flur alles mitbekamen. Die Türen stehen eh offen. Die Lehrer waren im Schreiben die fleißigsten. Sie übten gleich eine ganze Reihe jedes Buchstaben und der ersten Wörter. Wir sind bis zum W gekommen, dann waren die 40 min und etwas mehr rum. Irgendwann zwischendurch waren die Fotografen wieder verschwunden, die scheint das Alphabet nicht so interessiert zu haben. Claire war begeistert. Sie fand das so toll, wieviel wir geschafft hatten, dass keine Minute Langeweile aufkam und alle begeistert mitgezogen haben. Das war aber tatsächlich ganz schön harte Arbeit, bei so vielen Leuten eine Linie reinzubringen, so wie ich das wollte. Ich weiß ja nicht, wie hier der Anfangsunterricht in der Fremdsprache abläuft. Deshalb würde ich zu gern einmal hospitieren. Das wurde mir bislang jedoch leider verwehrt. Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf. Am Montag nimmt mich Camille wieder mit in ihren Kindergarten. Da habe ich dann wenigstens die Chance, den Kleinen beim Englischlernen zuzuschauen.
Nach der Stunde wurde ich von Claire und Jane zum Dinner in einem netten Restaurant in der Nähe eingeladen. Es wurde aufgetafelt für uns drei "Hanseln", dass sich der Tisch bog, alles leckere, aber super scharfe Sachen. Auf meine Frage, ob immer so üppig gegessen wird, kam die ehrliche Antwort "Nein, nicht wirklich." Ich sehe ja nun wahrhaftig nicht bedürftig aus, so brachte ich dann auch höflich aber bestimmt zum Ausdruck, dass für mich nicht so viel aufgetischt werden muss. Aber Essen ist hier nun mal das Allerwichtigste im Leben eines Chinesen. Um 18.25 Uhr verabschiedete sich Jane plötzlich und verließ fluchtartig das Lokal, weil sie um 18.30 Uhr wieder Aufsicht in der Schule hatte. Nach einer weiteren halben Stunde, es stand noch sooo viel auf dem Tisch, fragte Claire, ob ich noch etwas möchte. Als ich verneinte, standen wir auf und gingen. Keine Ahnung, wie das dort mit der Zeche ist, jedenfalls von uns dreien hat keiner bezahlt. Da Claire in der Nähe der Senior School wohnt, hatten wir den gleichen Weg und wanderten gemeinsam nach Hause.

Posted by carola um 20:21 | Kommentare (1)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

22.03.06

Der Kindergarten

Heute war ein herrliches Wetter. Nachdem es die ganze Nacht kräftig geregnet hatte, standen zwar tiefe Pfützen auf den Straßen, aber es gab (fast) klare Luft, keinen Smog. Ich konnte mal wieder richtig tief durchatmen. Es war insgesamt etwas kälter, aber immer noch angenehm warm bei entsprechender Kleidung.
Um 11.30 Uhr rief mich Camille an und lud mich zum Mittagessen im "Bistro" um die Ecke ein. Bis dato hatte ich diese Erfahrung in solch einem Straßenimbiss nicht gemacht. Ich war gespannt, was das wird. Wir trafen uns vor unserem Haus und kehrten 20 m weiter ein. Camille war ja ganz clever. Sie zückte zwei Blätter, auf denen alle möglichen Speisen standen, die einen Nichtasiaten interessieren könnten: zuerst auf englisch, daneben in der Lautschrift "pinyin" und daneben mit den chinesischen Schriftzeichen. So suchten wir uns gemeinsam etwas aus, was wir essen wollten, zeigten der Bedienung das schlaue Papier. Sie wusste sofort, was sie bringen sollte, und die Bestellung war erledigt. Dann holte Camille ihre Putztücher hervor und begann, erst sich und dann das Essgeschirr gründlichst zu reinigen. Desweiteren legte sie ihr mitgebrachtes Stäbchenset (Kinderstäbchen mit Löffelchen) in einem eigens dafür besorgten Etui parat. Sie saß offensichtlich nicht das erste Mal an solch einem Tisch. Während wir auf das Essen warteten, was "frisch" zubereitet wurde, erzählte sie mir, wie sie als Sozialarbeiterin in den USA zu dem Job in China kam und über ihre Untersuchung beim Arzt, wirklich unglaublich abenteuerlich. Sie hat alles nur mit Gottes Hilfe und Eingebung überstanden. Sie war auch auf dem Sonntagsausflug nicht mit dabei, weil sie jeden Sonntag mit Jonathan (dem Bewohner der Wohnung in der 2. Etage) nach Chengdu zum amerikanischen Gottesdienst fährt. Sonst würde sie es hier nicht überstehen. Sie ist nicht gerade eine optimistische Endfünfzigerin. Für 20 Yuan (etwa 2 Euro) wurde uns ein üppiges Mittagessen serviert, was wirklich schmackhaft war. Nur die Sauberkeit des Serviergeschirrs ließ viele Wünsche offen.
Und dann ging es zu Fuß durch Matsch und Schlamm, vorbei an Baustellen unglaublichen Ausmaßes geradewegs zum Kindergarten. Also, Leute, was sich da für ein Schloss vor meinen Augen auftat, ist für chinesische Verhältnisse nicht mit Worten zu beschreiben. Es handelt sich um den größten der inzwischen sieben Kindergärten der Gruppe "Golden Apple" in China. Diese konkrete Einrichtung heißt "Golden Apple Airport Bilingual Kindergarten" und ist das vierte Jahr in Betrieb. Ein junger Mann namens Louis begrüßte uns auf das Herzlichste und freute sich sichtlich über mein Interesse, mir das Haus anschauen zu wollen. Er ist der Chef des Hauses, hat in den USA studiert, spricht deshalb fließend englisch. In dem Haus spielen und lernen 300 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren. Einige wohnen die ganze Woche dort, andere werden abends abgeholt. Einige sind nur für ein paar Wochen dort, andere mehrere Jahre. Dort fehlt es wirklich an nichts. Alles ist unglaublich liebevoll eingerichtet. Ich kann es nicht in Worte fassen. Schaut euch bitte die Bilder an, die ich dort machen durfte. Da die Kinder gerade schliefen, konnten wir jeden Raum in Ruhe begutachten. Schon die Außenanlage ist ein Paradies für die Kinder. Es gibt nicht nur genug Platz zum spielen, sondern auch einen richtigen Highway (der Größe der Kinder entsprechend angepasst), um die Verkehrsregeln zu erlernen und einen großen Garten, wo die Kinder die Entwicklung von Blumen, Pflanzen und Bäumen das ganze Jahr über beobachten können. Bei schlechtem Wetter spielt sich alles drin ab, trotzdem hat man das Gefühl, draußen zu sein. Das gesamte Haus ist hell, an vielen Seiten offen. Unter einem Glasdach gibt es auf vier Etagen alles, was zu einer umfassenden zweisprachigen Ausbildung und Erziehung notwendig ist. Gleich im Eingangsbereich bekamen wir Stoffüberzieher für unsere Straßenschuhe ausgehändigt. Dann stand dort eine große Fernsehanlage, auf der die ankommenden Eltern bei Bedarf ihre Kinder live bei ihren Aktivitäten über eine in jedem Raum installierte Kamera beobachten können. Und eine Ordnung und Sauberkeit herrschte dort!! Jedes Paar Schuhe exakt gestellt, die Zahnbürsten in den Waschräumen jedes einzelnen Klassenraumes zeigten in ihren Bechern in die gleiche Richtung, jedes Handtuch, jeder Waschlappen exakt platziert, alle Unterrichtsmaterialien perfekt unter den kleinen Tischchen angeordnet. Jede Deckenlampe im Raum verkörpert eine andere Obstsorte. Zur luxuriösen Ausstattung der Küchenecke gehört ein Sterilisator für das Geschirr der Kinder. Jeder Gegenstand im Raum ist mit dem entsprechenden englischen Begriff versehen, überall hängen englische Aufforderungen. Im Sommer ist auch der Indoor Swimmingpool mit Wasser gefüllt. Eine tägliche ärztliche Überwachung jedes einzelnen Kindes vor Ort ist selbstverständlich. Was soll ich sagen, ich war durch und durch fasziniert von dieser Einrichtung. Ich konnte mir natürlich die Frage nach den Kosten nicht verkneifen. Ein "Monatskind" bezahlt zwischen 1.400 und 1.600 Yuan im Monat. Für ein Kind, das das ganze Jahr dort verbringt, müssen die Eltern zwischen 21.000 und 23.000 Yuan bezahlen.
Benebelt von diesen Eindrücken wurde ich vor den Toren des Hauses in dem Schlamm und Güllegeruch ganz schnell in das wahre Leben zurückgeholt. Pünktlich um 16.10 Uhr stand ich wieder vor meinen neun Deutschinteressenten. Heute kam die Frage, wie lange ich eigentlich an der Schule bin. Als ich meinte, Anfang Juni wieder abzureisen, kam doch prompt die Frage, wann ich dann wiederkomme. Die konnte ich ihnen nicht beantworten. Die Ankündigung einer ersten Kurzkontrolle in der nächsten Stunde zu dem bisher Gelernten fanden sie ebenfalls gar nicht witzig. Da sie keine Mitarbeitsnoten bekommen, sie aber auf dem Zeugnis die Teilnahme an diesem Kurs mit Noteneinschätzung quittiert bekommen sollen, bin ich aufgefordert worden, auch Arbeiten zu schreiben. Diese Schüler bräuchten diesen Druck der Notengebung in Deutsch zumindest wahrhaftig nicht.
Zum guten Schluss des Tages fand ich mich doch tatsächlich wieder im Fitnesscenter ein. Heute stand Yoga auf dem Programm. Ich bewegte mich heute aber hinter dem Schaufenster auf dem Laufband und beobachtete die Verrenkungen der Teilnehmer von dort. Und wen treffe ich dort? Nein, Sirley war heute nicht dort. Der Kindergarten Headmaster Louis trainiert auch im "Meiyun", dem größten Fitnesscenter von Shuangliu. Nach einem kurzen Smalltalk begab ich mich unter die heute wieder molligwarme Dusche und wanderte durch die belebten Straßen nach Hause.

