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17.03.06
Das Fitnesscenter
Heute wurde ich wie jeden Morgen pünktlich 8.00 Uhr durch das Telefon geweckt: Hallo, this is your wake-up call. Das selbe dann gleich noch einmal auf chinesisch. Man will auf Nummer Sicher gehen, dass der Empfänger diese Message auch wirklich versteht. Ich weiß bis heute nicht, wer da so besorgt um mich ist, ich könnte die schönen Tage hier so tatenlos verschlafen, und diesen Weckruf in Auftrag gegeben hat. Inzwischen warte ich nach dem Aufwachen gespannt darauf und stehe tatsächlich dann erst auf.
Nach meinen Vorbereitungen auf meine heutige Stunde und etwas Wäsche - die Waschmaschine funktioniert übrigens hervorragend - war ich einmal mehr in der Stadt unterwegs, habe mich wieder eine Straße weiter gewagt auf der endlosen Suche nach Ansichtskarten, die ich in die Heimat schicken wollte. Aber es scheint aussichtslos, hier in Shuangliu erfolgreich zu sein. So hoffe ich darauf, bald den Stadtkern von Chengdu kennenzulernen, um da vielleicht mehr Erfolg zu haben. Dafür begegnete ich einem Brautpaar, das mit seinem Gefolge auf dem Weg zum Hotel war. Und den Weg zum Park habe ich auch wieder gefunden. Dort setzte ich mich nieder, genoss das wunderschöne Wetter und beschäftigte mich mit meinem neuen Hobby, Sudokus zu lösen. Das macht richtig süchtig. Um 16.10 Uhr begann wieder eine Unterrichtsstunde, diesesmal waren acht Schüler anwesend. Also es schwankt regelmäßig. Diese Stunde durften wir doch tatsächlich in einem Multimediaraum verbringen, wo ich keine Kreidetafel bedienen musste, sondern auf einem Smartboard schreiben durfte. Das war sehr angenehm. Die Schüler haben wieder große Fortschritte gemacht. Sie können schon alle Buchstaben richtig lesen und in Wortverbindungen schreiben, merken sich zu jedem Wort sofort den bestimmten und den unbestimmten Artikel, können kurze Sätze bilden. Wir kommen wirklich zügig voran. Nach der Stunde wartete Sirley bereits auf mich. Schnell eine Rikscha, oder auch Pedicab geschnappt, und ab ging die Post zum Fitnesscenter, dann auch noch die vielbefahrene Straße entlang. Mein Gott! Während ich mit einem großen Rucksack dort erschien, schwenkte die stets modisch gekleidete Sirley ihr kleines Handtäschchen und holte ihre Mitgliedskarte hervor, worauf sie einen Schrankschlüssel erhielt. In diesem kleinen Spint befand sich ihr gesamtes modisches Sportoutfit, einschließlich sämtlichen Accessoires, die für die anschließende Dusche notwendig sind. Auch ich bekam einen Schrankschlüssel. Schnell in die Sportsachen geschlüpft, ging es auch schon los. Um 16.30 Uhr begann der Aerobickurs. Auf den Laufbändern hinter dem Riesenschaufenster liefen die Herren der Schöpfung und beobachteten die Damen bei ihren Übungen. Also einige wenige Übungen waren mir tatsächlich aus unserem Studio in Magdeburg bekannt, aber der größte Teil war doch sehr asiatisch angehaucht. Auf einem Podest wurde alles vorgemacht, und alle wußten, wie sich zu bewegen. Nur ich hüpfte dazwischen wie ein Elefant im Porzellanladen. Alles mutete so graziös an, erst recht das cool down zum Schluss. Alle schwebten elegant durch den Saal, wie man es aus Ballettvorführungen chinesischer Tänzerinnen kennt, nur ich war viel zu groß und behebig, als dass es auch nur annähernd nett ausgesehen hätte. Es war schon sehr deprimierend für mich. Ich habe mir aber fest vorgenommen, mich nicht einschüchtern zu lassen und werde dort morgen wieder erscheinen und hart trainieren. Ihr werdet schon sehen, wenn ich in 3 Monaten nach Hause komme, schwebe ich auch so graziös übers Parkett-oder auch nicht. Nach der Aerobicstunde ging es noch auf das Laufband. Auch da lief Sirley wie ein Weltmeister, aber die etwa 1000m von der Schule zum Center waren ihr zu weit zu Fuß. Trinkwasser gab es dort zur Selbstbedienung zur Genüge. Zum Schluss stellte sich Sirley noch auf die Waage, um ihr Gewicht zu kontrollieren: 46 kg. Sie war mit sich zufrieden. Dann beobachteten wir noch kleine niedliche Tänzerinnen, im Vorschulalter, die fleißig Ballett übten. Plötzlich standen wir vor einem Raum, der eine Tafel und viele Schulbänke beherbergte. Auf meine verdutzte Frage, was das mit einem Fitnesscenter zu tun habe, erklärte mir Sirley, dass dort regelmäßig Ernährungsseminare für die Mitglieder abgehalten würden. Eine tolle Sache! Ansonsten gibt es dort noch einige Krafttrainingsgeräte, Tischtennisplatten und einen großen offenen Aufenthaltsraum, in dem die wartenden Eltern fernsehen. Nach den zwei Stunden Training ging es zum Duschen. Die Toiletten sind solche für China typischen Löcher, der Duschraum ist riesig, einzelne durch Vorhänge abgetrennte Duschkabinen. Ich frage mich, warum der große Raum total vernebelt war, das Wasser unter der Dusche jedenfalls war kalt. Nach dem Ankleiden wurden alle Sportsachen im Spint verstaut, das Duschhandtuch hängt jetzt außen am verschlossenen Schrank, wie überall. Nur meine Sachen nicht. Ich packte brav mein ganzes Hab und Gut wieder ein, da ich diese verschwitzten und nassen Sachen nicht dort lassen wollte. Während Sirley, schick gekleidet, einzig mit ihrem Handtäschchen ausgestattet, davon schwebte, trug ich meinen schweren Rucksack davon. Nach einer netten Unterhaltung bei einem kleinen anschließenden Stadtbummel bei Nacht und herrlicher Lichterreklame gingen wir nach Hause. Da Sirley ganz in der Nähe meiner Wohnung wohnt, hatten wir den gleichen Weg. Ihr Mann ist ständig beruflich unterwegs und ihre 15jährige Tochter kommt super spät aus der Schule, so dass sie viel Zeit für sich - und mich - hat.
Zum Schluss noch ein Gruß in eigener Sache. Heute gratuliere ich dir, lieber Wolfgang Matuzak, ganz herzlich zu deinem Geburtstag und wünsche dir für dein neues Lebensjahr alles erdenklich Gute, beste Gesundheit und maximale Erfolge in Familie und Beruf. Mein Glas grüner Tee wird heute auf dein Wohl geleert.
Posted by carola um 17.03.06 22:36
