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Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

13.03.06

Der erste Tag vor der Klasse

Heute wurde ich 9.00 Uhr von Sirley abgeholt. Sie zeigte mir die Schule (2 Minuten von hier entfernt). Ich traute meinen Augen nicht, als auf der großen Tafel am Eingangstor ein Willkommensgruß an mich gerichtet war (allerdings auf Chinesisch), mein Bild mit einer kurzen Biographie erschien, und danach noch weitere Bilder mit Aufnahmen vergangener Begegnungen in Deutschland gezeigt wurden. Plötzlich fand ich mich mit meiner ganzen Familie, unseren chinesischen Gästen und unserem Schulleiter Herrn Voßmerbäumer in meinem Wohnzimmer in Biederitz wieder. Das ist schon ein witziges Gefühl. Dieses Laufband läuft noch eine Woche ab, damit auch ja jeder weiß, wer ich bin und woher ich komme. Nach einer kurzen Orientierungsphase für mich versammelte sich um 9.30 Uhr die gesamte Schule (über 5000 Schüler und über 1000 Lehrer) auf dem Sportplatz der Schule zum Montagmorgenappell. Das kann man nicht glauben, dass sich so eine riesige Menschenansammlung so friedlich und fast lautlos formiert, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Zu Marschmusik marschierten drei Schüler die Menge ab zum Fahnenmast und hissten die Staatsflagge. Danach wurden die Nationalhymne und die eigene Schulhymne laut gesungen, die Musik dazu ertönte jeweils aus Lautsprechern. Nach einer Ansprache löste sich die Menschenmenge ganz geordnet und friedlich wieder auf. Sirley übersetzte mir nur einen Teil der Rede, weil dabei etwas Gelächter aufkam. Der Redner appellierte an alle Jungen, sich wöchentlich die Haare schneiden zu lassen, damit sie nicht herumlaufen wie Tiere.
Leider gingen meine Batterien der Kamera zu Ende, so dass ich die Zeremonie erst nächsten Montag fotografieren kann. Danach konnte ich noch einen kurzen Blick in das Jungenwohnheim werfen, da das Tor widererwarten offen stand und nicht wie sonst um die Zeit fest verriegelt war. Es gibt feste Zeiten, wann die Schüler hinausgehen und eintreten können, alles bewacht von Uniformierten. Wenn ein Schüler sich nicht an die Zeiten hält, werden sofort die Eltern informiert. Die Flure ähneln einer Kaserne, links und rechts graue Türen mit einem kleinen Sichtfenster drin. Die Schüler wohnen dort zu viert, zu sechst oder zu acht, je nach Größe des Geldbeutels der Eltern. Es sah sehr sehr trostlos aus, zwei harte Doppelstockbetten und zwei Hochbetten, unter dem einen 6 kleine Schließfächer und unter dem anderen drei kleine Schreibplatten, alles auf engstem Raum. Alle Türen standen offen, weil gerade gewischt wurde. Nach diesem Anblick durfte ich erst einmal wieder nach Hause gehen, weil meine erste Unterrichtsstunde erst um 16.10 Uhr begann. Diese verlief überhaupt nicht aufregend, ganz im Gegenteil. Es sind sechs wissbegierige Schüler (zwei Jungen, vier Mädchen), die mir jedes Wort nachsprachen, weil sie alles lernen wollen, was sie aufschnappen. Sie wollen so viel wie möglich lernen in der kurzen Zeit, wo sie die Gelegenheit dazu haben. Eine Schülerin überreichte mir bereits vor der ersten Stunde ein nett verpacktes Geschenk als Dank dafür, dass ich da bin und sie Deutsch bei mir lernen darf. Die 40 Minuten vergingen wie im Flug. Nur montags, mittwochs und freitags finden diese Stunden jeweils von 16.10-16.50 Uhr statt. Nach der Stunde war es einem Mitglied der Schulleitung ein Bedürfnis, mir den nächstgelegenen Markt zu zeigen, wo ich frisches Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch kaufen kann. Was sich da meinen Augen bot, kann ich wieder nicht in Worte fassen. Das muss man gesehen haben. Ich bin natürlich ohne die dort angebotenen "Köstlichkeiten" zurückgekehrt und weiß gar nicht, warum ich absolut keinen Appetit auf Fleisch heute habe. Zu Hause angekommen, erwartete mich schon jemand, der mich von dem ewigen Bimmeln des Telefons befreien wollte. Ich hatte eine Nummer bekommen, die wohl nicht richtig war. Das Telefon klingelte ständig, und wenn ich es abnahm, konnte ich Gespräche zwischen Leuten verfolgen, die ich leider nicht verstand. Aber keiner wollte etwas von mir. Nun hoffe ich, dass ich nur noch angebimmelt werde, wenn wirklich von mir jemand etwas will.

Posted by carola um 13.03.06 11:19

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Kommentare

Liebe Carola,

im Namen von Mutti und Vati, denen ich gerade deine Berichte aus Peking und vom ersten Schultag in Shengdu am Telefon vorgelesen habe, gratuliere ich dir ganz herzlich zu deinen tollen Aufzeichnungen. Sie lesen sich wie ein Roman, es macht richtig Spass und man wartet regelrecht auf die Fortsetzung. Meine Moskau-Wohnheimerfahrungen von 1980/81 helfen mir, mir wenigstens einen Teil deiner Beobachtungen recht bildhaft vorstellen zu koennen. Aber wahrscheinlich uebersteigern deine Erfahrungen dort noch bei weitem, was ich in Moskau erlebt habe. Mutti und Vati freuen sich genauso wie ich, dass du so freundlich und herzlich empfangen wurdest. Es muss eine nicht in Worte zu fassende Wohltat fuer dich sein, dass du solchen lernbegierigen Schuelern gegenueberstehst. In welcher Sprache sprichst du denn nun mit Ihnen? Englisch? Oder von Anfang an nur Deutsch? Halt' uns weiter auf dem Laufenden und ja, trink immer schoenen chinesischen gruenen Teee dabei, das haelt fit und gesund.

Ueberigens sind die Fotos so klein. Einige konnte ich etwas vergroessern aber die meisten nicht. Kann man da was machen? Kann Flori da was machen?

Also, unsere Eltern und ich gruessen dich ganz ganz herzlich. Moege es dir weiterhin so gut gehen.

Mucho exito!
Mutti, Vati und Conny

Posted by: Mutti, Vati und Conny um 13.03.06 19:14

Sup Mom?
Viele Gruesse aus dem zwischen heiss und regnerisch-kalt schwankenden Pelahatchie, MS., wuenschen dir meine Gastfamilie und ich. Ich uebersetze ihnen deine Texte groesstenteils und sie wuenschen dir alles Gute fuer den weiteren Aufenthalt.
Ich kann mich den anderen Kommentaren nur anschliessen, die Texte sind sehr interessant und anschaulich, aber ich frage mich, warum schreibst du denn nicht in Englisch?
Jedenfalls alles Gute und viele interessante, orientalische Erlebnisse wuensche ich dir

cu in summer of '06
Ben

Posted by: Benjamin um 16.03.06 23:45

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