Posted by carola um 21:10 | Kommentare (1)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

21.03.06

Ein ruhiger Dienstag

Den heutigen Tag habe ich ganz ruhig angehen lassen, da nichts Besonderes anlag und ich mich auch nicht in der Lage fühlte, Bäume auszureißen. Durch meine Milch mit Bienenhonig habe ich meine Halsschmerzen ganz gut im Griff. Am Morgen ließ ich mich in der Schule blicken, weil Sirley die Lehrkassetten zum Schulbuch wieder haben und für jemanden kopieren wollte. Bei der Gelegenheit bekam ich ganz viele Zettelchen zugesteckt, auf denen die Adresse der Schule auf chinesisch mit Telefonnummer steht. Nun kann ich hier endgültig nicht mehr verloren gehen. Ich laufe gern durch die Gegend und erkunde alles - ich entdecke auf meinem täglichen Weg, der eigentlich immer derselbe ist, grundsätzlich jedes Mal ein neues Geschäft oder Restaurant (wenn man es denn als solches bezeichnen kann), wo ich glaube, noch nie daran vorbei gekommen zu sein. Sirley sagt immer: "Take a pedicab". Mein Problem war aber bis heute, dass ich dem Fahrer nicht sagen konnte, wo ich hin will, wenn ich nach Hause wollte. Mich versteht ja hier keiner, auch das Wort "school" nicht. So lief ich immer brav zu Fuß. Damit ist ab heute Schluß. Ich zücke ganz cool mein Zettelchen und hoffe nur, dass die Rikschafahrer lesen können. Manche sehen nicht so aus. Ich habe es noch nicht probiert.
Trotzdem ich meine Stimme den ganzen Tag schonen konnte, war ich nach den 40 Minuten Reden und Erklären vor 60 Schülern (nein, heute waren es nur 57 Anwesende) richtig heiser, trotz des nicht verstaubten Raumes. Wahrscheinlich aus Rücksicht auf meine Erkältung durfte ich doch heute wieder in dem Multimediaraum unterrichten, wo es ein Smartboard gibt, auf dem es sich wunderbar sauber schreiben lässt. Nach der Stunde wurde ich umlagert von einer Reihe Mädchen, die sich schüchtern an mich wandten und nicht wussten, wie sie ihre Frage formulieren sollten. Schließlich überwanden sie sich: Could you tell us what "I love you" means in German? Oh, dachte ich, da lag ich wohl mit meinem Alphabet und dem Beispiel Lokomotive für L nicht ganz richtig. Ich erklärte ihnen die Möglichkeiten danach zu fragen und entsprechend zu antworten, natürlich die bejahende und verneinende Variante, für alle Fälle. Sie waren so glücklich, eine so ausführliche Antwort bekommen zu haben. Natürlich wurde alles akribisch genau notiert, damit auch nichts vergessen wird. Ob sie sich die/eine Lokomotive, der/ein Pilz oder das/ein Auto aufgeschrieben haben, war unmöglich bei 57 Schülern zu kontrollieren. Ich werde ja sehen, was nächsten Dienstag an Vokabeln da ist, "Ich liebe dich" bestimmt, da ist nämlich auch kein "r" drin.
Aus gesundheitlichen Gründen verzichtete ich heute auf das Fitnesscenter. Ich habe noch genug Arbeitsblätter mit Übungen für morgen vorzubereiten. Morgen früh nimmt mich Camille mit in "ihren" Kindergarten, der so niedlich sein soll. Dort unterrichtet sie Englisch in der Vorschule. Und ich darf mir das anschauen. Ich freue mich schon sehr darauf.
Um die Frage nach den englischen Namen der Chinesen zu beantworten, liebe Conny. Das hast du völlig richtig erkannt. Jeder, der irgendwie vor hat, international etwas zu besehen, gibt sich als erstes einen englischen Namen, den man auch überall auf der Welt aussprechen kann. Wie die Wahl des Namens abläuft, kann ich leider nicht sagen. Aber da ist schon etwas dran. Wenn ich meinen Unterricht immer beginne mit Ich heiße... Und wie heißt du?, dann lachen sich die Schüler kaputt, wenn ich dann sage Hallo,... und versuche, den chinesischen Namen zu wiederholen. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Posted by carola um 20:29 | Kommentare (2)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

20.03.06

Neue Woche, neuer Versuch

Heute gab es wieder relativ normale Luft zum Atmen, ganz anders als gestern. Es war aber auch nicht so warm wie gestern. Da ich aber eine verstopfte Nase habe, war mir das heute relativ egal. So richtig tief durchatmen kann ich zur Zeit eh nicht. Pünktlich um 9.20 Uhr fand ich mich auf dem Sportplatz der Schule ein, um einen neuen Versuch zu starten, ein paar Bilder von der Montagmorgenzeremonie zu machen, natürlich habe ich vorher im Büro um Erlaubnis gebeten. Es lief ab wie am letzten Montag, nur wurden diesesmal drei Jungen an den Pranger gestellt. Ich verstand nichts von der Rede, die gehalten wurde. Es gab aber eine gewisse Redepause, in der sich alle Schüler den Hals nach den drei "Abtrünnigen" verrenken durften, bzw. die Gelegenheit bekamen, aus der Reihe zu treten, um sie sich genau zu betrachten. Leider habe ich bis jetzt nicht in Erfahrung bringen können, was sie sich zu Schulden haben kommen lassen. Angenehm war es für die Drei jedenfalls nicht.
Dann erfuhr ich heute, dass ich mich hier keiner gründlichen ärztlichen Untersuchung unterziehen lassen muss, weil mein Visum nicht verlängert werden muss. Ich verlasse das Land genau nach Ablauf der 90 Tage, die mein Visum gültig ist. Puh, da habe ich ja noch einmal Glück gehabt. Camille dagegen schwitzt jetzt schon Blut und Wasser bei dem Gedanken, die Spritze, der sie keineswegs traut, beim Blutabnehmen in den Arm gesetzt zu bekommen. Diese nette Dame aus den USA (sie wohnt zwei Etagen unter mir, in der 3.Etage) ist schon einige Monate hier und wird auch noch länger hier als Englischlehrerin arbeiten. Für sie kommt diese Untersuchung in den nächsten Tagen in Frage. Sirley kann morgen ihren Pass aus Chengdu abholen.
Nach meiner Deutschstunde (heute waren 9 Schüler anwesend) unterhielt ich mich noch ein wenig mit den Schülern, um herauszubekommen, wie sich das mit dem langen Schultag verhält. Also, diese 16-Jährigen beginnen um 7.50 Uhr (wie alle) mit dem Unterricht. Nach 5 Stunden ist von 12.10 Uhr bis 14.30 Uhr Mittagspause, in der sie zum Mittagessen nach Hause oder irgendwohin in die Stadt gehen (die Heimschüler essen in der Schulmensa). Um 14.30 Uhr beginnt der Nachmittagsunterricht, der für sie drei Stunden á 40 Minuten umfasst. Danach, um 16.50 Uhr, gehen sie wieder nach Hause bzw. in die Mensa, um ihr Abendbrot einzunehmen. Um 18.30 Uhr müssen sie wieder in ihrem Klassenraum erscheinen zur Erledigung der Hausaufgaben, oder auch Selbststudium genannt. Um 21.30 Uhr ist für sie Feierabend, da dürfen sie dann endgültig für diesen Tag die Schule verlassen. Bis 23.30 Uhr sitzen nur die Schüler des letzten Jahrganges, um sich intensiv auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten. Diese sind unglaublich hart, denn nur wer sie besteht, darf an einer Hochschule oder Universität studieren. Es gibt aber viel zu wenig Studienplätze für die vielen Abgänger. Das ist dann wirklich nur etwas für die Besten der Besten. Aber keiner möchte bei den Prüfungen durchfallen, und deshalb wird geackert bis zum Umfallen.
Nach diesem aufschlussreichen Gespräch wagte ich einen neuen Versuch im Fitnesscenter. Einmal mehr musste ich die bittere Erfahrung machen, dass ich nicht für das Ballett geeignet bin. Mit Aerobic, so wie wir das kennen, haben diese Veranstaltungen nicht viel zu tun. Diesesmal leitete eine andere Trainerin das Programm. Einmal mehr sind meine sämtlichen Innereien durcheinander gewirbelt worden bei den kräftigen Hüftschwüngen und Bauchtanzeinlagen. Ich merke plötzlich Muskeln, von deren Besitz ich bisher nicht die leiseste Ahnung hatte, und das mit aller Macht. Wenn es doch wenigstens Mambo- oder Cha Cha Cha-Schritte wären, die ich aus unserem Fitnessstudio kenne... Nein, es sind Schritte, die mich hoffnungslos alt aussehen lassen. Dann noch die schwingenden Arme dazu... Aber diesesmal gab es doch tatsächlich noch Teilnehmerinnen, die mit Sicherheit etwas mehr als 46 kg auf die Waage bringen. Während wir dann noch eine Stunde auf dem Hometrainer um die Wette radelten, gab es eine nette Unterhaltung zwischen Sirley und mir. Sirley meinte, ich müsse noch eine Woche Geduld haben, um die Schritte zu erlernen, aber dann habe ich sie drauf. Man muss nur optimistisch sein! Zum Abschluss wurden wir dann sogar noch mit warmem Wasser unter der Dusche belohnt. Das tat so richtig gut. Das letzte Mal müssen zu viele gleichzeitig drunter gestanden haben.

