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Mit Carpe Diem Sprachreisen auf nach China:
Sprachreisen mit carpe diem

28.03.06

Chengdu

Heute hat es endlich geklappt, dass ich Chengdu kurz kennen lernen durfte. Pünktlich um 9.00 Uhr fand ich mich auf dem Parkplatz der Schule ein. Einige Lehrer warteten bereits auf die Abfahrt, einige ließen auf sich warten. Es waren alles Lehrer der ältesten Stufe- hier Grade 3 genannt-, die im größten Bücherladen Bücher für ihre Schüler kaufen wollten, die es hier nicht gibt. Ich sollte vorne sitzen, Sirley platzierte sich hinter mir und die anderen quetschten sich alle irgendwie dahinter in dem Schulvan. Um 9.20 Uhr ging die Fahrt los. Es war wohl ein Fehler, mich vorne hinzusetzen. Das kann man als zivilisierter Mensch nicht mit ansehen, wie eigensinnig von jedem am Straßenverkehr teilgenommen wird. Es spielt sich zwar alles im Zeitlupentempo ab, trotzdem wundere ich mich immer wieder, dass da nicht mehr Unfälle passieren. Ich konnte bloß die Augen schließen, wenn ich wieder ein Fahrzeug, einen Radfahrer, eine Rikscha, einen Fußgänger oder sonst was direkt auf uns zukommen sah, oder rechts überholt oder völlig gefahrvoll abgebogen wurde.
Nach 14 Kilometern in 40 Minuten hatten wir den Innercircle der Stadt erreicht. Na, da war ja nun noch mehr los. Die unglaublich vielen Menschenmassen, die sich da auf den Straßen schleichend und drängelnd fortbewegten, sagenhaft. Da leben wir hier in Shuangliu aber entschieden ruhiger. Mitten im Zentrum der Stadt wurde vor sieben Monaten das Großbauprojekt U-Bahn begonnen. In sechs Jahren soll in Chengdu eine U-Bahn mit zwei Linien eingeweiht werden. Dadurch gibt es natürlich auch viele Verkehrseinschränkungen. Es war einfach nur chaotisch. Während die anderen Kollegen am Buchladen abgesetzt wurden, zeigte mir Sirley eine Straße mit einem Sportbekleidungsgeschäft neben dem anderen. Die Geschäfte darf man sich nicht so wie bei uns vorstellen. Hier sind es alles kleine Nieschen, keine Türen davor. Ein größeres Geschäft mit Schaufenstern und Verkaufsbereich, so wie wir das kennen, hatte alle Markensachen im Angebot, die man so kennt. Aber auch hier war es nicht möglich, mit Kreditkarte zu bezahlen. Ich habe bisher nur in Beijing ein einziges Geschäft gesehen, wo man das konnte, hier überall nicht, keine Chance. Ich nahm aber trotzdem etwas mit, um mein einziges Set an Sportsachen nicht über zu strapazieren. Dann ging es auf die Suche nach Ansichtskarten, wirklich ein großes Problem hier in China. Es kommen offensichtlich zu wenig Touristen, die Bedarf anmelden, so dass das hier noch eine echte Marktlücke ist. Unser Fahrer war sehr geduldig mit uns, schließlich fanden wir am Eingang eines nett aussehenden Parks einen Kiosk, wo es doch tatsächlich welche gab. Leider blieb keine Zeit, irgendetwas an Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Nach 90 Minuten wartete die Gesellschaft auf den Rücktransport. Um 12.00 Uhr hatten wir einen Ort erreicht, in dem plötzlich die Gesellschaft der Meinung war, sie müsste hier Mittagessen. Es wurden extra zwei Tische nach draußen gestellt, damit wir an der frischen Luft speisen konnten. Das Wetter lud regelrecht dazu ein. Es hätte so schön sein können, wenn daneben nicht so ein abartig stinkender Fluss gelegen hätte. Es dauerte eine ganze Weile. Ich wagte zu fragen, was es denn gäbe. Heute gab es Hotpot, aber ausschließlich mit Hühnerfleisch, neben vielen Sorten Gemüse. Das Huhn musste