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Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

23.03.06

Die Junior School

Heute war wieder ein wunderschöner Tag, nur Sonne und angenehme Wärme. Ich war kaum aufgestanden, da klingelte es und Sirley stand vor meiner Tür. Sie überreichte mir einen riesigen Geschenkekarton mit den besten Grüßen von ihrer Familie. Und eh ich mich versah, war sie auch schon wieder weg. Ich muss noch in Erfahrung bringen, warum sie mir mal so eben nebenbei herrlichsten chinesischen Tee geschenkt hat, einfach so, unglaublich. Den Morgen verbrachte ich mit einem ausgiebigen Spaziergang, auf dem ich unter anderem einen vorbei ziehenden Trauerzug beobachten konnte; auf dem ersten Wagen viele große Kränze, auf dem zweiten Wagen Herren, die mit ihren jämmerlich schrägen Tönen mit Pauken und Trompeten einen höllischen Lärm verursachten, dahinter der aufwendig verziehrte Leichenwagen und dahinter unzählige Pkw, die mit weißen Blumen geschmückt waren.
Pünktlich um 16.30 Uhr holte mich Glen vor meiner Haustür ab und brachte mich zur Junior School, wo ich heute meine erste Deutschstunde halten sollte vor Schülern ohne jegliche Vorkenntnisse. Das hatte ich am Montag erfahren. Ich wusste doch, dass es nicht so schwer sein kann, bei über 5000 Schülern noch an Deutsch interessierte Schüler zu finden. Es mangelt hier aber nicht an Interessenten, die fehlende Zeit für solche Kurse ist der Grund, warum sich mein Einsatz hier mächtig in Grenzen hält. Nach einem 20-minütigen Fußmarsch erblickte ich plötzlich ein mir von Bildern bekanntes riesiges Gebäude. Der große Rundbogen im Eingangsbereich und die vielen neuen Häuser... Seit dem ich hier bin habe ich mich immer wieder gefragt, warum mir der Schulkomplex, in dem ich bisher tätig war, so gänzlich unbekannt vorkam, obwohl ich doch schon so viele Bilder von Besuchen unserer Schüler hier gesehen hatte. Nun ging mir endlich ein Licht auf, ich hatte bisher nur den "alten" Campus kennengelernt. Heute durfte ich nun auch den neuen Campus für mich entdecken. Ich wurde schon erwartet und herzlich von einer netten Englischlehrerin namens Claire in Empfang genommen. Sie führte mich zunächst vorbei an vielen Räumen, in denen sich eine Unmenge Computerarbeitsplätze, durch kleine in Augenhöhe abgegrenzte Wände voneinander getrennt, befanden. Plötzlich sprang Mr. Pu von einem dieser Plätze auf und wollte es nicht versäumen, mich herzlich zu begrüßen. Er war im Sommer 2004 im Rahmen des Austauschprogrammes eine Woche in unserem Haus in Biederitz zu Gast und verlebte insgesamt in Magdeburg eine sehr schöne abwechslungsreiche Zeit, was er durchaus auch heute noch zu schätzen weiß. Weiter ging es zu einem der zahlreichen Lehrerzimmer, in dem ich wieder unglaublich herzlich von Jane begrüßt wurde. Jane durfte im letzten Jahr bei Familie Hönel zu Gast sein. Kurt-Ulrich und ich unternahmen mit ihr und Mr. Wang an einem Wochenende einen Berlinausflug, wo sie sehr viel zu sehen bekamen. Das vergessen die Chinesen einfach nicht und geben hier ganz viel Gastfreundschaft zurück. Auf dem Weg zum Klassenraum machte ich noch die Bekanntschaft mit Nick, dem Amerikaner, der mit seiner Freundin über mir in der 6.Etage wohnt. Er fragte mich gleich, ob ich die aus der 5.Etage sei. Er war nur vorbeigekommen, um sich bei Claire für morgen abzumelden, weil er krank ist.