Posted by carola um 21:12 | Kommentare (1)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

19.03.06

Der Sonntagsausflug

Nun hat es seit Tagen hier nicht mehr geregnet. Als ich kurz vor 9.00 Uhr das Haus verließ, um zum Sonntagsausflug aufzubrechen, traute ich meinen Augen nicht. Es war total versmogt. Nach tagelangem Halskratzen hat es mich jetzt mit einer kräftigen Erkältung erwischt, das kalte Badezimmer jeden Morgen und die kalte Dusche hat schon ihre Spuren hinterlassen. Schon deshalb bekomme ich sehr schlecht Luft, und dazu der stickige Smog!!! Die Sonne hatte keine Chance durchzudringen. Kurz nach 9.00 Uhr starteten 11 Personen vor der Schule in einem Van zu einem Sonntagsausflug, während die Schüler ins Schulgebäude strömten. Auch Sirley hatte heute Aufsichtsdienst in der Schule, so dass sie nicht mitkommen konnte. Die Fahrt dauerte eine Stunde, bis wir an einem beliebten Ausflugsziel ankamen, das nicht einmal die Einheimischen gleich fanden. Die Fahrt dorthin war wieder sehr abenteuerlich. Es wird links und rechts überholt, egal ob Gegenverkehr kommt, ein Radfahrer die Fahrbahn kreuzt oder jemand mal eben mitten auf der Straße wendet oder sein Auto repariert. Es wird sich durch Hupen Platz verschafft und keinerlei Rücksicht genommen. Es interessiert einfach nicht, ob die Ampel rot oder grün zeigt. Unterwegs wurde Wegezoll verlangt, selbst dort wurde gedrängelt, was das Zeug hält. Plötzlich fuhr ein Motorradfahrer vor uns, den wir merkwürdigerweise nicht überholten. Später stellte sich heraus, dass das ein guter Bekannter von Bryan war, der uns den Weg zum Ziel, Xin Jing, zeigen sollte. Dort angekommen, machten wir einen ausgiebigen Spaziergang zwischen den Rapsfeldern und Reisanbaugebieten. Den Höhepunkt bildeten jedoch die blühenden Birnbäume, weshalb die Leute aus der Stadt dorthin pilgern. Ich sollte tief durchatmen und die klare Luft genießen. Wir in Deutschland verstehen etwas anderes unter sauberer Luft. Wie dem auch sei, die Sonne schaffte es im Laufe des Tages tatsächlich noch, sich dort sehen zu lassen. Die beiden Büffel auf dem schmalen Wanderweg erschreckten uns schon ganz schön, aber ich wurde daran erinnert, dass ich doch beim Hotpotessen Büffelhaut gegessen hätte und deshalb very strong sei. Zurück am Ausgangspunkt gab es ein ausgiebiges Mittagessen. Plötzlich fanden sich noch viele andere der Gesellschaft bekannte Leute ein, so dass wir eine große Runde waren. Es stand wieder viel zu viel auf dem Tisch. Diesesmal war ich aber schlauer und stellte meine Tasche nicht wieder unter den Tisch, wo sie das erste Mal mächtig gelitten hatte. Alles, was nicht essbar ist (Knochen, Gräten, zähe Haut u.ä.), wird unter den Tisch auf den Fußboden gespuckt. Da es selbst auch Chinesen nicht immer leicht fällt, jede Sprosse, jede Bohne bzw. die Fleischstückchen mit den Stäbchen vom Serviergeschirr in ihr Schälchen zu balancieren, sieht es auch auf dem Tisch dementsprechend aus. Es muss nicht immer Hotpot sein, selbst diese Speisen heute ließen meine schrecklichen Halsschmerzen für eine gewisse Zeit vergessen. Diesesmal brannte der Rachen von dem scharfen Essen, dabei hatte ich gar nicht so viel gegessen. Zum einen habe ich immer noch Probleme mit dem Stäbchenessen und zum anderen wurde ich ständig durch jemanden gestört, der kam, um einen Toast auf mich auszusprechen und mit mir anzustoßen. Nach einem abrupten Ende der Zeremonie ging es mit dem Van weiter zum Sea of Bamboo. Dort ließen wir uns unter riesigen Bambusbäumen nieder. An kleinen quadratischen Tischen hatten sich sofort zwei Vierergruppen formiert, um den Rest des Tages Majiang (eine Art Domino) zu spielen. Es ging richtig zur Sache und um richtig viel Geld. Der Rest der Gesellschaft gruppierte sich um einen weiteren Tisch, an dem Beat the Lord gespielt wurde, ein in China sehr beliebtes Kartenspiel für drei Mitspieler. So wechselten wir uns immer ab, bis der Bekannte von Bryan - ein witziger Mensch, wie man sie hier kaum findet- den Vorschlag machte, den nahegelegenen Tempel zu besichtigen. Dieser Vorschlag wurde von fünf Leuten dankend angenommen. So wanderten wir 50 Minuten bis zum The Old Man's Mountain Tempel und erklommen die 492 Stufen hinauf bis zum höchsten Punkt. Ich war erstaunt über die große Anlage. So riesig hatte ich mir einen Tempel nicht vorgestellt. Da plötzlich die Zeit drängte, wurde unser Vanfahrer angerufen und gebeten, uns von dem Tempel abzuholen, was er dann auch tat. Kaum zurück, verabschiedete sich Bryans Bekannter um 17.00 Uhr von uns, weil er zum Unterricht in seine Schule musste-unvorstellbar zum Sonntag. Es wurde noch eine weitere Stunde gespielt, bis wir dann vor Ort noch ein ausgiebiges traditionelles Abendessen serviert bekamen, alles zwischen vielen Bambusbäumen und Hunden. Um 18.45 Uhr ging es wieder nach Hause. Die Straße total überfüllt, trotz der zugelassenenen Maximalgeschwindigkeit von 60 km/h ein unglaubliches Gedränge. Es wurde dunkel, aber niemand kam auf die Idee, sein Licht am Auto einzuschalten, abgesehen davon, dass auch schon vorher kein Durchblick herrschte wegen des starken Smog. Wir haben aber unfallfrei Shuangliu erreicht. Ich werde mir jetzt noch eine Paracetamol genehmigen, mich ins Bett legen und hoffe auf eine Besserung meines Gesundheitszustandes. Der Muskelkater, den ich mir am Freitag im Fitnesscenter geholt habe, tut sein übriges.