aber erst geschlachtet werden, weil wir nicht angemeldet waren. Und es kam aber auch wirklich alles in den Topf, was an einem Huhn so dran ist. Die Innereien wurden auf einem extra Teller serviert, wirklich frisch ausgenommen, das war nicht zu übersehen. Und mit einer Hingabe wurden die Hühnerbeine abgeknabbert… Zumindest dem Orientierungssinn des Fahrers hat es nichts genützt. Wir hatten uns auf dem weiteren Rückweg hoffnungslos verfahren. Was mir auf diesen abgelegenen Wegen da vor die Augen gekommen ist…, unglaublich, unbeschreiblich, wirklich eine andere Welt. Nach einer Stunde Irrfahrt kamen wir nach mehrmaligem Fragen doch tatsächlich wieder auf den richtigen Weg und schafften die verbliebenen 5 km schließlich in 15 Minuten. Zu Hause angekommen, blieb nicht mehr viel Zeit bis zu meinem Unterricht. Heute hatten sich die Reihen noch mehr gelichtet. Offensichtlich fällt es einigen doch zu schwer, dass sie schon nach zwei Stunden aufgegeben haben. Zwei Schülerinnen kamen zu spät, weil sie noch bezahlen mussten, was immer das auch heißt. Ich hoffe nicht, dass die Teilnehmer an meinem Kurs dafür bezahlen müssen. Das werde ich morgen in Erfahrung bringen. Nicht, dass die Schüler deshalb wegbleiben.
Heute waren es nicht mal mehr 50 Anwesende. Ein Mikrofon, um bis zum letzten Schüler durchzudringen, gibt es hier nicht. Das würde nur Ansteckungskrankheiten hervorrufen, wurde mir erklärt. Außerdem sind die Räume gar nicht so groß. Die Schüler sitzen eng zusammengepfercht nebeneinander, und das Lehrerpult steht etwas erhöht. Mit einer lauten kräftigen Stimme erreicht man schon jeden. Aber durch die Reihen zu gehen und Kontrollen beim Schreiben zu machen, fällt sehr schwer. Wir arbeiten aber vorwiegend mündlich. Alles Theoretische und die Vokabeln bekommen die Schüler in Form von Arbeitsblättern von mir ausgehändigt. Die Schüler wollen in erster Linie sprechen lernen, und dem hoffe ich mit meiner Methode gerecht zu werden. Nach der Stunde scharrten sich wieder mehrere Schüler um mich und wollten wissen, wie lange die Schüler an meiner Schule in Deutschland täglich Unterricht haben. Sie hätten gehört, dass es keine Abendschulstunden und keinen Unterricht am Samstag und Sonntag gibt. Es war mir fast peinlich, als ich diese Gerüchte bestätigen musste. Die Schüler waren außer sich und konnten es nicht fassen, dass es so etwas gibt.
Nach einer 30-minütigen Diskussion verließ ich sehr nachdenklich das Gebäude. Draußen bei herrlichstem Sonnenschein spazierte Wesley mit seiner Lady auf dem Arm und seiner Frau den Campus entlang. Ich verkündete ihm, dass ich wegen des Rezepts für Bratwurst schon fündig geworden bin, was ihn außerordentlich freute. Während unseres Smalltalks kam ein Mädchen angelaufen und überreichte Wesley ein Flugblatt. Nachdem wir es gelesen hatten, wurde Wesley kreideweiß und bemerkte nur, dass er das Mädchen kennt, weil es in einer seiner Klassen lernt. Es handelte sich um einen Aufruf einer Klasse, für ihre 16-jährige Mitschülerin zu spenden, da sie an Blutkrebs erkrankt ist. Die Eltern sind nicht in der Lage, die notwendige Behandlung zu finanzieren. Später sah ich auf dem Campus einen Stand, an dem die Schüler mit Bildern des kranken Mädchens die Gründe für ihren Spendenaufruf untermalen wollten. Das ging schon ganz schön unter die Haut, und wir waren uns sofort einig, dass auch wir unbedingt helfen müssen.

Posted by carola um 28.03.06 23:01

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