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Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

15.03.06

Ein herrlicher Frühlingstag

Heute durfte ich hier in Chengdu den ersten warmen und sonnigen Tag erleben. Vor meiner Ankunft muss es hier schon mehrere davon gegeben haben. Die letzten Tage habe ich nur gefroren, es müssen so um die 7 Grad Celsius gewesen sein. Auch in der Schule saßen alle Schüler dick gekleidet da. Es gibt hier keine Heizung, so wie wir sie kennen. Und wenn es draußen kalt, windig und verregnet ist, wird es auch im Haus nicht warm. Die Fenster stehen grundsätzlich einen Spalt offen, egal wie kalt es ist, weil man sonst keine Luft mehr bekommt. Heute schien schon ganz früh die Sonne, und sie scheint auch jetzt noch. Gleich halten sich entschieden mehr Menschen auf der Straße auf. Ich durfte heute nun endlich in einer Unterrichtsstunde hospitieren, d.h. ich durfte mir eine Sportstunde auf dem Sportplatz anschauen. Irgendwann hoffe ich auch noch eine Englischstunde sehen zu dürfen, aber bisher ergab es sich leider noch nicht. Ein Lehrer für 70 Schüler, und alles läuft in geordneten Bahnen ab. Der Unterricht ist sicherlich nicht so anstrengend wie bei uns - die Schüler tragen keine extra Sportkleidung - es machte ihnen sichtlich Spaß, sich vom Unterricht im staubigen Klassenzimmer zu erholen. Alles funktionierte nach der Trillerpfeife des Lehrers. Es gibt allerdings auch keine Noten, nur in bestimmten Jahrgängen für bestimmte Disziplinen. Nach der Stunde, um 12.10 Uhr, schwirrten 5000 Schüler und 1000 Lehrer durch die Gegend, um die Mittagspause bis 14.30 Uhr gut zu nutzen. Ich wurde von 7 Kollegen ins Schlepptau genommen und spontan zum Hotpotessen eingeladen. Nun, liebe Daniela, weiß ich auch was Hotpotessen ist. Unvorstellbar für Nichtkenner, was man da alles in den Feuertopf werfen konnte. Die aufgespießten Fische, die auf dem Teller auf ihr Bad warteten, röchelten noch nach Luft und bewegten sich über den Tisch. Der Anblick der undefinierbaren Innereien, Körperteile und Häute verschiedenster Tiere brachten mich doch mächtig in Bedrängnis, aber alles ist gut, alles ist wichtig für meine Gesundheit, wurde mir immer wieder versichert, und so wurde mir alles auf den Teller gelegt, das ich essen sollte. Allein hätte ich im Leben keinen Gedanken daran verschwendet, so etwas auch nur eines Blickes zu würdigen, geschweige denn in den Mund zu nehmen. Aber ich habe es getan, und ich lebe noch, habe nicht einmal eine Magenverstimmung oder ähnliches. Meinen brennenden Rachen löschte ich ständig mit Sojamilch. Zum Nachtisch gab es dann aber noch viele verschiedene Obstsorten zu essen, die echt erfrischend waren. Anderthalb Stunden später verließen wir das Lokal und wanderten ein wenig durch den nahegelegenen Park. Der ist wahrlich wunderschön. Unglaublich viele Leute tummelten und erholten sich dort. Die alten Leute hängten die Käfige mit ihren Haustieren, den Vögeln, in die Bäume, so dass diese eine irre Geräuschkulisse ergaben. Sooo viele Vögel, die um die Wette zwitscherten, während ihre Besitzer Karten oder Domino spielten. An einem Stand wurden die verschiedensten Kunstwerke aus flüssigem Kandieszucker gegossen, die im Nu fest und zum Verzehr bestimmt waren. Mr. Wang gab für mich einen besonders schönen Drachen in Auftrag, der eigentlich viel zu schade war, einfach so verspeist zu werden. Dieser soll mir hier in Chengdu viel Glück und Wohlergehen bescheren. Damit wollte sich Mr. Wang für unsere Gastfreundschaft und den Rieseneisbecher bedanken, den er bei unserem Tagesausflug nach Berlin im Sonycenter vorgesetzt bekam. Das hat ihn unvergesslich beeindruckt. Mr. Wang schwärmt unglaublich und immer wieder von Deutschland, wo er auch von Familie Hönel in großem Maße verwöhnt wurde, so dass Bryan und Glen immer mehr den Wunsch verspüren, unbedingt Deutschland kennenzulernen, da sie sonst etwas Wichtiges in ihrem Leben verpassen.
Für eine Bootsfahrt blieb leider keine Zeit, da die Pflicht rief. Der Nachmittagsunterricht beginnt hier um 14.30 Uhr. Meine Stunde begann um 16.10 Uhr. Aus den sechs Schülern von Montag wurden heute schon zehn. Keiner packte seine Sachen zusammen oder machte Anstalten, um 16.50 Uhr -nach dem Klingelzeichen- seinen weiteren Aufgaben nachzugehen. Sie blieben alle brav sitzen und wollten noch weiter Deutsch lernen. Ich hatte Zeit, und bis auf eine Schülerin, die sich nach weiteren 30 Minuten entschuldigte, weil sie gehen müsse, um ihr Abendbrot nicht zu verpassen, wollten alle weiter machen. Da bekam ich doch ein schlechtes Gewissen. Aber sie wollten unbedingt bleiben. Um 17.40 Uhr wurde der Klassenraum gebraucht, so dass wir dann tatsächlich noch ein Ende fanden. Danach baten mich einige Schüler darum, sich morgen wieder mit mir treffen und Deutsch lernen zu dürfen, weil es bis Freitag einfach zu lange dauert. So blieb uns morgen leider nur die Mittagspause ab 13.00 Uhr (die Schüler versicherten mir aber, dass sie von 12.10 - 13.00 Uhr ausreichend Zeit zum Mittagessen haben!). Mit Genehmigung der Schulleitung, die wurde natürlich von Glen um Erlaubnis gebeten, dürfen wir das nun auch durchziehen. Ein wenig stecke ich schon in der Zwickmühle: einerseits bin ich hierher gekommen in der Absicht, interessierten Schülern Deutsch beizubringen, und ich habe auch alle Zeit der Welt, andererseits müssen/wollen die Schüler ihre wertvolle Mittagspause dafür opfern, weil ihr Stundenplan sehr voll ist. Naja, vielleicht ergibt sich ja in den nächsten Wochen noch etwas Schülerfreundlicheres. Ansonsten kann ich nur sagen, hätten unsere Schüler nur einen Teil dieser Motivation zum Lernen und die Erkenntnis, wofür sie lernen, wären wir schon ein ganzes Stück weiter.