Posted by carola um 20:54 | Kommentare (4)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

18.03.06

Ein warmer Samstag

Da heute Samstag ist, gab es keine Unterrichtsstunden. Das heißt noch lange nicht, dass die Schüler nicht zum Selbststudium in der Schule antreten mussten. Unter Aufsicht von Lehrern müssen die Schüler auch samstags und sonntags weitere Aufgaben erledigen und lernen, lernen, lernen. So traf ich mich mit drei Schülerinnen meines Deutschkurses nach Beendigung ihres Selbststudiums um 16.00 Uhr und verbrachte mit ihnen einen wunderschönen Nachmittag und Abend. Eigentlich wollten die Mädchen mit mir nach Chengdu fahren und mir dort alles Sehenswerte zeigen, da spielte aber die Schulleitung nicht mit. Aus Sicherheitsgründen ist es mir nicht erlaubt, weiter entfernte Fahrten zu unternehmen. So waren wir hier in dem herrlichen Park, fuhren mit dem Tretboot auf dem See, saßen unter riesigen Bambussträuchern und schlürften grünen Tee. Ich erklärte ihnen alles auf Deutsch, was so auffällig und erwähnenswert war. Ich bekam viele neue Straßen von Shuangliu zu sehen. So langsam bekomme ich eine gewisse gedankliche Ordnung in die unübersichtlichen Straßenzüge und hoffe mich bald komplett allein zurecht zu finden. Und, ihr werdet es nicht glauben, ich wurde zum Dinner zum Hotpotessen eingeladen. Ich lehnte dankend ab, das wurde aber nicht akzeptiert. Je öfter ich Hotpot esse, um so schneller werde ich es lieben lernen, so wie das alle hier tun. So ließ ich mich doch tatsächlich auf ein neues Abenteuer am Feuertopf ein. Diesesmal saßen wir in einem anderen Lokal, und es konnte alles von der Karte bestellt werden, was in den Topf sollte. Es war wieder unvorstellbar, was da auf den Tisch kam. Neben Sausages gab es heute Torfu, riesige Bambussprossen, Lotuswurzeln, Beef, Schweinehirn, Rinderdärme, Hühnerkrallen, Entenhälse und so eine undefinierbare zähe angeraute Haut, den Begriff dafür fand Lydia leider nicht in ihrem chinesisch-deutschen Wörterbuch. Also, der Fantasie sind da wahrlich keine Grenzen gesetzt. Zum Nachspülen gab es geschäumten Gurkensaft. Alles echt strange, aber ich habe es auch heute wieder überstanden. Unglaublich. Ich habe nicht geahnt, dass auch die Jugend so scharf auf Hotpot ist, das ist hier einfach der Renner. Nach diesem Erlebnis machten wir uns durch belebte hell erleuchtete Straßen auf den Heimweg. Wir kamen an dem Platz vorbei, wo jeden Abend getanzt wird. Das war lustig, ob jung ob alt, jeder bewegte sich nach der Musik, erst Walzer dann Popmusik dann Tango. Auf einem Platz kostete der Eintritt Geld, dort konnte man die Musik lauter hören - den nutzten eher Paare - und auf dem gegenüberliegenden Platz wurde im Ballettschritt einzeln getanzt. Aber jeder hatte sichtlich Spaß daran. So ging der Samstag hier für mich sehr entspannt und mit vielen neuen Eindrücken zu Ende.

Posted by carola um 21:28 | Kommentare (0)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

17.03.06

Das Fitnesscenter

Heute wurde ich wie jeden Morgen pünktlich 8.00 Uhr durch das Telefon geweckt: Hallo, this is your wake-up call. Das selbe dann gleich noch einmal auf chinesisch. Man will auf Nummer Sicher gehen, dass der Empfänger diese Message auch wirklich versteht. Ich weiß bis heute nicht, wer da so besorgt um mich ist, ich könnte die schönen Tage hier so tatenlos verschlafen, und diesen Weckruf in Auftrag gegeben hat. Inzwischen warte ich nach dem Aufwachen gespannt darauf und stehe tatsächlich dann erst auf.
Nach meinen Vorbereitungen auf meine heutige Stunde und etwas Wäsche - die Waschmaschine funktioniert übrigens hervorragend - war ich einmal mehr in der Stadt unterwegs, habe mich wieder eine Straße weiter gewagt auf der endlosen Suche nach Ansichtskarten, die ich in die Heimat schicken wollte. Aber es scheint aussichtslos, hier in Shuangliu erfolgreich zu sein. So hoffe ich darauf, bald den Stadtkern von Chengdu kennenzulernen, um da vielleicht mehr Erfolg zu haben. Dafür begegnete ich einem Brautpaar, das mit seinem Gefolge auf dem Weg zum Hotel war. Und den Weg zum Park habe ich auch wieder gefunden. Dort setzte ich mich nieder, genoss das wunderschöne Wetter und beschäftigte mich mit meinem neuen Hobby, Sudokus zu lösen. Das macht richtig süchtig. Um 16.10 Uhr begann wieder eine Unterrichtsstunde, diesesmal waren acht Schüler anwesend. Also es schwankt regelmäßig. Diese Stunde durften wir doch tatsächlich in einem Multimediaraum verbringen, wo ich keine Kreidetafel bedienen musste, sondern auf einem Smartboard schreiben durfte. Das war sehr angenehm. Die Schüler haben wieder große Fortschritte gemacht. Sie können schon alle Buchstaben richtig lesen und in Wortverbindungen schreiben, merken sich zu jedem Wort sofort den bestimmten und den unbestimmten Artikel, können kurze Sätze bilden. Wir kommen wirklich zügig voran. Nach der Stunde wartete Sirley bereits auf mich. Schnell eine Rikscha, oder auch Pedicab geschnappt, und ab ging die Post zum Fitnesscenter, dann auch noch die vielbefahrene Straße entlang. Mein Gott! Während ich mit einem großen Rucksack dort erschien, schwenkte die stets modisch gekleidete Sirley ihr kleines Handtäschchen und holte ihre Mitgliedskarte hervor, worauf sie einen Schrankschlüssel erhielt. In diesem kleinen Spint befand sich ihr gesamtes modisches Sportoutfit, einschließlich sämtlichen Accessoires, die für die anschließende Dusche notwendig sind. Auch ich bekam einen Schrankschlüssel. Schnell in die Sportsachen geschlüpft, ging es auch schon los. Um 16.30 Uhr begann der Aerobickurs. Auf den Laufbändern hinter dem Riesenschaufenster liefen die Herren der Schöpfung und beobachteten die Damen bei ihren Übungen. Also einige wenige Übungen waren mir tatsächlich aus unserem Studio in Magdeburg bekannt, aber der größte Teil war doch sehr asiatisch angehaucht. Auf einem Podest wurde alles vorgemacht, und alle wußten, wie sich zu bewegen. Nur ich hüpfte dazwischen wie ein Elefant im Porzellanladen. Alles mutete so graziös an, erst recht das cool down zum Schluss. Alle schwebten elegant durch den Saal, wie man es aus Ballettvorführungen chinesischer Tänzerinnen kennt, nur ich war viel zu groß und behebig, als dass es auch nur annähernd nett ausgesehen hätte. Es war schon sehr deprimierend für mich. Ich habe mir aber fest vorgenommen, mich nicht einschüchtern zu lassen und werde dort morgen wieder erscheinen und hart trainieren. Ihr werdet schon sehen, wenn ich in 3 Monaten nach Hause komme, schwebe ich auch so graziös übers Parkett-oder auch nicht. Nach der Aerobicstunde ging es noch auf das Laufband. Auch da lief Sirley wie ein Weltmeister, aber die etwa 1000m von der Schule zum Center waren ihr zu weit zu Fuß. Trinkwasser gab es dort zur Selbstbedienung zur Genüge. Zum Schluss stellte sich Sirley noch auf die Waage, um ihr Gewicht zu kontrollieren: 46 kg. Sie war mit sich zufrieden. Dann beobachteten wir noch kleine niedliche Tänzerinnen, im Vorschulalter, die fleißig Ballett übten. Plötzlich standen wir vor einem Raum, der eine Tafel und viele Schulbänke beherbergte. Auf meine verdutzte Frage, was das mit einem Fitnesscenter zu tun habe, erklärte mir Sirley, dass dort regelmäßig Ernährungsseminare für die Mitglieder abgehalten würden. Eine tolle Sache! Ansonsten gibt es dort noch einige Krafttrainingsgeräte, Tischtennisplatten und einen großen offenen Aufenthaltsraum, in dem die wartenden Eltern fernsehen. Nach den zwei Stunden Training ging es zum Duschen. Die Toiletten sind solche für China typischen Löcher, der Duschraum ist riesig, einzelne durch Vorhänge abgetrennte Duschkabinen. Ich frage mich, warum der große Raum total vernebelt war, das Wasser unter der Dusche jedenfalls war kalt. Nach dem Ankleiden wurden alle Sportsachen im Spint verstaut, das Duschhandtuch hängt jetzt außen am verschlossenen Schrank, wie überall. Nur meine Sachen nicht. Ich packte brav mein ganzes Hab und Gut wieder ein, da ich diese verschwitzten und nassen Sachen nicht dort lassen wollte. Während Sirley, schick gekleidet, einzig mit ihrem Handtäschchen ausgestattet, davon schwebte, trug ich meinen schweren Rucksack davon. Nach einer netten Unterhaltung bei einem kleinen anschließenden Stadtbummel bei Nacht und herrlicher Lichterreklame gingen wir nach Hause. Da Sirley ganz in der Nähe meiner Wohnung wohnt, hatten wir den gleichen Weg. Ihr Mann ist ständig beruflich unterwegs und ihre 15jährige Tochter kommt super spät aus der Schule, so dass sie viel Zeit für sich - und mich - hat.
Zum Schluss noch ein Gruß in eigener Sache. Heute gratuliere ich dir, lieber Wolfgang Matuzak, ganz herzlich zu deinem Geburtstag und wünsche dir für dein neues Lebensjahr alles erdenklich Gute, beste Gesundheit und maximale Erfolge in Familie und Beruf. Mein Glas grüner Tee wird heute auf dein Wohl geleert.