Um 17.00 Uhr sollte dann die Stunde beginnen. Kurz gefragt, wieviele Schüler zu erwarten sind, es durften sich nur drei Schüler aus jeder Klasse des Jahrganges anmelden, also 36. Gut. Da sind aber noch einige Lehrer, die mitlernen wollen, ob ich etwas dagegen hätte, wenn die sich hinten mit rein setzen. Natürlich nicht. Ich betrat den Raum, begrüßte die 13- bis 14-jährigen ganz locker, auf deutsch natürlich, plötzlich traten im hinteren Eingang des Raumes zwei Kameramänner ein, bauten ihre Equipment auf, und los ging das Blitzlichtgewitter. Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht. Davon hatte mir vorher keiner etwas gesagt. Von allen Seiten wurde ich ständig im Bild festgehalten, im Ton nicht, das hätte ich wohl gemerkt, oder auch nicht, ich weiß es nicht. Unterdessen traten sowohl im vorderen als auch im hinteren Eingang des Raumes immer mehr Schüler ein. Bei 50 habe ich aufgehört zu zählen, weil ich mich auf das konzentrieren musste, was ich erzählen wollte. Aber auch hier kam ich nicht dazu, mich vorzustellen. "Ich heiße Frau Otte", sofort kam aus 50+x Mündern "Ich heiße Frau Otte". "Nein", sagte ich "Ich heiße Frau Otte" und zeigte auf mich. Es dauerte ewig, bis der letzte begriffen hatte, dass nur ich diesen Satz so in der vollständigen Form sagen konnte. Dann ging es mit dem Alphabet los. Anhand meines ABC-Posters (deshalb auch L wie Lokomotive!) fingen wir an, die Buchstaben zu lernen, in ihrer Aussprache und Druckschrift. Es ging Schlag auf Schlag. Der Schülerchor sprach so laut nach, fand immer mehr Gefallen daran, so dass auch getrost die Schüler draußen auf dem Flur alles mitbekamen. Die Türen stehen eh offen. Die Lehrer waren im Schreiben die fleißigsten. Sie übten gleich eine ganze Reihe jedes Buchstaben und der ersten Wörter. Wir sind bis zum W gekommen, dann waren die 40 min und etwas mehr rum. Irgendwann zwischendurch waren die Fotografen wieder verschwunden, die scheint das Alphabet nicht so interessiert zu haben. Claire war begeistert. Sie fand das so toll, wieviel wir geschafft hatten, dass keine Minute Langeweile aufkam und alle begeistert mitgezogen haben. Das war aber tatsächlich ganz schön harte Arbeit, bei so vielen Leuten eine Linie reinzubringen, so wie ich das wollte. Ich weiß ja nicht, wie hier der Anfangsunterricht in der Fremdsprache abläuft. Deshalb würde ich zu gern einmal hospitieren. Das wurde mir bislang jedoch leider verwehrt. Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf. Am Montag nimmt mich Camille wieder mit in ihren Kindergarten. Da habe ich dann wenigstens die Chance, den Kleinen beim Englischlernen zuzuschauen.
Nach der Stunde wurde ich von Claire und Jane zum Dinner in einem netten Restaurant in der Nähe eingeladen. Es wurde aufgetafelt für uns drei "Hanseln", dass sich der Tisch bog, alles leckere, aber super scharfe Sachen. Auf meine Frage, ob immer so üppig gegessen wird, kam die ehrliche Antwort "Nein, nicht wirklich." Ich sehe ja nun wahrhaftig nicht bedürftig aus, so brachte ich dann auch höflich aber bestimmt zum Ausdruck, dass für mich nicht so viel aufgetischt werden muss. Aber Essen ist hier nun mal das Allerwichtigste im Leben eines Chinesen. Um 18.25 Uhr verabschiedete sich Jane plötzlich und verließ fluchtartig das Lokal, weil sie um 18.30 Uhr wieder Aufsicht in der Schule hatte. Nach einer weiteren halben Stunde, es stand noch sooo viel auf dem Tisch, fragte Claire, ob ich noch etwas möchte. Als ich verneinte, standen wir auf und gingen. Keine Ahnung, wie das dort mit der Zeche ist, jedenfalls von uns dreien hat keiner bezahlt. Da Claire in der Nähe der Senior School wohnt, hatten wir den gleichen Weg und wanderten gemeinsam nach Hause.

Posted by carola um 23.03.06 20:21

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Kommentare

Keiner hat die Zeche gezahlt? Na, wenn euch da mal nicht die chinesische Polizei auf den Pelz rueckt...:-)

Hast du eigentlich irgendeine Chance dein Chinesisch zu verbessern bzw. weiterzulernen?

Wenn bei dir Lehrer hospitieren bzw. sogar mitlernen, dann sollte doch fuer dich auch mal eine Hospitation erlaubt sein. Aber naja, das sage ich mit meinem deutschen Gerechtigkeitssinn... Mir ist schon klar, dass es dort etwas anders funktioniert...

Flori hat die Links auf deine Website gestellt. Echt cool!

Liebe Gruesse aus dem langsam etwas fruehlingshafter werdenden Berlin,
Conny

Posted by: conny um 23.03.06 23:12

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