Posted by carola um 15.03.06 10:51

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Kommentare

Liebe Carola,
habe von Karen Deine Internet-Adresse bekommen
und lese gerade Deine hoch interessanten
Reiseberichte. Bin gespannt darauf wie es weitergeht.

Liebe Grüße von
Karin

Posted by: Karin Machguth um 15.03.06 16:45

Hi,
nun klappt das mit den Fotos ja wunderbar. Sehr interessante Aufnahmen dabei. Die umfangreichen Tagesberichte sind ebenfalls sehr lesenswert und interessant. Ich weiss nicht, ob du es schon mal gesehen hast, aber hier lesen täglich ca. 25 Leute mit. Bin mal gespannt, wieviel es in 2 Monaten sein werden.

Grüße Florian
P.S.: Wer hätte jemals gedacht, dass ich Chinaberichte meiner Mutter aus den Niederlanden kommentiere. Weiss Benjamin von diesem Blog?

Posted by: Florian um 15.03.06 17:19

Liebe Carola,
ich habe schon mit Spannung und Neugier auf die Fortsetzung deines Reality-Romans gewartet. Bei deinen Schilderungen zum Hotpotessen musste ich wirklich herzlich lachen (unsere Eltern ueberigens auch, denen ich deine neue Eintragung wieder am Telefon vorgelesen habe). Well done! hast du gut gemacht und offensichtlich ja gut ueberstanden. Den Chinesen sagt man ja nach, dass sie was von Gesundheit, Heilkunst und Medizin verstehen. Toll finde ich ja auch den Park und die Erholungsmoeglichkeiten zur Tagesmitte (wenn man nicht gerade Deutsch lernen oder unterrichten will). Die Fotos kommen jetzt uebrigens richtig klasse rueber. Alles ist schon so schoen gruen bei euch. Warum ist es im Klassenraum denn so staubig? Macht da nie jemand sauber? Von aussen sehen die Gebaeude so modern und eigentlich auch sehr sauber aus? Gibt es eigentlich ein (oder wahrscheinlich mehrere bei 1000 Lehrern)Lehrerzimmer, wo man auch mal die Kollegen und Kolleginnen trifft? Hast du schon andere auslaendische Kollegen getroffen? Wie sehen deine Abende aus? Gibt es auch Kultur in der Stadt (Theater, Kino, Zirkus)?

Ich hoffe nur, dass ganz viele Schueler deiner Schule in Magdeburg deine Eintragungen sehen. Den chinesichen Schuelern wird es sicherlich so gehen wie uns damals in der DDR. Wir wollten lernen, weil wir uns davon versprachen, mal einen Beruf zu bekommen, bei dem wir etwas erreichen koennen, vielleicht sogar auch mal ins westliche Ausland reisen koennen. In China ist es ja noch viel krasser. Wer sich da nicht ranhaelt, der wird dann richtig arm und das ist nicht lustig. Da gibt es keinen Sozialstaat der einen auffaengt....

Weiterhin alles Liebe und Gute. Bis morgen. Liebe Gruesse aus Berlin (wo es heute schon wieder geschneit hat),
Conny

Posted by: Conny um 15.03.06 17:57

Liebe Carola,
da verwöhnen wir Deutsche uns ganz schön mit unseren Heizungen.
Auch als ich in Durban Südafrika war, gab es keine Heizung.
Es regnete ständig, die Temperaturen weit unter 10° Celsius und
der Wind bitter kalt.

Liebe Grüße
Kurt-Ulrich

Posted by: Kurt-Ulrich um 20.03.06 01:25

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