Posted by carola um 22:36 | Kommentare (0)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

16.03.06

Wieder ein herrlicher Tag

Heute möchte ich mich zuerst bei allen interessierten Lesern meiner Eintragungen auf meiner Homepage bedanken. Die Kommentare sind super nett. Ich hoffe, so viel Text zu lesen bereitet nicht zu vielen Lesern Langeweile. Ich bemühe mich, mich kurz zu fassen, es gelingt mir aber nicht. Es gibt einfach zu viel zu erzählen. Wiederum freue ich mich natürlich über jeden, der sich durch den gesamten Text arbeitet und das dann auch noch interessant findet.
Auch heute durfte ich hier wieder einen herrlichen Frühlingstag erleben. Die Vögel zwitscherten, und es war wieder viel los auf der Straße. Sorry, dass ihr zu Hause immer noch auf so ein Wetter warten müsst. Heute hatte ich nur eine Extralesson auf Bitten der vier besonders interessierten Schüler. Da in der Mittagspause kein Klassenraum genutzt werden darf, bekam ich den Schlüssel für das Foreign Affairs Office, um die Schüler um 13.00 Uhr dort zu unterrichten. Sie waren wieder so eifrig dabei, ließen mich kaum etwas erklären, sprachen mir aber auch jedes Wort nach. Das ist schon witzig. Besonders amüsant ist die Übung des Buchstabens R und Wörter damit. Sie wollen es unbedingt können, üben wie die Weltmeister, nehmen Wasser in den Mund, um damit zu gurgeln und das R hinzubekommen. Regal, Schrank, Radiergummi waren zunächst unüberwindbare Hürden. Nach 80 Minuten hatten sie es fast perfekt drauf. Morgen können sie garantiert alle 30 neuen Wörter und Wortgruppen, die sie gelernt und aufgeschrieben haben.
Da ich zur Zeit nur eine Unterrichtsstunde am Tag habe, finde ich mich nur in dem besagten Office ein, wo Sirley, Bryan und Glen ihren Schreibtisch haben, um zu erfahren, in welchen Raum ich gehen darf. Ein anderes Lehrerzimmer habe ich noch nicht zu Gesicht bekommen. Das würde auch nicht viel Sinn machen, da wirklich nur die Englischlehrer englisch können. Alle anderen sprechen nur chinesisch. Da würde eh kein Gespräch zustande kommen, und ich möchte keineswegs als Eindringling erscheinen. Die Tafel in den Klassenräumen wird generell nur trocken gewischt, sie darf nicht feucht gewischt werden, warum auch immer, das habe ich noch nicht herausbekommen. Mein Vorschlag, mal feucht zu wischen, wurde missbilligend entschieden abgelehnt. Dadurch liegt im Klassenraum millimeterdick der Staub auf dem Fußboden und den Tischen. Man riecht den Staub förmlich, wenn man den Raum betritt. Es wird zwar trocken gefegt, dann liegen aber die Kreidehaufen in der Ecke, bis sie irgendwann weggeholt werden. Da ich nur so wenig Stunden in den Räumen bin, kann ich das gerade noch aushalten. Wie die Schüler das den ganzen Tag aushalten, weiß ich nicht. Die 4 Schüler von heute verlassen jeden Tag um 21.00 Uhr die Schule. Ich konnte jetzt jeden Abend beobachten, dass die Klassenräume, die ich von meiner Wohnung aus sehen kann, bis spät in der Nacht gefüllt waren. Um 22.30 Uhr erhoben sich alle Schüler und verließen die Räume. Kurze Zeit später war das Haus dunkel. Unglaublich. Am nächsten Morgen geht es um 8.00 Uhr für alle wieder weiter. Deshalb bleibt den Schülern und Lehrern auch nur am Wochenende Zeit für irgend etwas Privates. Am Samstag wollen die 4 Schüler mit mir nach Chengdu fahren (vielleicht ins Zentrum?) und mir die Stadt zeigen. Das muss noch einige Kilometer von hier entfernt sein.
Am Nachmittag nutzte ich das schöne Wetter zu einem Spaziergang in der näheren Umgebung. Und wen treffe ich? Sirley. Sie war auf dem Weg zum Fitnesscenter. Das wollte sie mir schon lange zeigen, da ich aber immer zu der Zeit Unterricht habe, wo sie dorthin geht, bot es sich bisher noch nicht an. Nun weiß ich, wo es sich befindet und glaube es sogar in der Fülle von Straßen, die in meinen Augen alle gleich aussehen, wieder zu finden. Für 160 Yuan kann ich dort einen ganzen Monat trainieren. Diese Möglichkeit werde ich sicherlich öfter nutzen, obwohl mir die Herren nahe gelegt haben, mich lieber zu erholen, als Extralessons zu geben. Ich frage mich nur, wovon. Um die Frage nach meiner Abendbeschäftigung zu beantworten: Da ich von der Schule ein Lehrbuch, ein dazugehöriges Arbeitsbuch und zwei Audiokassetten bekommen habe, nach denen ich hier unterrichte, habe ich jetzt zwei Abende damit verbracht, die Kassetten zu hören und die Aufgaben zu lösen, die auch von den Schülern erwartet werden. Aber ich muss im Vorfeld wissen, welche vorbereitenden Übungen ich den Schülern zur Erledigung präsentieren muss, damit die Höraufgaben bewältigt werden können. Da ich den Kassettenrekorder nur geborgt habe und ich nicht weiß, wie weit ich komme, habe ich das gesamte Buch durchgearbeitet. Einige Texte in dem Buch sind einfach geistlos. Einen werde ich vielleicht demnächst mal präsentieren. Ansonsten kostet das Verfassen meiner Tagesberichte und vor allem das Hochladen der Bilder unglaublich viel Zeit, womit der Abend dann auch schon ausgefüllt ist. Und ich sitze gemütlich bei meiner Musik am Fenster, beobachte das Geschehen draußen und habe Mitleid mit den Schülern, die um 22.00 Uhr immer noch in der Schule arbeiten müssen. Nein, Kino, Theater, Zirkus o.ä. gibt es hier in der Umgebung nicht. Ich habe aber trotzdem noch keine Minute Langeweile hier gehabt. Es gibt immer etwas zu tun.
Heute möchte ich es nicht versäumen, meinen beiden Geburtstagskindern meiner 5.Klasse ganz herzlich zu ihrem Geburtstag zu gratulieren. Lieber Fabian und lieber Nico, ich wünsche euch alles erdenklich Gute in eurem neuen Lebensjahr, vor allem beste Gesundheit und viel Erfolg in der Schule. Genießt euren Ehrentag und lasst euch feiern. Ich trinke auf euch ein leckeres Glas grünen Tee.

Posted by carola um 20:35 | Kommentare (3)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

