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29.03.06
Der Leistungswettstreit im Kindergarten
Pünktlich um 8.30 Uhr machten sich Camille und ich wieder auf die Socken Richtung Kindergarten. Heute stand die „CCTV Outlook English Baby Show“, The 3rd children’s English Speaking Contest of Sichuan auf dem Programm. Dazu war die Aula des Hauses festlich geschmückt. Bei der Gelegenheit ließ es sich auch der Principal nicht nehmen, dieser Veranstaltung beizuwohnen. Louis, der Assistent des Principle, leitete die Veranstaltung. Vor der Bühne wurde die Jury platziert, bestehend aus einem Vater, Camille und mir. Dahinter saßen die Eltern, die ihren Kindern moralisch beistehen wollten. Wir hatten alle 55 Teilnehmer im Alter von 3 bis 6 Jahren kritisch unter die Lupe zu nehmen in puncto Inhalt, Phonetik, Sprachfluss, Vokabular/Grammatik und Generelles Auftreten. Dafür waren Punkte zu erteilen. Jedes Kind musste sich zunächst vorstellen, etwas über seine Familie, Hobbys oder Vorlieben erzählen, dann ein Gedicht oder Lied vortragen und zum Schluss noch einen Satz wiederholen, den Camille und ich immer im Wechsel vorsprachen. Diese waren uns vorgegeben, wir mussten nur einen aussuchen. Es war so süß. Die meisten lieferten einen allerliebsten Vortrag mit Gesten, Tanz und allem, was einen tollen Auftritt ausmacht. Einige waren natürlich sehr schüchtern, und ein Kind konnte überhaupt nichts mit der großen Bühne, dem Mikrofon und den vielen Augen, die auf sie gerichtet waren, anfangen. Sie fing einfach nur an, fürchterlich zu weinen, machte aber auch keine Anstalten, wieder von der Bühne zu treten. Zwei Stunden dauerte die Veranstaltung, die konzentrierte Arbeit von uns Jurymitgliedern verlangte. Die Punktbewertung wird im Computer gespeichert und ausgewertet. Die vier besten Wettstreiter kommen eine Runde weiter, wie auch immer die nächste Runde aussieht. Zum Dank für die geleistete Arbeit wurden wir zu einem Mittagessen eingeladen. Es ging in ein super feines Restaurant in der Stadt, das wirklich etwas hermachte. Auch die Speisen, die ausgesucht wurden, waren alles andere als lieblos und unansehnlich hergerichtet und schmeckten vorzüglich. Später erfuhren wir, dass der Principle ein Gourmet ist. Damit ließ sich dieses Ambiente gut erklären.
Auf dem Weg zu meiner heutigen Stunde sprach mich eine Englischlehrerin der Schule an und wollte wissen, wie es mir geht. Ich hatte sie nie zuvor gesehen. Im Laufe des Gesprächs bekam sie aus mir heraus, dass mein Wunsch, mir Chengdu mit den interessantesten Sehenswürdigkeiten in Ruhe anzuschauen, noch unerfüllt war. Sie bot sich sofort an, mit mir den nächsten Samstag in Chengdu zu verbringen. Da die Fahrt mit dem Bus dorthin aber ewig dauert, fragte sie mich, ob ich Auto fahren könne. Das wäre doch viel praktischer und schneller. Ich lehnte entschieden dankend ab. Ich gab ihr zu verstehen, dass mir an meinem Leben noch etwas liegt, und ich mit den Gepflogenheiten im Straßenverkehr hier beim besten Willen nicht mithalten kann. Ich weiß nicht, ob wir uns noch einmal wieder sehen und es tatsächlich schaffen, einen Tag in Chengdu zu verbringen. Übrigens habe ich gestern auch deine Gastmutti, liebe Julia, von vor zwei Jahren kennen gelernt. Sie ist ja auch Lehrerin an der Schule und war ganz begeistert, dass sie in alten Erinnerungen kramen konnte. Sie erkundigte sich nach dir, und ich soll dich ganz herzlich von ihr grüßen. Sie lud mich spontan zu ihr nach Hause ein, um mir ihre Bilder von vor zwei Jahren zu zeigen. Mal sehen, wann das was wird. An dich, lieber Florian, kann sie sich übrigens auch noch gut erinnern! Übrigens hat ihre Tochter ihren englischen Namen tatsächlich nur von ihrem richtigen chinesischen Namen übersetzt, so wie Julia es bereits erwähnt hat, nämlich Crops, weil sie mit Familiennamen Getreide heißt. Gewöhnlich verpasst aber der Englischlehrer in der Schule den Schülern ihren englischen Namen, wenn sie nicht schon irgendwann zuvor einen bekommen haben. Im Kindergarten heißt ein Junge Friday, weil er an einem Freitag geboren wurde. Und damit komme ich zu meinem speziellen Gruß heute an dich, lieber Martin Spengler. Ich gratuliere dir aus der Ferne ganz herzlich zu deinem Geburtstag und wünsche dir für dein neues Lebensjahr alles erdenklich Gute, beste Gesundheit und maximale Erfolge beim Abschluss deines Studiums. Mein Glas grünen Tee trinke ich heute speziell auf dich. Gan bei!
Posted by carola um 29.03.06 21:07
