« Der erste Tag vor der Klasse | Startseite | Ein herrlicher Frühlingstag »

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

14.03.06

Der zweite Tag

Nun bin ich doch heute tatsächlich in den Genuss gekommen, mich vor exakt 60 Schülern (und es war noch nicht jeder Platz besetzt!) zu präsentieren. Jeden Dienstag darf ich von 16.10-16.50 Uhr dieser Seniorgroup 2 die deutsche Sprache näher bringen. Das wurde mir heute morgen so nebenbei mitgeteilt. So hatte ich leider keine Chance, in der kurzen Zeit noch Hefte zu besorgen und mit ersten Schreibübungen vorzubereiten, was ich für meine gestrige Gruppe machen konnte. Sie haben keinerlei Vorkenntnisse, können aber alle Englisch, und so ist die Verständigung, die Erklärung, was zu tun ist, kein Problem. Sie plappern alles nach, aber wenn nur einer etwas sagen soll, dann sind sie schüchtern. Und Hand heben, soetwas kennt man hier nicht. Aber wenn 60 Stimmen ständig das nachplappern, was man sagt, ist das schon eine irre Geräuschkulisse, allerdings lange nicht zu vergleichen mit 30 Kindern in unserer Schule. Wenn die sich in der Pause unterhalten, ist das entschieden lauter. Nach der Stunde blieben noch zahlreiche Schüler, um mit mir einen Smalltalk zu führen. Der hat mir tatsächlich geholfen, die Befindlichkeiten der hiesigen Schüler besser einschätzen zu lernen. Sie sind alle sehr wissbegierig und in der Gruppe mutig und mitteilungsbedürftig, aber als Alleinantwortender unglaublich schüchtern und verängstigt. Da es hier in China keine Mitarbeitsnoten gibt, sondern ausschließlich schriftliche Arbeiten bewertet werden, kennen sie die geordnete mündliche Mitarbeit auch nicht. Aber auch alle 60 Schüler wollen so viel wie möglich lernen. Die Motivation ist unglaublich hoch.
Heute morgen holte mich Sirley ab, um mich zur Polizeistation zu begleiten, wo ich mich offiziell anmelden musste, um kein "blinder Bewohner" dieser Stadt zu sein. Die Arbeitsmoral dort im Büro war unbeschreiblich, erst einmal wurde etwas warmes fettiges aus den "Arbeitshänden" gegessen, bevor die Angestellte sich mit den Selbigen meinem Pass zuwandte und wieder am Computer arbeitete. Energie sprühte nur so aus ihrer Erscheinung. Dann wurde mir noch mitgeteilt, dass ich mich einer gründlichen ärztlichen Untersuchung unterziehen lassen müsse. Na, mal sehen, wann und was das wird. Nach dieser Stunde in dem Polizeibüro folgte eine weitere Stunde in der Bank. Erst einmal war es echt ein Problem, eine Bank zu finden, die überhaupt Geld tauscht, und dann fanden wir eine, wo die Mitarbeiterin aber noch nie einen Euro-Travellerscheck gesehen hatte. Sie brauchte unglaublich viele Anläufe, um mir 50 Euro in Yuan (ich habe im Endeffekt dafür 478 Yuan bekommen) umzutauschen. Hätte ich Sirley nicht dabei gehabt, dann wäre dieser Versuch gescheitert. Hier ist alles unglaublich billig. Ich war ja nun gezwungen, so manchen Hausrat zu besorgen, weil hier nichts vorrätig ist. Aber einen Fön für 38 Yuan, ein Bügeleisen für 50 Yuan und einen Wasserkocher für 59 Yuan hätte ich zu Hause nicht bekommen. Einige Schüler von gestern ließen über Sirley anfragen, ob sie Extralessons in Deutsch bekommen könnten, die drei Stunden in der Woche reichen ihnen nicht aus. Sie wollen mir das gut bezahlen. Das ist nicht die Idee ihrer Eltern, sondern ihre eigene. Ist das nicht irre? Selbstverständlich stehe ich gern für weitere Stunden zur Verfügung. Wenn sie mir dafür Chengdu zeigen und ich sicher sein kann, dass ich auch wieder zurückfinde in mein Appartement ohne mich zu verirren, was hier ganz schnell möglich ist, dann haben doch beide Seiten etwas davon.
Nun laufe ich schon vier Tage durch die Umgebung hier, werde aber immer noch angestarrt wie eine Außerirdische. Einigen bleibt regelrecht der Mund offen stehen beim Anblick eines Europäers. Hierher verirren sich tatsächlich nicht so viele. Das war in Beijing schon etwas anders.
Um die Frage nach der Zeitverschiebung zu beantworten: Hier in Chengdu bin ich euch in Deutschland 7 Stunden voraus, bis zu eurer Zeitumstellung Ende März. Dann sind es noch 6 Stunden. Hier im riesigen China gibt es nur eine einzige Zeitzone, es wird sich nach Beijing gerichtet. Aber man merkt ganz deutlich, dass es hier später hell wird als in Beijing.
Es tut mir leid, dass die Bilder in meinem Fotoalbum so sehr klein geraten sind. Ich bin dabei, das Problem zu beheben, aber bei meinem technischen Verständnis müsst ihr euch wohl noch etwas gedulden. Sorry.

Posted by carola um 14.03.06 10:35

Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

Kommentare

Liebe Carola,
hab' vielen Dank fuer die Beantwortung meiner Fragen. Man, da scheint es ja ganz schoen zur Sache zu gehen, ich meine mit dem Ehrgeiz der Schueler. Ich habe mir uebrigens gestern mal auf der Karte angeschaut, wo Chengdu eigentlich liegt. Liegt ja richtig im Landesinnern. Mein franz. Kollege sagt, er war schon mal dort. Chengdu ist durchaus eine Grossstadt mit 12 Millionen Einwohnern, nur kennt sie in Europa kaum jemand. Naja, und wie du schreibst, tummeln sich dort auch nicht gerade viele Europaeer.

Ich melde mich morgen wieder.
Liebe Gruesse aus dem winterlichen Berlin (wieviel Grad sind es denn bei euch?),
Conny

Posted by: Conny um 14.03.06 18:34

Die Bilder sind jetzt groesser. Super. Die Schule sieht ja aus wie ein Hotel!!! Welche Altersklassen unterrichtest du eigentlich?
Liebe Gruesse,
Conny

Posted by: Conny um 15.03.06 09:49

Die Schüler sind zwischen 15 und 17 Jahre alt.

Posted by: Carola um 15.03.06 13:50

Hinterlassen Sie einen Kommentar




Eingeloggt bleiben?