15.03.06

Ein herrlicher Frühlingstag

Heute durfte ich hier in Chengdu den ersten warmen und sonnigen Tag erleben. Vor meiner Ankunft muss es hier schon mehrere davon gegeben haben. Die letzten Tage habe ich nur gefroren, es müssen so um die 7 Grad Celsius gewesen sein. Auch in der Schule saßen alle Schüler dick gekleidet da. Es gibt hier keine Heizung, so wie wir sie kennen. Und wenn es draußen kalt, windig und verregnet ist, wird es auch im Haus nicht warm. Die Fenster stehen grundsätzlich einen Spalt offen, egal wie kalt es ist, weil man sonst keine Luft mehr bekommt. Heute schien schon ganz früh die Sonne, und sie scheint auch jetzt noch. Gleich halten sich entschieden mehr Menschen auf der Straße auf. Ich durfte heute nun endlich in einer Unterrichtsstunde hospitieren, d.h. ich durfte mir eine Sportstunde auf dem Sportplatz anschauen. Irgendwann hoffe ich auch noch eine Englischstunde sehen zu dürfen, aber bisher ergab es sich leider noch nicht. Ein Lehrer für 70 Schüler, und alles läuft in geordneten Bahnen ab. Der Unterricht ist sicherlich nicht so anstrengend wie bei uns - die Schüler tragen keine extra Sportkleidung - es machte ihnen sichtlich Spaß, sich vom Unterricht im staubigen Klassenzimmer zu erholen. Alles funktionierte nach der Trillerpfeife des Lehrers. Es gibt allerdings auch keine Noten, nur in bestimmten Jahrgängen für bestimmte Disziplinen. Nach der Stunde, um 12.10 Uhr, schwirrten 5000 Schüler und 1000 Lehrer durch die Gegend, um die Mittagspause bis 14.30 Uhr gut zu nutzen. Ich wurde von 7 Kollegen ins Schlepptau genommen und spontan zum Hotpotessen eingeladen. Nun, liebe Daniela, weiß ich auch was Hotpotessen ist. Unvorstellbar für Nichtkenner, was man da alles in den Feuertopf werfen konnte. Die aufgespießten Fische, die auf dem Teller auf ihr Bad warteten, röchelten noch nach Luft und bewegten sich über den Tisch. Der Anblick der undefinierbaren Innereien, Körperteile und Häute verschiedenster Tiere brachten mich doch mächtig in Bedrängnis, aber alles ist gut, alles ist wichtig für meine Gesundheit, wurde mir immer wieder versichert, und so wurde mir alles auf den Teller gelegt, das ich essen sollte. Allein hätte ich im Leben keinen Gedanken daran verschwendet, so etwas auch nur eines Blickes zu würdigen, geschweige denn in den Mund zu nehmen. Aber ich habe es getan, und ich lebe noch, habe nicht einmal eine Magenverstimmung oder ähnliches. Meinen brennenden Rachen löschte ich ständig mit Sojamilch. Zum Nachtisch gab es dann aber noch viele verschiedene Obstsorten zu essen, die echt erfrischend waren. Anderthalb Stunden später verließen wir das Lokal und wanderten ein wenig durch den nahegelegenen Park. Der ist wahrlich wunderschön. Unglaublich viele Leute tummelten und erholten sich dort. Die alten Leute hängten die Käfige mit ihren Haustieren, den Vögeln, in die Bäume, so dass diese eine irre Geräuschkulisse ergaben. Sooo viele Vögel, die um die Wette zwitscherten, während ihre Besitzer Karten oder Domino spielten. An einem Stand wurden die verschiedensten Kunstwerke aus flüssigem Kandieszucker gegossen, die im Nu fest und zum Verzehr bestimmt waren. Mr. Wang gab für mich einen besonders schönen Drachen in Auftrag, der eigentlich viel zu schade war, einfach so verspeist zu werden. Dieser soll mir hier in Chengdu viel Glück und Wohlergehen bescheren. Damit wollte sich Mr. Wang für unsere Gastfreundschaft und den Rieseneisbecher bedanken, den er bei unserem Tagesausflug nach Berlin im Sonycenter vorgesetzt bekam. Das hat ihn unvergesslich beeindruckt. Mr. Wang schwärmt unglaublich und immer wieder von Deutschland, wo er auch von Familie Hönel in großem Maße verwöhnt wurde, so dass Bryan und Glen immer mehr den Wunsch verspüren, unbedingt Deutschland kennenzulernen, da sie sonst etwas Wichtiges in ihrem Leben verpassen.
Für eine Bootsfahrt blieb leider keine Zeit, da die Pflicht rief. Der Nachmittagsunterricht beginnt hier um 14.30 Uhr. Meine Stunde begann um 16.10 Uhr. Aus den sechs Schülern von Montag wurden heute schon zehn. Keiner packte seine Sachen zusammen oder machte Anstalten, um 16.50 Uhr -nach dem Klingelzeichen- seinen weiteren Aufgaben nachzugehen. Sie blieben alle brav sitzen und wollten noch weiter Deutsch lernen. Ich hatte Zeit, und bis auf eine Schülerin, die sich nach weiteren 30 Minuten entschuldigte, weil sie gehen müsse, um ihr Abendbrot nicht zu verpassen, wollten alle weiter machen. Da bekam ich doch ein schlechtes Gewissen. Aber sie wollten unbedingt bleiben. Um 17.40 Uhr wurde der Klassenraum gebraucht, so dass wir dann tatsächlich noch ein Ende fanden. Danach baten mich einige Schüler darum, sich morgen wieder mit mir treffen und Deutsch lernen zu dürfen, weil es bis Freitag einfach zu lange dauert. So blieb uns morgen leider nur die Mittagspause ab 13.00 Uhr (die Schüler versicherten mir aber, dass sie von 12.10 - 13.00 Uhr ausreichend Zeit zum Mittagessen haben!). Mit Genehmigung der Schulleitung, die wurde natürlich von Glen um Erlaubnis gebeten, dürfen wir das nun auch durchziehen. Ein wenig stecke ich schon in der Zwickmühle: einerseits bin ich hierher gekommen in der Absicht, interessierten Schülern Deutsch beizubringen, und ich habe auch alle Zeit der Welt, andererseits müssen/wollen die Schüler ihre wertvolle Mittagspause dafür opfern, weil ihr Stundenplan sehr voll ist. Naja, vielleicht ergibt sich ja in den nächsten Wochen noch etwas Schülerfreundlicheres. Ansonsten kann ich nur sagen, hätten unsere Schüler nur einen Teil dieser Motivation zum Lernen und die Erkenntnis, wofür sie lernen, wären wir schon ein ganzes Stück weiter.

Posted by carola um 10:51 | Kommentare (4)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

14.03.06

Der zweite Tag

Nun bin ich doch heute tatsächlich in den Genuss gekommen, mich vor exakt 60 Schülern (und es war noch nicht jeder Platz besetzt!) zu präsentieren. Jeden Dienstag darf ich von 16.10-16.50 Uhr dieser Seniorgroup 2 die deutsche Sprache näher bringen. Das wurde mir heute morgen so nebenbei mitgeteilt. So hatte ich leider keine Chance, in der kurzen Zeit noch Hefte zu besorgen und mit ersten Schreibübungen vorzubereiten, was ich für meine gestrige Gruppe machen konnte. Sie haben keinerlei Vorkenntnisse, können aber alle Englisch, und so ist die Verständigung, die Erklärung, was zu tun ist, kein Problem. Sie plappern alles nach, aber wenn nur einer etwas sagen soll, dann sind sie schüchtern. Und Hand heben, soetwas kennt man hier nicht. Aber wenn 60 Stimmen ständig das nachplappern, was man sagt, ist das schon eine irre Geräuschkulisse, allerdings lange nicht zu vergleichen mit 30 Kindern in unserer Schule. Wenn die sich in der Pause unterhalten, ist das entschieden lauter. Nach der Stunde blieben noch zahlreiche Schüler, um mit mir einen Smalltalk zu führen. Der hat mir tatsächlich geholfen, die Befindlichkeiten der hiesigen Schüler besser einschätzen zu lernen. Sie sind alle sehr wissbegierig und in der Gruppe mutig und mitteilungsbedürftig, aber als Alleinantwortender unglaublich schüchtern und verängstigt. Da es hier in China keine Mitarbeitsnoten gibt, sondern ausschließlich schriftliche Arbeiten bewertet werden, kennen sie die geordnete mündliche Mitarbeit auch nicht. Aber auch alle 60 Schüler wollen so viel wie möglich lernen. Die Motivation ist unglaublich hoch.
Heute morgen holte mich Sirley ab, um mich zur Polizeistation zu begleiten, wo ich mich offiziell anmelden musste, um kein "blinder Bewohner" dieser Stadt zu sein. Die Arbeitsmoral dort im Büro war unbeschreiblich, erst einmal wurde etwas warmes fettiges aus den "Arbeitshänden" gegessen, bevor die Angestellte sich mit den Selbigen meinem Pass zuwandte und wieder am Computer arbeitete. Energie sprühte nur so aus ihrer Erscheinung. Dann wurde mir noch mitgeteilt, dass ich mich einer gründlichen ärztlichen Untersuchung unterziehen lassen müsse. Na, mal sehen, wann und was das wird. Nach dieser Stunde in dem Polizeibüro folgte eine weitere Stunde in der Bank. Erst einmal war es echt ein Problem, eine Bank zu finden, die überhaupt Geld tauscht, und dann fanden wir eine, wo die Mitarbeiterin aber noch nie einen Euro-Travellerscheck gesehen hatte. Sie brauchte unglaublich viele Anläufe, um mir 50 Euro in Yuan (ich habe im Endeffekt dafür 478 Yuan bekommen) umzutauschen. Hätte ich Sirley nicht dabei gehabt, dann wäre dieser Versuch gescheitert. Hier ist alles unglaublich billig. Ich war ja nun gezwungen, so manchen Hausrat zu besorgen, weil hier nichts vorrätig ist. Aber einen Fön für 38 Yuan, ein Bügeleisen für 50 Yuan und einen Wasserkocher für 59 Yuan hätte ich zu Hause nicht bekommen. Einige Schüler von gestern ließen über Sirley anfragen, ob sie Extralessons in Deutsch bekommen könnten, die drei Stunden in der Woche reichen ihnen nicht aus. Sie wollen mir das gut bezahlen. Das ist nicht die Idee ihrer Eltern, sondern ihre eigene. Ist das nicht irre? Selbstverständlich stehe ich gern für weitere Stunden zur Verfügung. Wenn sie mir dafür Chengdu zeigen und ich sicher sein kann, dass ich auch wieder zurückfinde in mein Appartement ohne mich zu verirren, was hier ganz schnell möglich ist, dann haben doch beide Seiten etwas davon.
Nun laufe ich schon vier Tage durch die Umgebung hier, werde aber immer noch angestarrt wie eine Außerirdische. Einigen bleibt regelrecht der Mund offen stehen beim Anblick eines Europäers. Hierher verirren sich tatsächlich nicht so viele. Das war in Beijing schon etwas anders.
Um die Frage nach der Zeitverschiebung zu beantworten: Hier in Chengdu bin ich euch in Deutschland 7 Stunden voraus, bis zu eurer Zeitumstellung Ende März. Dann sind es noch 6 Stunden. Hier im riesigen China gibt es nur eine einzige Zeitzone, es wird sich nach Beijing gerichtet. Aber man merkt ganz deutlich, dass es hier später hell wird als in Beijing.
Es tut mir leid, dass die Bilder in meinem Fotoalbum so sehr klein geraten sind. Ich bin dabei, das Problem zu beheben, aber bei meinem technischen Verständnis müsst ihr euch wohl noch etwas gedulden. Sorry.

Posted by carola um 10:35 | Kommentare (3)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

13.03.06

Der erste Tag vor der Klasse

Heute wurde ich 9.00 Uhr von Sirley abgeholt. Sie zeigte mir die Schule (2 Minuten von hier entfernt). Ich traute meinen Augen nicht, als auf der großen Tafel am Eingangstor ein Willkommensgruß an mich gerichtet war (allerdings auf Chinesisch), mein Bild mit einer kurzen Biographie erschien, und danach noch weitere Bilder mit Aufnahmen vergangener Begegnungen in Deutschland gezeigt wurden. Plötzlich fand ich mich mit meiner ganzen Familie, unseren chinesischen Gästen und unserem Schulleiter Herrn Voßmerbäumer in meinem Wohnzimmer in Biederitz wieder. Das ist schon ein witziges Gefühl. Dieses Laufband läuft noch eine Woche ab, damit auch ja jeder weiß, wer ich bin und woher ich komme. Nach einer kurzen Orientierungsphase für mich versammelte sich um 9.30 Uhr die gesamte Schule (über 5000 Schüler und über 1000 Lehrer) auf dem Sportplatz der Schule zum Montagmorgenappell. Das kann man nicht glauben, dass sich so eine riesige Menschenansammlung so friedlich und fast lautlos formiert, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Zu Marschmusik marschierten drei Schüler die Menge ab zum Fahnenmast und hissten die Staatsflagge. Danach wurden die Nationalhymne und die eigene Schulhymne laut gesungen, die Musik dazu ertönte jeweils aus Lautsprechern. Nach einer Ansprache löste sich die Menschenmenge ganz geordnet und friedlich wieder auf. Sirley übersetzte mir nur einen Teil der Rede, weil dabei etwas Gelächter aufkam. Der Redner appellierte an alle Jungen, sich wöchentlich die Haare schneiden zu lassen, damit sie nicht herumlaufen wie Tiere.
Leider gingen meine Batterien der Kamera zu Ende, so dass ich die Zeremonie erst nächsten Montag fotografieren kann. Danach konnte ich noch einen kurzen Blick in das Jungenwohnheim werfen, da das Tor widererwarten offen stand und nicht wie sonst um die Zeit fest verriegelt war. Es gibt feste Zeiten, wann die Schüler hinausgehen und eintreten können, alles bewacht von Uniformierten. Wenn ein Schüler sich nicht an die Zeiten hält, werden sofort die Eltern informiert. Die Flure ähneln einer Kaserne, links und rechts graue Türen mit einem kleinen Sichtfenster drin. Die Schüler wohnen dort zu viert, zu sechst oder zu acht, je nach Größe des Geldbeutels der Eltern. Es sah sehr sehr trostlos aus, zwei harte Doppelstockbetten und zwei Hochbetten, unter dem einen 6 kleine Schließfächer und unter dem anderen drei kleine Schreibplatten, alles auf engstem Raum. Alle Türen standen offen, weil gerade gewischt wurde. Nach diesem Anblick durfte ich erst einmal wieder nach Hause gehen, weil meine erste Unterrichtsstunde erst um 16.10 Uhr begann. Diese verlief überhaupt nicht aufregend, ganz im Gegenteil. Es sind sechs wissbegierige Schüler (zwei Jungen, vier Mädchen), die mir jedes Wort nachsprachen, weil sie alles lernen wollen, was sie aufschnappen. Sie wollen so viel wie möglich lernen in der kurzen Zeit, wo sie die Gelegenheit dazu haben. Eine Schülerin überreichte mir bereits vor der ersten Stunde ein nett verpacktes Geschenk als Dank dafür, dass ich da bin und sie Deutsch bei mir lernen darf. Die 40 Minuten vergingen wie im Flug. Nur montags, mittwochs und freitags finden diese Stunden jeweils von 16.10-16.50 Uhr statt. Nach der Stunde war es einem Mitglied der Schulleitung ein Bedürfnis, mir den nächstgelegenen Markt zu zeigen, wo ich frisches Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch kaufen kann. Was sich da meinen Augen bot, kann ich wieder nicht in Worte fassen. Das muss man gesehen haben. Ich bin natürlich ohne die dort angebotenen "Köstlichkeiten" zurückgekehrt und weiß gar nicht, warum ich absolut keinen Appetit auf Fleisch heute habe. Zu Hause angekommen, erwartete mich schon jemand, der mich von dem ewigen Bimmeln des Telefons befreien wollte. Ich hatte eine Nummer bekommen, die wohl nicht richtig war. Das Telefon klingelte ständig, und wenn ich es abnahm, konnte ich Gespräche zwischen Leuten verfolgen, die ich leider nicht verstand. Aber keiner wollte etwas von mir. Nun hoffe ich, dass ich nur noch angebimmelt werde, wenn wirklich von mir jemand etwas will.

Posted by carola um 11:19 | Kommentare (2)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

12.03.06

Die Ruhe vor dem "Sturm"

Heute ist auch hier in Chengdu Sonntag. Heute morgen waren Sirley und der Computerexperte der Schule bei mir, um mir bei der Befreiung von Viren auf meinem Laptop zu helfen. Das gestaltete sich schwieriger als erwartet, da deutsch und chinesisch nicht compatibel sind. Ich werde heute Abend noch einmal den Virenscanner in Bewegung setzen. Den Nachmittag verbrachte ich mit einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt. Bilder werde ich später machen, da es auch heute wieder völlig verregnet, stürmisch und grau ist. Da hier auch sonntags alle Geschäfte geöffnet sind, habe ich diesen Stadtbummel verbunden mit dem Kauf weiterer Reinigungs- und Duftmittel, um das Bad und die anderen Räume in meinem Appartement auf Vordermann zu bringen. Hier scheint ewig keiner gewohnt zu haben. Inzwischen sind die Reinigungsarbeiten weitestgehend abgeschlossen. Nun sitze ich bei einer schönen Tasse Tee und freue mich riesig über die zahlreichen Glückwünsche aus der Ferne, die mich zu meinem Geburtstag erreicht haben und immer noch erreichen. Allen Gratulanten sage ich meinen herzlichsten Dank.
Morgen wird es ernst. Da werde ich meine beiden Lerngruppen kennenlernen, denen ich in den nächsten drei Monaten die deutsche Sprache näher bringen darf. Ich bin schon ganz gespannt auf das, was da kommt. Darüber berichte ich morgen.

Posted by carola um 11:37 | Kommentare (3)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

11.03.06

Ankunft in Chengdu

Heute um 13.05 Uhr betrat ich den verregneten Boden von Chengdu, es ist aber angenehm warm. Ich wurde überaus herzlich, mit offenen Armen und einem riesigen Blumenstrauß von Sirley und Bryan empfangen. Sie brachten mich umgehend in mein neues Domizil, ein riesiges Appartement, drei Zimmer, Küche, Bad und langer geschlossener Balkon. Ein riesiger Fernseher, eine Waschmaschine und ein Internetanschluss, der mir umgehend installiert wurde und mich in "meinem Arbeitszimmer" mit dem Rest der Welt verbunden sein lässt, gehören zu dem Luxus, der mir hier geboten wird. Alles andere fällt eher sehr einfach aus, und mit der Sauberkeit nehmen sie es hier auch nicht so genau, aber das lässt sich durchaus ertragen. Ich konnte auch schon die Bewohner der Appartements der 3.und 4. Etage kennenlernen, sehr nette Gastlehrer aus Kanada bzw. den USA. Sirley zeigte mir, wie ich echt spannend zum großen Einkaufszentrum komme, nämlich halsbrecherisch in einem sogenannten Pedicab. Dort konnte ich die wichtigsten noch notwendigen Dinge besorgen. Ausgestattet mit Putzmitteln nutzte ich die Zeit zum Saubermachen, bis ich zum großen Empfangsdinner in einem tollen Hotel in der Stadt abgeholt wurde. Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut, ein umfangreiches Essen zu bieten. Alles, was in der Schule und der Stadt Rang und Namen hat, sowie "alte" Bekannte, Kollegen, die ich bei den Besuchen in Deutschland in den letzten Jahren kennenlernen durfte, fanden sich zu diesem großen Bankett mir zu Ehren ein. Die Freude des Wiedersehens war doch beachtlich. Alle geben sich unglaublich viel Mühe, meinen Aufenthalt hier zu einem bleibenden Erlebnis werden zu lassen. Es folgte ein Toastspruch nach dem anderen. Zwischen den vielen gan bei-Wünschen kam ich doch auch tatsächlich zum Probieren der zahlreichen Köstlichkeiten, die sich auf dem runden Mitteltisch stapelten. Punkt 20.00 Uhr wurde der letzte Toast ausgesprochen, dann erhob sich die Gesellschaft und war verschwunden. Seit dem sitze ich an meinem Laptop und versuche mit Florians Hilfe die zahlreichen virenbefallenen Dateien in den Griff zu bekommen, die ich mir hier eingefangen habe. Ich hoffe, ich breche hier technisch nicht ganz zusammen. Wäre doch schade, wenn ich nicht mehr mit den daheimgebliebenen Interessierten kommunizieren könnte. Kurz vor Mitternacht ging hier eben mal ein Feuerwerk los, mitten in der Stadt. Wahnsinn.

Posted by carola um 16:49 | Kommentare (1)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

10.03.06

Zwei Tage in Beijing

Seit gestern bin ich nun in China, genauer gesagt, in Beijing. So einen angenehmen und ruhigen Langzeitflug hatte ich noch nie. Allerdings startete die Maschine wegen der schlechten Witterungsverhältnisse in Frankfurt eine Stunde verspätet. So kam ich erst mit einer halben Stunde Verspätung hier an. Die Passkontrolle erfolgte problemlos, nur meine Koffer ließen auf sich warten. So wurde auch Nini auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Sie hatte schließlich 90 Minuten warten müssen. Um 13.00 Uhr (in Deutschland war es 6.00 Uhr) hatten wir uns endlich gefunden. Sie kümmerte sich bis heute Abend rührend um mich und organisierte alles. Ich wusste schon, warum ich so unbefangen und ohne Aufregung losfahren konnte.
Schnell ein Taxi besorgt und das Gepäck im Hotel abgestellt, machten wir uns gleich auf den Weg zur "Verbotenen Stadt". Das ist ein tolles Gefühl, alles mit eigenen Augen sehen zu dürfen. Auf diesem riesigen Gelände wurde Nini von einer jungen Frau angesprochen, ob sie nicht Interesse hätte, am nächsten Tag einen Tagesausflug zur Chinesischen Mauer zu machen. Da wir das eh für den nächsten Tag geplant hatten, ließen wir uns nach ewigen Verhandlungen tatsächlich darauf ein. Heute morgen wurden wir auch pünktlich um 6.30 Uhr vom Hotel abgeholt. Dann ging es mit einer Gruppe in einem Bus los. Das Frühstück in einer Frühstücksbude war der erste Hit - very strange- und dann folgte die Fahrt. Hier scheint es keine Verkehrsregeln zu geben. Jeder verschafft sich mit lautem Hupen die Vorfahrt. Es wird gehupt, was das Zeug hält. Rote Ampeln werden ignoriert. Auch die vielen Radfahrer radeln auf den überfüllten Straßen mittendrin, ohne jeden Augenkontakt zu den anderen Verkehrsteilnehmern oder Fußgängern. Jeder ist Individualist und drängelt sich durch und vor.
9.45 Uhr hatten wir unser Ziel erreicht: die Chinesische oder auch Große Mauer. 1,5 Stunden blieben uns Zeit, sie zu bewundern und zu erklimmen. Das verlangte uns bei dem kalten Wind und den steilen Stufen schon eine ganze Menge ab, aber das Gefühl, dort oben zu stehen und alles bewundern zu können, ist unbeschreiblich. Leider war die Zeit etwas kurz, um alles in Ruhe genießen zu können. Unten angekommen, ging es mit dem Bus zurück. Was uns auf der Rückfahrt noch geboten wurde, war ein Hit nach dem anderen. Mir war im Vorfeld nicht bekannt, was ich da alles noch erleben durfte. Zuerst das Jademuseum, wo man auch Schmuck aus Jade erwerben konnte, dann das Mittagessen - ein typisch chinesischer Mittagstisch mit allen (Un)Sitten und Gebräuchen, die die Chinesen so an den Tag legen, dann die Toiletten... Als nächstes wurden wir in ein großes Verkaufslager von Süßigkeiten geführt, die eigentlich allesamt gar nicht süß waren. Wir mussten/durften mindestens 50 verschiedene Sorten von Köstlichkeiten probieren, von denen wir dann das Schmackhafteste erwerben sollten. Dann ging es weiter zur Zhaoling - einer der schönsten von 13 Kaisergruften in China. Um 14.45 Uhr war dann ein Besuch in der China Academy of Traditional Chinese Medicine angesagt. Mit viel Beifall wurde ein Arzt im Wartezimmer begrüßt, der dann einen 10-minütigen Vortrag über traditionelle chinesische Medizin hielt. Ich habe natürlich alles verstanden!! Nini erzählte mir nur das Wichtigste, nämlich, dass George Bush senior einst dort war, sich behandeln ließ und die Erkenntnisse mit in sein Land nahm, um sie dort publik zu machen. Dann ging die Tür auf, und im Gleichschritt kamen 5 weitere Ärzte einmarschiert, setzten sich und wollten uns aus der Hand lesen, welche Krankheit jeder hat. Es war einfach herrlich. Mit diesem Besuch in der Academy war die Erlebnisreise noch nicht zu Ende. Den letzten Stopp gab es in einer alten Filmkulissenstadt. Dort wurden und werden Filme über China gedreht. Das Freudenhaus und die Show eines Künstlers, der einen 1m langen breiten Säbel verschluckte, sich zwei 10cm lange Nägel durch die Nase ins Gehirn bohrte und schließlich eine schwere Metallkugel regelrecht verschluckte und sie nach 10 Minuten wieder ausspuckte, waren dort die Höhepunkte. Unglaublich, was ich da zu sehen bekam, aber wahr. Dabei sollten wir noch Tee schlürfen, das ging bei der Show gar nicht. Um 18.30 Uhr waren wir schließlich wieder zurück im Hotel. Nach dem Abendessen hat sich Nini verabschiedet. Da ich morgen wieder sehr früh raus muss, weil die Reise dann weiter geht nach Chengdu, bleibt sie diesesmal nicht über Nacht. Schließlich ist Wochenende, und sie kann morgen ausschlafen. So nutze ich heute Abend die Gelegenheit, diese Eintragung zu tätigen. Natürlich habe ich auch alle Kommentare gelesen und bedanke mich bei allen Interessierten ganz herzlich. Liebe Vanessa, natürlich habe ich gestern besonders an dich gedacht, habe aber erst heute die Möglichkeit, dir ganz herzlich nachträglich zu deinem Geburtstag zu gratulieren. Ich wünsche dir alles Gute, vor allem bleib schön gesund.
Morgen geht es an mein eigentliches Ziel, nach Chengdu. Von dort werde ich mich bei der erst besten Gelegenheit wieder melden.

Posted by carola um 13:38 | Kommentare (1)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

07.03.06

Vor dem Start

Der Koffer ist gepackt, ich habe es geschafft trotz der vielen guten Wünsche für die Reise per Telefon, die mich im Laufe des Tages erreicht haben. Dafür allen Anrufern meinen herzlichsten Dank. Morgen geht es nun endlich los. Wenn das Chaos sich gelegt haben sollte, startet die Maschine um 18.40 Uhr von Frankfurt/Main. Den nächsten Bericht gibt es dann aus Beijing, wo ich hoffentlich um 10.50 Uhr Ortszeit am Donnerstag ankomme.

Posted by carola um 18:30 | Kommentare (2)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

02.03.06

Weitere Vorbereitungen

Heute möchte ich mich ganz herzlich bei meinen Kolleginnen Frau Kraffzik und Frau Siebert bedanken, die mir in Vorbereitung auf meinen Job in China Lehrmaterialien zur Verfügung gestellt haben.
Heute erhielt ich eine neue Mail aus Chengdu
Dear Ms Otte,
We are very eager to see you as the date of your coming is drawing near. But from your last letter you did not mention the flight number. Will you please tell me the time, flight number? so we can prepare for your arrival accordingly. Our students are counting the calender because they know they are going to have a German teacher this semester. I wish you have a pleasant journey!
Qihua Li
Foreign Affairs Office of Shuangliu Middle School
Da freue ich mich natürlich noch intensiver auf meine Mission.

Posted by carola um 19:31 | Kommentare (1)

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem